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essante Bekanntschaft gemacht. Er nennt in dem Anhange einige Dutzend Handschriften und gibt Details über sie, und doch hat er das Alles nur aus Hagen geschöpft, und er, dessen Kenntniss des Mitteldeutschen so gar ungenügend, würde Doch weniger im Stande sein, es in Handschriften zu entziffern, das Alles verlangt auch Niemand von ihm für seinen Zweck, er hatte sich nur an die besten Ausgaben zu halten, und es wäre ihm nur zu wünschen gewesen, dass er, um zahlreiche Fehler zu vermeiden, wenigstens die Neudeutschungen von Simrock, San Marte u. s. w. zur Hand genommen, und dass er, statt mitunter Hagensche Analysen von Gedichten statt dieser selbst zu übersetzen, diese selbst eingesehen hätte. Er sagt ausdrücklich: Si vous parcourez jamais le précieux manuscrit de Manesse, vous remarquerez sur l'une des pages une peinture assez grossière, hauté en couleur, pauvre en dessin, roide et cependant d'une remarquable élégance etc. Und doch hat schon Pey bemerkt, dass er diese Miniatur, die er so genau beschreibt, unmöglich habe ansehen können, weil in derselben Gottfried keinen Falken in der Hand halte; vielmehr habe er eben die fertige Hagensche Beschreibung genommen, wobei ihm denn nun begegnet zu sein scheint, einen Griffel, der sich in des Dichters Hand befindet, mit Greif zu verwechseln, und dieses Wort dann wieder frei mit Falke, faucon, zu übersetzen. Trotz dieser angeblichen Kenntniss der Manuscripte, und obgleich er gelegentlich Chroniken, die er citirt gefunden, nachcitirt, und trotz des Staunens der Kritiker über seine gründliche Gelehrsamkeit, hat er fast nur Hagen benutzt, er nennt ausser diesem als livres à consulter nur noch Rosenkranz und Vilmar (Marburg 1851) und fügt ein kluges „etc.“ hinzu. Er scheint aber von der Existenz der Lachmann und Haupt, Gervinus und Gödeke, und wie sie alle heissen, Nichts zu ahnen, und er gibt z. B. gleich im Ganzen und Grossen eine falsche Vorstellung von den Minnesängern, wenn er sagt: ils font leurs chefsd'oeuvre, comme le moissonneur fait sa gerbe, sans y songer, als wären sie reine Volksdichter und als gäbe es in ihren Gedichten nicht auch viel Kunst und selbst Künstelei.

St. Marc Girardin sagt zwar: le livre nous fait aussi connaître l'histoire morale et politique de ce moyen âge; ich habe

aber keine leidliche ausreichende Kenntniss desselben wahrnehmen können, nur manche Irrthümer und Willkürlichkeiten gefunden. Da heisst es z. B., Friedrich II. habe den Aufforderungen, seine Expedition zu unternehmen, nur immer entgegnet: demain, ce grand réfuge des impuissants, wie wenn der Kaiser aus Ohnmacht und Schwäche den Kreuzzug, für den d’Assailly begeistert ist, aufgeschoben hätte; da nennt er diesen so thatkräftigen und grossen, wenn auch genussliebenden Kaiser einen deutschen Sardanapal; und dass das Buch wirklich ein gefärbtes Bild der Zeit gibt, beweist der Eindruck, den es auf Girardin gemacht, der nun das Dahinschwinden jener Zeit, wo die Frau so viel gegolten, wo Alles so idealistisch gewesen, bedauert. Eine nähere Kenntniss der Dichter schon würde ihn vielleicht eines Bessern belehrt und ihm gezeigt haben, dass dieselben gar nicht bloss so spiritualistisch platonisch liebten, und die Culturgeschichte jener Zeit würde ihm ohne Zweifel noch ganz andere Seiten enthüllen. Freilich entstellt auch d'Assailly das Bild seiner Dichter etwas, um aus ihnen möglichst glühende, ascetische Katholiken zu machen, bei Ulrich verweist er die Scene, wo dieser von der geliebten Frau Gunst verlangt und von dieser so unsanft behandelt wird, in den Anhang; bei Walter lässt er die sinnlichen Liebesgedichte, die poetisch wohl die vollendetsten sind, ganz unerwähnt,

und lässt ihn vorzugsweise an das heilige Grab denken; und Gottfried, weil er auch eine Hymne auf die Jungfrau gedichtet, s'est fait chrétien fervent ou philosophe austère vers le déclin de ses jours, wobei es ihm denn auf den Widerspruch nicht ankommt, dass er zugleich seinen Tristan nicht vollendet hat, weil er vom Tode überrascht, also doch bei einer sehr weltlichen Beschäftigung gestorben ist.

