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Eine männliche Caesur ist aus:

„Kennt ihr den Stein, ihr Deutschen etc.“ in Nro. 58 leicht zu gewinnen, nämlich so:

„Kennt ihr, Deutsche, den Stein etc.,“ wodurch denn auch der Nachtheil aufgehoben ist, „ihr“ einmal als leichte und gleich darauf als schwere Silbe gebraucht zu sehen.

Wenu es doch notorisch ist, dass nicht Péru sondern Perú gesprochen werden muss, so kann man auch nicht einen Hexameter (Nro. 59 unter der Ueberschrift: Die Blume la Belle-de-nuit) schliessen:

auf Peru's Gefilden“. Statt des Verses: „Träumendes Herz, wie die „„Schöne der Nacht““ auf Peru's Ge

filden etc.“ würde man etwa sagen können: Menschliches Herz! Wie im fernen Peru die „„Schöne der

Nächte,
Blühest und duftest du erst, wenn sich die Sonne gesenkt“
oder anders :

„Auf den Gefilden Peru's erst nach dem Sinken der Sonne
Duftet die „ „Schöne der Nacht; * * anders das menschliche

Herz ?"
In Nro. 63 „Complimentirbücher“) fehlt dem Hexameter wieder die
Caesur:

„Nur die Maske, die todte, der Höflichkeit wisst Ihr zu geben;

Lebende Höflichkeit quillt tief aus der menschlichen Brust.“ Auch dies ist unschwer zu ändern in :

„Complimente genug macht ihr; ihr zeichnet die Maske;

Lebende Höflichkeit quillt aus der Tiefe der Brust.“ Denn „Höflichkeit“ ist als Ampbimacer (anstatt des Molossus) ungleich erträglicher denn als Daktylus zweimal hinter einander.

Metrisch sehr gelungen sind Nro. 65 und 66.

In Nro. 68 („Die Hindus der Wüste“) ist wieder die weibliche Caesur im Wege. Drum setzen wir statt:

„Hindus der Wüste geloben, der Fische sich streng zu enthalten“ folgenden Hexameter:

„Wüstenbindu gelobt, sich der Fischkost streng zu enthalten.“ In der Nro. 70 („Lamartine's Friedens-Marseillaise“) müssen wir, abgesehen von der Frage, ob dieser Gegenstand in die Schule passt, uns der dritten Person Praes. „strecket“ entledigen, also statt des Pentameter:

„Gilt es, so strecket der Wolf plötzlich die Tatzen heraus“ etwa folgenden bilden :

„Eh' ihr euch dessen verseht, zeigt euch die Tatze der Wolf.“ Denn nur „strecket“ in das allein gebräuchliche „streckt“ zu verwandeln, möchte weniger angemessen sein, da der erste Daktylus in der Vorstellung wie in der Aussprache (im Vortrag) ebenfalls leicht zum Trochäus gilt's, so“ zusammenschrumpft und zwei Trocbäen nicht wohl den Pentameter eröffnen können.

In Nro. 73 entfernt man den Trochäus „eine“ im zweiten Pentameter dadurch, dass man statt dessen den Daktylus „ersteres setzt, in Nro. 74 die Ungestalt „erzieh et“ dadurch, dass man „bebütet“ schreibt.

In Nro. 78 („Der Ring des Polykrates“) verderben die Schmarotzer-e das einfach schöne Distichon. Statt:

„Grauen erregt ein Leben, dem nie sich gesellet ein Unglück;

Denn nie wechselndes Glück wecket der Himmlischen Neid setzen wir nur:

Grauen erregt ein Leben, dem nie sich gesellte das Unglück;

Denn ein wechselndes Glück weckt dir der Himmlischen Neid.“ In Nro. 79 (,,Die Bürgschaft“) greift der Satz aus dem nicht abschliessenden Pentameter hinüber in den nächsten Hexameter, obwohl das

ganze

Motto nur aus zwei Distichen besteht, und ohne dass die Unregelmässigkeit durch den Inbalt begründet wäre, wie bei Schlegel in „die Elegie“ (S. oben). Das Motto lautet beim Verfasser so:

„Herrlich erscheint der Treue Gewalt im Kampf mit den Räubern, Herrlich im Kampf mit dem Strom und mit des Tagesgestirns Alles versengender Gluth; doch höhern Sieg noch erringt sie,

