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unter dem Namen Rama geboren wurde, beabsichtigt, diesen Sohn zu seinem Nachfolger zu ernennen und ihm vom Volke huldigen zu lassen. Mit Freude vernehmen die Edlen des Landes diesen Entschluss und Rama wird zu seinem Vater beschieden, der ihn zärtlich liebt, als das Kind seiner ersten Gattin Kausalja, neben welcher der König, nach indischer Sitte, noch andere Gemahlinnen hat. Während die Vorbereitungen zum Feste der Huldigung getroffen werden, sieht eine fremde, buckelige Sclavin, Namens Manthara, welche die Zofe einer anderen Gemahlin des Königs, Keikeji mit Namen, ist, die geschmückten Strassen und festlich gekleideten Menschen. Kaum hat sie gehört, was sich begeben soll, als sie zu ihrer Herrin eilt und diese mit Vorwürfen überschüttet, weil sie die Herrschaft des Landes nicht ihrem eigenen Sohn Farata zuzuwenden suche. Keikeji, welche die intriguanten Pläne der Manthara nicht sogleich erfasst, freut sich der Botschaft, dass Rama König werden solle, denn, sagt sie, zwischen Rama und Farata macht ihr Herz keinen Unterschied.

Die boshafte Magd lässt jedoch nicht nach, ihre Herrin aufzureizen. Obgleich Keikeji alle guten Eigenschaften des Rama vorhält, so weiss die buckelige Intriguantin sie doch zuletzt umzustimmen und giebt ihr endlich den Rath, dem Könige durch List das Versprechen abzulocken, dass Farata zum Könige ernannt und Rama verbannt werden soll. Dasaratha hat in früherer Zeit aus Dankbarkeit für Keikeji, die ihm einmal das Leben rettete, dieser die Erfüllung zweier Bitten zugesagt und hierauf sich stützend, vollführt sie ihren Plan. Sie wirft ihren Schmuck von sich und bleibt weinend am Boden liegen.

Dasaratha, welcher sich in der Freude seines Herzens zur Keikeji, seinem Lieblingsweibe, begiebt, um ihr mitzutheilen, was sich mit Rama zutragen soll, findet Keikeji trostlos, und Bucht sie aufzurichten, indem er ihr schwört, Alles, was sie begebre, zu erfüllen. Er fügt hinzu:

Kein andrer Mensch, als Rama nur,
Der Männer bester, ist mir mehr
Und inniger geliebt als Du.

Aber wie gross ist sein Entsetzen, als das geliebte Weib gerade das Verderben des einzigen Menschen begehrt, den er mehr liebt als sie. Umsonst ist sein verzweifeltes Bitten und Flehen; sie besteht auf ihrem Begehren und er muss ihr, seines Schwures eingedenk, willfahren. Als er alle seine Bemühungen, sie zu erweichen, scheitern sieht, wendet sich sein Herz von ihr ab und in gewaltiger Zornrede giebt er seinem Schmerze und seiner Entrüstung freien Lauf.

Schon ist Rama zum Feste geschmückt und seine Freunde preisen ihn und Sita, sein geliebtes Weib, glücklich, da ruft ihn ein Bote zu Dasaratha, welcher ihn bei Keikeji erwartet. Aber der Schmerz des unglücklichen Vaters ist so gross, dass er es nicht über sich vermag, den Sohn zu sehen und anzureden. Keikeji übernimmt es, die schlimme Botschaft dem Rama mitzutheilen. Ruhig hört Rama, was über ihn verhängt ist; des Vaters Wort höher achtend als alles andere, beugt er sich dem Unabwendbaren. Er geht zurück und als er Kausalja, seine Mutter festlich geschmückt beim Opfer für sein Wohlergehen findet, theilt er ihr sein Schicksal mit, tröstet die Jammernde und beschwichtigt den aufbrausenden Zorn seines jüngeren Bruders Lakschmana. Hierauf kündigt er seiner Gattin an, dass er in die Verbannung ziehen müsse und ermahnt sie, ihm nicht zu folgen. Voll schöner Entrüstung äussert sich Sita über die PAichten des Weibes :

Denn nicht dem Vater, nicht dem Sohn,
Der Mutter nicht und nicht sich selbst,
Nur dem Gemahle soll das Weib
Im Leben folgen und im Tod.