Aber d’Assailly färbt nicht bloss, er erfindet auch. Wir armen Deutschen wissen oft über das Leben dieser Minnesänger herzlich wenig, und nachdem ein Gelehrter alle Chroniken durchstöbert, die Gedichte befragt, in der leisesten Anspielung vielleicht nach einem Fingerzeige gesucht hat, gesteht er wohl: ich weiss fast Nichts von Gottfried oder von Wolfram. Unser Verfasser, dem es nur auf interessante Gemälde und lebhafte Schilderungen ankommt, ist viel unterrichteter, Da wir keine Nachricht darüber haben, so zweifle ich z. B., ob Friedrich II., der sich in seinen Handlungen durch die Politik bestimmen liess, je von den Gedichten des armen Walter, die ihn zum Kreuzzuge ermahnten, gross Notiz genommen hat; d'Assailly sagt: à chaque appel du chantre d'amour Frédéric tressaillait, ces instances continuelles pour presser son départ agissaient sur lui comme un remords, wo denn sogar die Diction, die Bezeichnung Walters als chantre d'amour, in diesem Zusammenhange fehlerhaft ist, da dieser, insofern er zum Kreuzzuge auffordert, nicht Liebesdichter ist. Und zu unserer Freude erhalten wir von Gottfried z. B. eine ganze Biographie. Sein Vater war ein marcband. Sa jeunesse fut modeste et obscure. On reconnaît aisément que la cour des Hohenstauffen fut pour le Minnesinger une de ces patronnes bienfaisantes.

Cette cour venait de temps à autre établir sa résidence à Strasbourg. Dans le voisinage (doch nicht so ganz) au fort de Trifels, on gardait les joyaux de la couronne impériale. Frédéric lui-même s'entourait volontiers de poètes. Godefroid devait se sentir attiré par la magnificence de tels princes. Au contact de la cour, sa langue s'épura. La faveur des Hohenstauffen lui serait probablement devenue funeste, si ces Mécènes d'humeur inconstante et voyageuse ne se fussent pas souvent éloignés de Strasbourg. Lorsqu'au lendemain d'apparitions rapides la cour s'enfuyait avec son cortège fastueux de .pages, de châtelaines et de seig. neurs, triste, les yeux éblouis, notre pauvre jouvenceau allait errer au bord du fleuve natal. Le Rhin à son insu calma ses ennuis. Au milieu de cette nature émouvante, un jour qu'il feuilletait un manuscrit, son front s'illumina d'un feu subit; il poussa un cri de passion qui devint un poème: Tristan et Isolde etc. Also weil in einem Schlosse Rheinbaierns oft die Reichsinsignien aufbewahrt wurden, muss Friedrich oft dort sich aufgehalten haben, also muss er oft in einer Stadt des Elsass seine Residenz gehabt haben, also war er der Gönner eines jungen Menschen, der ungefähr zu derselben Zeit dort lebte, also u. 8. w. Wirklich, das läge sich in einem Romane ganz gut, aber in einem ernsten Geschichtswerke hat die Darstellung doch den kleinen Haken, dass sie reine Erfindung ist; und wenn aus vielen solchen Büchern St. Marc

Girardin seine politische und moralische Kenntniss des Mittelalters geholt hat, so wird mir seine Unbekanntschaft mit demselben erklärlich.