Da an der Göttlichen Strahl schmilzt des Tyrannen Gemüth.“ Das „höhern“ kann wohl nur ein Schreib- oder Druckfehler für „höberen“ sein. Wir erlauben uns den Vorschlag; was den ersten Pentameter und den zweiten Hexameter betrifft:

und mit dem Tagesgestirn. Doch noch höheren Sieg erringt sie, die Tochter des Himmels“ etc. Das Epigramm über Herder Nro. 83:

„Suchst du bei Herder gerundetes klares Ergebniss der Forschung,
Reines Gebilde der Kunst, wisse, du suchest umsonst.
Wenn du aber belebenden Reiz, andeutende Winke
Wünschest für Wissen und Kunst, siehst du dich reichlich be-

lohnt können wir, abgesehen davon, dass uns llerder böher zu stehen scheint, auch in metrischem Betracht so nicht annehmen; denn einmal fehlt dem ersten Hexameter alle und jede Cresur, sodann stört das „such e st,“ und endlich wird der Verfasser die Wiederkehr von „Kunst“ an derselben metrischen Stelle nicht für einen Hebel der schönen Form halten. Wir schlagen vor:

, Suchst du bei Herder gerundete Frucht der strengeren Forschung,
Reines Gebilde der Kunst, wisse du suchst nur umsonst.
Wolltest du aber belebenden Reiz für Wissen und Können

Sucben und deutenden Wink, siehst du dich reichlich belohnt.“ Nro. 84 und 85 sind in metrischer Beziehung vortrefflich, im Ganzen auch Nro. 86 („Des Augustus Zeit“), das in 5 Distichen den Uebergang vom Epigramm zum elegischen Gedicht bildet.

§. 19 bringt uns dann Uebungen im elegischen Versmass. Dass die Elegie nach neuerer Weise aufgefasst bloss ein „Klagelied“ sei, wird der Verfasser wohl im strengen Sinne nicht meinen. Immer doch ist sie ein Gedicht, in welchem sich Sehnsucht nach einem verlorenen oder nicht zu gewinnenden Gute ausspricht eine Auffassung, die sowohl das epische wie das lyrische Element zulässt, ja auch die didaktische Färbung ibres Orts

nicht ganz ausschliesst. Da übrigens der Verfasser nur ganz beiläufig anf das Wesen der Elegie hindeutet, so haben wir hier auch keine Veranlassung demselben weiter nachzuspüren und halten uns ausschliesslich an die Form, an das Metrische.

Die Uebungen im elegischen Metrum setzen schon viele Uebung in leichteren Massen voraus, und so mag es sein, dass der Anfang“ in jenen Uebungen mit der metrischen Bearbeitung einzelner angemessener Stellen aus Schiller's ästhetisch-philosophischen Abhandlungen gemacht werde;* sonst dürften wir doch nicht vergessen, dass diese Abhandlungen stofflich zu dem Schwierigsten für den Schüler gehören. Darin aber hat der Verfasser freilich sehr Recht, dass die Uebertragung eines anderen Metrums in das elegische grosse Bedenken hat, wenn das betreffende Gedicht ein werthvolles ist. Denn die dem Stoffe angemessene Form, ja die möglichste Verschmelzung von Stoff und Form sind wesentliche Bedingungen eines guten Gedichts; und wenn z. B. Schiller das Gedicht „An die Proselytenmacher“ des iambiscben Metrums (Musenalmanach 1796) entkleidete und in Distichen umgoss, so war er sicherlich iiberzeugt, dass die erste Form dem Stoffe nicht recht angemessen war. Es war daher nach unserer Meinung nicht wohl gethan, wenn der Verfasser dennoch die beiden Schiller'schen Gedichte „Wilhelm Tell“ und „In das Folio-Stammbuch eines Kunstfreundes* zur Umformung in das elegische Versmass heranzog. Sehr geschickt dagegen hat er einen „Streitgesang über Schiller und Göthe“ gebildet sowie der Platen'schen Heroide , Choröbus an Kassandra“ im Anschlusse an Schiller's „Kassandra“ eine Antwort „Kassandra an Choröbuss zur Uebung geschaffen.

