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untus ob noxam et furias Aiacis Oilei;
(ipsa lovis rapidum iaculata e nubibus ignem
disiecitque rates evertitque aequora ventis ;

illum exspirantem transfixo pectore flammas 45 turbine corripuit scopuloque infixit acuto.)

ast ego, quae divúm incedo regina, Iovisque
et soror et coniunx, una cum gente tot annos
bella gero!

Et quisquam numen Iunonis adorat praeterea aut supplex aris imponet honorem ? 50 Talia flammato secum dea corde volutans

nimborum in patriam, loca feta furentibus Austris, Aeoliam venit. Hic vasto rex Aeolus antro

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zen.“

Vgl. in diesem Buche die Abbildung S. 361, welche des Aiax Frevelthat nach einem alten Vasengemälde darstellt.

41. Noxa bezeichnet die That, furias den Zustand, in dem sie begangen wurde.

Aiacis Oilei sc. filius. 42. Die Lieblingstochter gebietet über die Waffen des Vaters, wie schon bei Hom. über die Aegis.

43. aequora „das ruhige Meer“.

46. Ast archaistisch für at, findet sich nach dem Vorgang des Ennius neben anderen Archaismen, die dem vergilischen Epos einen eigentümlichen Reiz verleihen, in der Aeneis im Gegensatz zu den anderen Gedichten ziemlich häufig. Quintilian fand in diesen alten Worten eine inimitabilis vetustatis auctoritas.

incedo verano schaulicht mit den Spondeen und dem feierlichen ast die Majestät der regina divum und soror et coniunx Iovis.

47. Una cum gente. Im Gegensatz dazu ist tot annos und der Pluralis bella zu betonen. 48. Et „und

quisquam, weil die Frage negativen Sinn hat.

49. Praeterea mit adorat verbunden und temporal aufgefasst entspricht

dem Futurbegriff in imponet. Honorem konkret „Ehrengabe“.

50. Talia „solche Gedanken“. Volutans, volutare und volvere sind bei unserm Dichter in Verbind. mit corde, animo secum, cum animo, suo cum corde etc. sehr beliebt und an Stelle des prosaischen reputare getreten. In der Übersetzung braucht der lateinische Ausdruck nicht abgeschwächt zu werden; cf. Kleist, Prinz von Homburg „so ungeheuere Entschliessungen in seinem Busen wäl.

flammato „zornentbrannt“. 51. Fetus = plenus, refertus. Auster steht für ventus nach der Spezialisier- und Individualisiermethode der augusteischen Dichter.

52. Aeolia ist wie das hom. Aloin des zehnten es der Odyssee, das Windland des Windgottes, bei Vergil eine der liparischen Inseln.

venit. Das Präsens venit dient ebenso wie premit und frenat 54 dazu, den Leser in die Ereignisse hineinzuversetzen und die Kluft zwischen seiner Zeit und der Zeit der Handlung zu überbrücken. Αίολος der Hurtige, Sohn des 'Innórns, des Rossmannes; schon die Namen

da“.

luctantes ventos tempestatesque sonoras

imperio premit ac vinclis et carcere frenat. 55 Illi indignantes magno cum murinure montis

circum claustra fremunt; celsa sedet Aeolus arce
sceptra tenens mollitque animos et temperat iras;
Ni faciat, maria ac terras caelumque profundum

quippe ferant rapidi secum verrantque per auras. 60 Sed pater omnipotens speluncis abdidit atris

hoc metuens molemque et montes insuper altos
imposuit regemque dedit, qui foedere certo
et premere et laxas sciret dare iussus habenas;

ad quem tum Iuno supplex his vocibus usa est:
65 Aeole, namque tibi divům pater atque hominum rex

drücken „das flüchtige Wesen der Winde und das galoppierende Wogen des Meeres aus.“ (Preller.) - Vasto antro verbinde mit luctantes. Die Spondeen malen das Ungeheuere der Höhle.

54. Imperio premit. Seine Herrschaft ist ihnen drückend.

55. Murmur ist jedes dumpfe Geräusch. Der spondeische Versbau malt die ununterbrochene Aufeinanderfolge der heftigen Windstösse.

56. Celsa arce ,auf hohem Schlosse'.

57. Mollitque animos. Dasselbe Bild in Bürgers Leonore , Der König und die Kaiserin erweichten ihren harten Sinn“.

58. Ni faciat. Der Fall der Möglichkeit ist hier effektvoller wie der der Nichtwirklichkeit „denke dir, er würde dies einmal nicht thun, dann ..." maria ac terras etc. Das Ganze des Weltalls kommt in seine Teile aufgelöst zur poetischen Darstellung. Der „tiefe“ Himmel im Goetheschen Fischer ist anders gemeint.

59. Quippe „sicherlich“. Verrant

„zerren“.
Per auras.

Diese sind das Element der Windgötter.

61. Molem et montes. Hendiadys „hohe massige Berge".

62. Foedere certo. Beachte das für den römischen Dichter charakteristische Betonen des Rechtsverhältnisses. Als Vermittlerin in dem Fortbestande dieses Verhältnisses verehrt Aeolus die luno.