Zudem ist auch d’Assaillys Kenntniss der Sprache vollständig ungenügend. Man hat wohl gelacht, wenn ein namhafter Faustübersetzer an der Stelle: heisse Magister, heisse Doctor gar, vom docteur Gar sprach, wenn Marmier Rabend. h. Ravennaschlacht durch bataille des corbeaux übersetzte, wenn ein anderer bekannter Schriftsteller Meinigen für einen Eigendamen hielt und nun Tell sagen lässt: me voilà sur le Meinigen; man könnte in unserem Autor eine reichliche Lese ähnlicher Missverständnisse halten. Er sagt z. B. bei dem Abenteuer Lichtensteins: l'absurde créature saisit l'échelle, la retourne et Ulrich tombe; da im Text es sich

ganz

anders verhält, dort nur von Betttüchern die Rede ist, die jener losliuss, 80 scheint er das Wort lailachen, das doch noch nicht erloschen und in der Form Laken gäng und gäbe ist, mit Leiter zu übersetzen; er macht, wenn der Vogel Galidrot und seine Jungen erwähnt wird, daraus l'histoire du puissant Galidrot et de ses fils und wenn Walter sich tröstet:

ich kan aber endes niht gewinnen:
darumbe waere ich nu verzaget
Wan daz s'ein wenik lachet, so si mir versaget,

80 lässt er ihn das Gegentheil sagen: Quelle serait ma joie, si vous me fermiez la bouche avec un sourire. Andere Beispiele kann man bei Pey selbst nachlesen; ich würde nicht fertig, wollte ich alle solche Verstösse rügen; auch sind das nur wahre Kleinigkeiten, die für uns Pedanten, Engländer, Deutsche und andere gewissenhafte Barbaren von Wichtigkeit sind, aber nicht für einen geistreichen, genialen Franzosen, der an der Spitze der Civilisation marschirt. Wie lächerlich, wenn ein Luther, um gut zu übersetzen, selbst bei Fleischern über den besten Ausdruck sich Rath erholte, wenn ein Voss sich mitunter acht Tage lang mit einem Verse trug; sie hätten sollen bei d'Assailly und Genossen in die Schule gehen, da hätten sie es leichter gehabt. Eine der angesehensten Zeitschriften, die existiren, die Edinburgh Review in ihrem Januarhefte 1856 bei einer Kritik

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der Guizotschen Geschichte, also bei einem Buche, wo es wesentlich nur auf den Inhalt, weniger auf die Form anzukommen scheint, hält es nicht unter ihrer Würde, dem englischen Uebersetzer auf mehreren Seiten Schritt für Schritt zu folgen, iho die geringste Abschwächung des Ausdrucks, die unbedeutendste Aenderung des Sinns, einen kleinen, vielleicht im Interesse des Stils gemachten Zusatz, aufzumutzen. Sagt er z. B. statt History of the Commonwealth of England and of Cromwell: History of Cromwell and the Commonwealth ; fügt er, wenn es im Texte heisst l'éclat de leurs actions et de leur destinée in der Uebersetzung: the splendour of their actions and the magnitude of their destiny das Wort magnitude, vielleicht nur des besseren Stiles wegen, wie er wohl meinen mag, hinzu, gibt er repousser durch das schwächere refuse wieder; heisst es für on ne voulait pas faire éclater les dissensions des républicains: to originate dissensions would, it was felt, be madness oder statt il était l'âme (de la commission) nur he was the chief, so wird er gehörig abgekanzelt; es wird bedauert, dass diese mangelhafte, autorisirte Uebersetzung nun einmal da und keine Abhülfe möglich sei, und es wird aufgefordert, allen Uebersetzern streng auf die Finger zu sehen, um die Unfähigen durch Furcht vor Tadel zurückzuhalten und die Tüchtigen durch Aussicht auf verdientes Lob zu ermuthigen. Der Kritiker will eben den Schriftsteller möglichst genau wiedergegeben haben, so weit das angeht, denn, sagt er mit Recht: The lights and shades of style indicate the bias of an author's mind. Man wird mir, meint er, vielleicht entgegnen, meine Ausstellungen gingen nur aus Kleinigkeitskrämerei hervor. But let it be understood that the last seven of them all arise out of a single paragraph, and that the last six are all on the same page; and let any one conceive what murder is done upon the soul of a book, 700 pages long, when a translator sits down in this manner to the work of killing it by inches.

Solche Ansprüche machen andere Nationen an ihre Uebersetzer; und nun vergleiche man, wie die Franzosen meistens zu Werke gehen und welches Morden unter den Schönheiten eines Werkes da gewöhnlich angerichtet wird. Sagte doch dieser Tage erst Philarète Chasles selbst, in seinem Cours am

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