Was nun die Lösungen betrifft, so müssen wir einige wenige Ausstellungen machen, wie wir denn auch selbst in Meister Platen's Heroide weder die weiblichen Caesuren lieben, noch das Part. Perf. Pass. „verkündig et,“ noch endlich die allmählich in die ganze Nationalliteratur eingeschmuggelte Form „llion“ für „Ilios,“ welche erstere nur ein mal bei Homer (II. XV. v. il, wenn hier die Leseart richtig ist,) vorkommt.

Wir begreifen nicht, wie der Verfasser in Nro. 87 („Der Künstler“) sich Schülern gegenüber von den Welschen darin abhängig machen kann, dass er die Form „Statie“ mit Betonung der zweiten Silbe benutzt, da doch wir Deutsche mit demselben Rechte wie die Franzosen von den Römern unser „Státue“ herleiten. Warum nicht statt des Pentameters:

von der Stirn edler Stat ü en herab lieber so:

von der Stirn stattlicher Bilder herab - ? Ist ein Druckfehler im Spiel, wenn der Verfasser S. 192 Z. 11 v. u. „mählich“ und S. 201 Z. 4 v. u. „mälig“ schreibt? In dem Pentameter in Nro. 88:

(„Denn in jener Gestalt, in der von der Erde wir scheiden,)

Wandeln wir ewig daber unten in Aides' Reich“ ist doch der Schluss unschön; warum nicht lieber so:

Wandeln im Schattenreich unten wir ewig einher“ - ? Den diesem vorangebenden Pentameter könnte man, um das „erscheine t* auszumerzen, auch so bilden:

„Dass er, entrissen als Mann, ewig als Mann uns erscheint.“ Das Referent in Nro. 89 den Pentameter des fünften Distichons nicht so scbliessen würde:

Menschlichkeit ebret und Recht“ (3. Pers.)

sondern etwa:

Menschlichkeit ehrt und Gesetz“ versteht sich nach dem Obigen von selbst. Passt in Nro. 91 („Schiller und Göthe“) der Ausdruck: „Hoch auf dem deutschen Parnass thront berrschend Jupiter

Göthe" - ?
Der Härte in dem zweiten Pentameter von Nro. 91:

„Wärm’re Verehrung ward keinem der Dichter geweiht“ entgehen wir sehr leicht, indem wir setzen:

„Wärmere Huldigung ward etc. Ueberhaupt wäre es sehr zu rathen, dass wir es mit „verehren“ und „Verehrung“ etwas strenger nähmen und diesen Ausdruck, besonders der Jugend gegenüber, auf Gott und das Göttliche beschränken, also einen Menschen niemals, auch z. B. nicht in Briefen „verehren" wollten! Im achten Distichon ebend. wird man statt:

„Aber die Jugend und Frau’n, die zarten und feurigen Herzen

Locket Schiller's Gesang alle mit mächtigem Zug“ ist der Pentameter einfach mit „Lockt doch Schiller's etc.“ zu eröffnen; es ist ein Streitgesang,“ der aus dialogisch sich begegnenden Distichen bestebt. Das fatale ,locket“ steht obendrein als Trochäus am Anfang des Verses, wodurch die Scheinsilbe nur noch mehr Gewicht erbält. Den Pentameter des vierzehnten Distichons schliessen wir nicht:

,leb et nun Schiller uns fort“ sondern etwa:

„wandelt nun Schiller mit uns.“ In Nro. 93 (S. 197 u.) würden wir den Pentameter nicht beginnen: „Eifrig, in feur'gem Gebet“ etc. sondern: „Eifrig, in heissem Gebet" etc., und den folgenden Hexameter (S. 198 ob.) nicht: „Einst wie lebet das Bild“ etc. sondern: „Einst wie lebt noch das Bild“ etc.

Bevor wir zu den zusammengesetzten antiken Versen und Strophen übergehen, die der Verfasser in š. 20 und 21 behandelt, werfen wir noch einen Blick auf die Lösungen der Aufgaben im Gebiete des lambus und Trochäus S. 157 ff.