63. Laxas dare „locker halten“, premere „anziehen“.

64. In dieser Erscheinung übt luno einen doppelten Druck auf den ge. schmeichelten Windgott aus, den sie am Schlusse ihrer Rede noch durch ein drittes Moment zu steigern sucht.

65. Aeole, namque, wie im Griech. 'Ω Κίρκη, πως γάρ με κέλεαι σοι ήπιον είναι;

namque ist mit „ja“ zu übersetzen.

Divum rex. Ilaτηρ [ανδρών τε] θεών τε]. Bei Hom. finden wir episches Formelwerk in wörtlicher Wiederkehr, der Kunstdichter Vergil hat das Bestreben abzuwechseln, daher bei ihm Wiederholung derselben Verse äusserst selten und zweifelhaft ist. In der Anlehnung

et mulcere dedit fluctus et tollere vento)
gens inimica mihi Tyrrhenum navigat aequor
Ilium in Italiam portans victosque penates;

incute vim ventis submersasque obrue puppes 70 aut age diversos disice corpora ponto.

Sunt mihi bis septem praestanti corpore nymphae,
quarum quae forma pulcherrima Deiopea,
conubio iungam stabili propriamque dicabo,

omnes ut tecum meritis pro talibus annos
75 exigat et pulchra faciat te prole parentem.

an Hom. zeigt er sich durchaus selbständig. Die Übersetzung jener homer. Wendung mit absichtlicher Vermeidung von pater findet sich I 254.

66. Dedit. c. inf. cf. Goethe (Tasso, am Schluss) wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, Gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich leide“. Hom. Κείνον γαρ ταμίην ανέμων εποίησε Κρονίων, ήμέν πανέμεναι ήδ' ορνύμεν όν κ' εθέλησιν. .

67. Navigat aequor man denke an viam ire.

68. Victosque penates. Die Götter eines besiegten Volkes teilen dasselbe Los.

69. Vim ventis. Der Spirant in der Allitteration ist besonders geeignet, die gesteigerte Kraft der Winde anzudeuten. submersas obrue puppes. Übersetze nach Analogie des griech. xataSvoas, beide Begriffe vervollständigen sich, in submergo liegt das Untertauchen, obruo veranschaulicht die Hast und Gewalt, mit der die Wogen sich über die versunkenen und versinkenden Schiffe hindrängen.

70. Diversos und disice. Man beachte die · nachdrückliche Hervorhebung des Begriffes der Zersprengung.

Was für ein Unterschied

besteht zwischen der Übersetzung von Lots „Auf! Mut dem Sturm! Zu Grunde mit der Flotte! Zerstreue sie! Und Tod im Meer der Rotte" und dem Original ?

71. Bis septem. Die Zerlegung der grösseren Zahl in kleinere Abschnitte dient der Anschaulichkeit und ist bei den Dichtern sehr beliebt. cf. bei Bürger „zweimal zwölf Stunden", bei Schiller ,,dreimal dreissig Stufen.“

corpore „Schönheit“. 72. 73. Man konstruiere und vervollständige den Satz. In der Verdeutschung bilde zwei Sätze, in welchen quarum demonstrativ wird und iungam ein Objekt erhält. conubio, vgl. zu 2 Laviniaque. conubio stabili, propriamque dicabo, vgl. zu 62 foedere certo.

75. Pulchra prole übersetze durch den Genetiv.

65—75. In dieser Rede spricht sich wiederum die leidenschaftliche Erregtheit der Iuno aus. Sie zeigt sich in der die logische Aufeinanderfolge durchbrechenden Anordnung der Gedanken in 65—70, in der asyndetischen Aneinanderreihung der Gedanken 67. 69. 71 und in der Spezialisierung des Begriffs der Vernichtung 69. 70.

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Aeolus haec contra: Tuus, o regina, quid optes, explorare labor, mihi iussa capessere fas est. Tu mihi quodcunque hoc regni, tu sceptra lovemque

concilias, tu das epulis accumbere divúm 80 nimborumque facis tempestatumque potentem.

Haec ubi dicta, cavum conversa cuspide montem impulit in latus, - ac venti velut agmine facto,

76. Omnes annos, wie VII 777 aevum exigere „Jahre durchleben“.

77. Labor „Sache“.

76–77. Tuus - est. Durch diese Feststellung des Rechtsstandpunktes lehnt Aeolus zugleich die Verantwortung für die ganze Sache ab.

78. 79. Das etc. = potestatem facis accumbendi als conviva deorum. Die Worte tu das -- potentem bezeichnen das Resultat der Worte von tu concilias. Das accumbere vgl. 66.

78–80. In welchem Verhältnis stehen diese Verse zu den vorhergehenden?

Tu.

„Du bist es, die“. quodcunque hoc regni est. „Alles was ich an königlicher Würde habe“.

sceptra Iovemque concilias ist für uns ein Zeugma.