Umsonst malt der besorgte Gatte ihr alle Gefahren, denen sie mit ihm entgegengehe, er muss ihrem festen Entschlusse sich fügen und sie mit sich ziehen lassen. Rührend ist der Abschied des Vaters von Rama. Von Schmerz überwältigt wendet sich Dasaratha noch einmal zu Keikeji, um Gnade für sich und den Liebling bittend. Aber Rama selbst bleibt standhaft und nachdem er und Sita Abschied genommen, ziehen beide, von dem jüngeren Lakschmana begleitet, fort in den Wald.

So lange noch des Scheidenden
Gestalt im Staube sichtbar war,
So lange zog Dasaratha

Von Rama nicht die Augen ab. Und als der verstossene Sohn seinen Blicken entschwunden ist, sucht der Vater dessen Mutter, Kausalja, wieder auf. welche den gebeugten König tröstend pflegt, bis er in ihren Armen, sein Geschick beklagend, stirbt. Bald nach des Vaters Tode trifft Farata, der Sohn Dasaratha's und der Keikeji, am Hofe ein und erfährt mit Erstaunen, was vorgefallen. Mit strafenden Worten wendet er sich von der Mutter ab, unternimmt einen Zug zu Rama in den Wald und fordert diesen auf, als rechtmässiger Herrscher in sein Reich zurückzukehren. Rama aber, das Andenken an den Schwur des todten Vaters heilig haltend, verzichtet, obgleich Farata ihn kniend anflebt, und bleibt vorläufig im Walde zurück.

Wie in allen indischen Sagen, so ist auch in diesem Bruchstück des Ramajana der Triumph der Entsagung das leitende Princip. Durch Entsagung zeigt der menschgewordene Gott selbst seine Grösse, durch Entsaguny steht ihm das Weib würdig zur Seite, und durch Enteagung söknt uns Farata damit aus, dass er Rama verdrängen muss. Später tritt Rama als grosser Eroberer auf und unterjocht ganz Indien nebst der Insel Ceylon mit Hülfe eines Affenheeres, welches ihm eine Brücke von Felsen über das Meer zwischen Ceylon und dem indischen Festlande baut.

Unter den mannigfachen eingeflochtener Episoden des Ramajana bietet die Geschichte der Sawitri wieder ein Bild der Frauentreue, so rührend und einfach schön, wie es die Volkssage eben nur in Indien aufzuweisen hat. Auch dieser Stoff ist wiederholt und ganz neuerdings von der rheinischen Dichterin Luise von Ploenies behandelt worden. Die Göttin Sawitri erhört das Gebet des Königs Aswapati

, und Malawi, dessen Gattin, schenkt ihm eine Tochter, welche der dankbare Vater nach der Göttin benennt. Als die Königstochter Sawitri herangewachsen ist und keiner sie zur Gattin zu begehren kommt, sendet der Vater sie aus, sich selber einen Mann zu wählen. Sie erwählt Satjawat, den Sohn des ver

triebenen Fürsten Djumatsen, der erblindet mit seinem Weibe in Walde wohnt. Als sie zurückkommt, ihrem Vater diese Wahl zu verkünden, trifft sie den weisen Narada, den wahrsagenden Freund der Götter. Dieser beklagt ihre Wahl, denn Satjawat, den er als edlen Menschen rühmt, müsse in Jahresfrist sterben. „Wähle Dir einen andern Mann,“ spricht Sawitri's Vater, sie aber erwiedert:

Ob lang er lebe oder kurz,
Der Gatte ist einmal gewählt,
Ich wähle keinen andern mehr.