Was z. B. Koepert (Lehrbuch der Poetik. Leipzig 1860) als Thatsache hinstellt, das vermuthet auch der Verfasser, dass der Quinar ein zwei- oder einsilbig katalektischer Trimeter (Senar) ist. Demnach wäre es sachgemässer gewesen den Trimeter vor dem Quinar zu behandeln und zu üben. Jener ist eben der Vers des antiken, dieser der des modernen Drama's, und letzterer zuerst von J. H. Schlegel in unsere Nationalliteratur eingeführt, in klassischer Sphäre zuerst von Lessing:

Weil nun aber der Trimeter eben ein ganz antiker Vers ist, so sind wir durch die Erörterung des Verfassers S. 73 und 74 nicht davon überzeugt worden, dass der deutsche Trimeter auch an geraden Stellen Spondeen zulasse, wenn auch nur steigende; sondern wir halten es besonders im Interesse des pädagogischen Zweckes metrischer Uebungen für richtiger, dem strengeren Gesetze des Alterthums treu zu bleiben, obschon der deutsche Vers Accentvers ist und obschon unsere Dichter manche Licenz auch in diesem Gebiete aufweisen. Was Ausnahme ist, ist eben nicht Regel, sondern der Regel unerlässliche Zugabe. Für den Quinar als modernen Vers mag eine freiere Bewegung Platz greifen und der (steigende) Spondeus auch an Archiv f. n. Sprachen. XXXII.

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den geraden Stellen eintreten. Wenn man allzu leicht die Licenz zur Regel erhebt, dann hört bald die Schranke auf zu wirken.

In Nro. 3 der Lösungen S. 160 wird der Quinar: „Dem Aug', das unter deinem Sonnenstrahl" (Nicht himmelan zu schauen wagt etc.) durch die Elision verunstaltet; besser:

„Dem Auge, das in deinen Sonnenstrahl“ etc. Wir begreifen nicht, wie der Verfasser in Nro. 4 dreimal die völlig ungebräuchliche Form: „Liljes für „Lilie“ einsetzt. Wenn man es schon mit Widerwillen ansehen muss, wie neuerdings so Viele gegen Griechen und Römer (Hor. a. p. 79 od. I, 16 v. 3 und 24 u. a. St.) von Jambus, jambisch (zweisilbig) reden, wie es denn leider auch unser Verfasser thut, so ist doch in dem deutschen oder ganz deutsch gewordenen „Lilie“ die Vertauschung des i mit dem j ganz unleidlich. In Nro. 5 (S. 162) hat der Verfasser den Vers:

„In der verschwiegnen Brust. Nicht eher durft“ –, in welchem also statt des ersten Jambus ein Pyrrhichius steht; denn ein Trochäus, der allerdings bisweilen am Anfange des iambischen Verses zur Hebung der Schönheit dient, kann doch hier nicht im Sinne gelegen haben, Warum nicht: „In zart verschwiegner Brust etc.“ — ? Der Vers ebend.: „l

Was dir) Versagt im Leben ist, weil du's nicht trügest“ wird, abgesehen davon, dass der vierte Fuss ein zweifelhafter (schwerlich ein steigender Spondeus ist), auch den Ver. fasser sicherlich nicht befriedigen. Einfacher ohne Zweifel: („Was dir) Versagt das Leben, weil du's nicht ertrügest" wo der vierte Fuss entschieden ein steigender Spondeus ist; denn auf „du“ liegt kein Accent, wohl aber auf „nicht.“ In Nro. 6, a. werfen wir in dem Verse:

„Und dennoch zürn est du wohl oft etc. das Ballast-e hinaus und sagen:

„Und dennoch bist du oft erzürnt etc. -;“ dagegen in Nro. 6, c. ist in dem Verse:

„Des Leibs Gesundheit frevelhaft vergeudet das e widerrechtlich ausgestossen, und lesen wir daher lieber:

„Gesundheitsfülle (Die Kraft des Leibes) frevelhaft etc.;“ in Nro. 6, e. wiederum ziehen wir statt:

„Der Born der Dichterkraft versieg et früh“ etwa diesen Vers vor:

„Schon früh versiegt der Born der Dichterkraft.“ In Nro. 8 S. 167 Z. 2 v. u. wird der Verfasser uns gewiss einräumen, dass für den Vers:

„Dem nichts auf Erden gleich et, als sein Bild“ besser gesagt würde:

„Dem nichts auf Erden gleicht, als Stambul selbst“ so wie, dass ebend. S. 168 Z. 17 ein Wort ausgefallen sein muss, etwa „oder,“ dass es also heissen wird:

„In Halbmondform, als Globen oder Pfeile.“

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