76-80. Die Worte des Aeolus stehen im Gegensatz zur affektvollen Rede der Iuno. Sie bekunden keinerlei Teilnahme an dem Schmerz der Göttin, sondern sind lediglich in verbindlichem Tone gesprochen. Der Windgott, der sich durch die Bitte der luno geschmeichelt fühlt, will sich ihrer Gunst für alle Zukunft versichern.

sich auf die Seite neigt. In impellere liegt nicht bloss der Begriff des Stossens, sondern auch der seiner Wirkung. II 465 turrim convellimus altis sedibus impulimusque. VII 620 regina deum impulit ipsa manu portas (sie öffnete durch einen Stofs die Thür), daher impulit in latus „er neigte durch einen Stoss den Berg zur Seite“, kürzer „er stiess den Berg auf die Seite". cavum montem. Die Erklär. dieser Worte ergiebt sich aus 60. Mons cavus = Moles et montes insuper alti impositi. Cuspis Speer, und zugleich Scepter des Aeolus, das er als Zeichen seiner Würde trägt; in diesem liegt die Kraft, deren Wirkung 81 geschildert wird. „Es war das alte Scepter ein ziemlich langer Stab, einem Speerschaft nicht unähnlich, weswegen es auch wie dieser δόρυ, und bei den Römern hasta pura heisst.“ (Schoemann.)

82. Ac „und sofort“ stürzen an dem Punkte, an welchem die Umhüllung etwas gelüftet wird, die Winde heraus. Agmine facto. Man beachte den vom Kriegswesen entlehnten Ausdruck. Der Römer denkt bei ihm natürlich auch an eine gewisse Ordnung, diese passt jedoch wenig zu der Schilderung der ungestümen Windgottheiten. Wir haben daher das tertium comparationis in der Masse eines Heeres zu suchen,

Erster Hauptteil.
Zweiter Abschnitt: Der

Sturm. 81–123. 81. Conversa cuspide „mit umgedrehtem Speer“; er versetzt mit dem stumpfen, nicht mit dem spitzen Ende dem Berg einen Stofs, so dass er

qua data porta, ruunt et terras turbine perflant.

Incubuere mari, totumque a sedibus imis 85 una Eurusque Notusque ruunt creberque procellis

Africus et vastos volvunt ad litora fluctus; insequitur clamorque virûm stridorque rudentum. Eripiunt subito nubes caelumque diemque

Teucrorum ex oculis, ponto nox incubat atra, 90 intonuere poli, et crebris micat ignibus aether,

WO

„wie ein dichtgedrängter Heereszug“. 83. Terras turbine

„die Welt im Wirbel".

84. Incubuere mari „jetzt haben sie sich aufs Meer geworfen und durch wühlen es von den tiefsten Tiefen aus, der Eurus ...“

84 ff. Seume, der bei seiner Überfahrt nach der neuen Welt bei schönem Wetter mit dem Vergil im Mastkorbe lag, verglich den überstandenen Sturm mit dem vergilischen und fand ihn nie so lebendig wahr, als eben damals,

er an den vorigen dachte und den kommenden erwartete. Sein insequitur V. 87, sagt er, ist einfach malerisch schön, dass es den ganzen Auftritt giebt. Wenn wir auch nicht wüssten, dass er zur See war, aus solchen Stellen würden wir es fast untrüglich schliessen können.

85. Notus s. die Schilderung bei Ovid. Met. I 261 Madidis Notus evolat alis, terribilem picea tectus caligine vultum; barba gravis nimbis, canis fluit unda capillis, fronte sedent nebulae, rorant pennaeque sinusque.

Ruunt s. 35. Die Hauptwinde haben noch ein Gefolge von dienenden Wind- und Wettergeistern. Zwei Hauptwinde sind nicht genannt, darum ist nicht für jeden Wind an eine bestimmte Richtung zu denken, aus der er weht: επισπέρχουσιν άελλαι παν

tolwv dvéuwv. Vgl. Conze, Götterund Heroengestalten, Wien 1874, Taf. XCVI. Windgötter.

86. Vastos volvunt ad die schweren Spondeen veranschaulichen die Grösse und Gewalt der Wogen.

87. In diesem Verse findet sich eine gleichmässigere Verteilung von Spondeen und Daktylen, ein Bild der in der Situation begründeten Abwechselung von Rührigkeit und Anstrengung

89. Ponto „und auf dem Meere lagert schwarze Nacht“.

89. 90. Beachte die charakteristische Tonmalerei durch die dumpfen und hellen Vokale. Wieland im Oberon: „Inzwischen bricht mit fürchterlichem Sausen Ein unerhörter Sturm von allen Seiten: los; Des Erdballs Axe kracht, der Wolken schwarzer Schofs Giesst Feuerströme aus, das Meer beginnt zu brausen, Die Wogen türmen sich wie Berge schäumend auf“ u. s. w. - Poli nicht der Erde, sondern des Himmels, daher: Him. melsgewölbe, nämlich an allen Enden.

ignibus. Der Blitz erscheint bei den epischen Dichtern der Alten meist als eine Waffe in den Händen des Zeus (s. 42 und Ovid. Met. I 259 tela reponuntur manibus fabricata Cyclopum), wenn nun Vergil den Sturm selbst durch Aeolus und seine Windgötter entstehen und durch das

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