Da geht der Vater mit ihr zur Einsiedelei des alten blinden Djumatsen und die Verbindung Sawitri’s mit Satjawat wird vollzogen. Froh lebt sie nun in dem prächtigen tropischen Walde, doch trägt sie das schwere Wort des Narada still im Herzen. Vier Tage, bevor die Frist abgelaufen ist, legt sie. sich die strengsten Bussübungen auf, und als endlich der verhängnissvolle Tag anbricht, da bittet sie den Gatten und dessen Eltern, dem Satjawat folgen zu dürfen, wenn er mit dem Beile in das Holz geht. Sie gewähren es ihr. Unterwegs macht Satjawat die geliebte Gattin auf die Schönheit des Waldes aufmerksam; sieh, sagt er zu ihr, den lieblichen und wundervollen Wald; sieh dort die Pfauenherde, hier die Fluth des Baches und die Blüthenpracht; sie aber, wandelnd hinter ihm, sah überall nur ihn allein, der Stunde denkend schmerzerfüllt, da sterben sollte ihr Gemahl.

Satjawat beginnt zu arbeiten, und fühlt sich bald ermattet und krank. Da setzt Sawitri sich zu Boden und nimmt sein Haupt in ihren Schooss. Nun erscheint Jama, der Todesgott, und Sawitri, sanft das Haupt des Gatten bei Seite legend, redet ihn an.

Der Tod zieht die Seele aus dem Körper Satjawat's und geht damit fort. Stumm folgt die treue Sawitri ihm nach und achtet nicht die Ermahnung des Todes, welcher ihr räth umzukehren. Als sie eine Weile gegangen sind, sagt Sawitri dem Tode einen frommen Spruch und Jama findet daran so viel Wohlgefallen, dass er ihr eine Gnade verspricht, aber mit dem Zusatze: Nur nicht das Leben Satjawat's. Da erbittet sie, dass ihr Schwiegervater sehend werde. Als bald darauf Jama ihr eine zweite Bitte freistellt, nur nicht das Leben Satjawat's, bittet sie, dass der alte Djumatsen wieder in sein Reich eingesetzt werde. Noch zweimal wiederholt sich dasselbe. Der Todesgott, durch ihre Geduld und sanfte Frömmigkeit gerührt, gewährt ihr noch zwei Wünsche, nämlich Nachkommenschaft für ihren Vater und sie selbst. Sie ermüdst indess nicht und erreicht endlich durch ihre Ausdauer das Höchste, denn ,wünsche, was Du haben willst,“ sagt Jama und setzt das schreckliche „nur nicht das Leben Satjawat’s“ diesmal nicht hinzu. Da entgegnet Sawitri in überströmender Freude:

Diesmal ist Deine Gabe nicht wie sonst der Seligkeit beraubt,
Gieb mir das Leben Satjawat's, gieb mir das Leben des Gemahls,
Gieb mir mein Leben wieder, gieb mir Himmel, Glück und-Seligkeit.

Jama erfüllt ihren Wunsch und sie kehrt mit der Seele Satjawat’s zu dessen Körper zurück. Still nimmt sie das Haupt des geliebten Gatten wieder in ihren Schooss und als Satjawat erwacht, kehrt sie init ihm zurück, ohne das Vorgefallene auch nur zu erwähnen. Als sie jedoch zu Djumatsen's Einsiedelei zurückkommen und alle Wünsche, welche der Tod der Sawitri gewährt hat, in Erfüllung gegangen sind, da wird ihre Tugend offenkundig. - Am Schlusse heisst es dann : Wo man hinfort Frauentugend rühmt, sei Sawitri zuerst genannt

Hier erlaube ich mir, meine Mittheilungen über indische Sagen abzubrechen. Vieles bleibt noch zu erwähnen: namentlich wäre noch Interessantes von den Märchen- und Fabelsammlungen anzuführen, und zu zeigen, wie auch hierin. namentlich bei der Thierfabel, Aehnlichkeiten mit Dichtungen anderer Völker erkannt wurden doch würde dies zu weit führen. Möge denn das Wenige, was mir mitzutheilen vergönnt war, nachsichtig aufgenommen werden. Braunschweig

Dr. A. Glaser.

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