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tristior et lacrimis oculos suffusa nitentes,

alloquitur Venus: O qui res hominumque deúmque 230 aeternis regis imperiis et fulmine terres,

quid meus Aeneas in te committere tantum,
quid Troes potuere, quibus tot funera passis
cunctus ob Italiam terrarum clauditur orbis?

Certe hinc Romanos olim volventibus annis,
235 hinc fore ductores revocato a sanguine Teucri,

qui mare, qui terras omni dicione tenerent, pollicitus, quae te, genitor, sententia vertit? Hoc equidem occasum Troiae tristesque ruinas

solabar fatis contraria fata rependens, 240 nunc eadem fortuna viros tot casibus actos,

tales beziehen könnte, war noch keine Rede. Vielleicht schwebt Vergil der bei den Kämpfen um Troja und den Irrfahrten des Odysseus mehr in Mitleidenschaft gezogene Zeus vor Augen.

228. Tristior. „Der Komparativ bez. eine Eigenschaft, die in einem stärkeren Grade vorhanden ist, als es gewöhnlich der Fall zu sein pflegt.“ Oculus suffusa acc. Graec. Oculos nitentes suffusa oculos lacrimis implevit obortis. Ebenso wie die Beziehung des Zeus zur ganzen Situation ziemlich äusserlich und locker ist, so entbehrt auch das Auftreten der Venus der bei Homer in ähnlichen Scenen gewöhnlichen Plastik. Wie Venus mit Zeus zusammentrifft, wird uns nicht gesagt; statt des konkreten Olymp steht das blasse vertice caeli.

230. Aeternis imperiis, fato constitutis. Fulmine, sein ständiges Attribut. Conze, Heroen- und Göttergestalten Taf. I.

231. Tantum, ut iis claudatur orbis. In der ganzen Rede spiegelt sich die leidenschaftliche Erregtheit einer bekümmerten, empörten Mutter aus, die ihren Gefühlen nicht in wohl

gesetzten Perioden Luft macht. Daher die lebhaft bestürmenden Fragen; daher das bezeichnende Hervorkehren der persönlichen Beziehungen in quid meus Aeneas. Echt weiblich ist auch die argumentatio ad hominem, wie sie 242 als Trumpf ausgespielt wird.

232. Funera metonymisch „Verluste“.

233. Ob Italiam, quia Italia iis sedes fato destinata est.

234. Olim vgl. 20. Volventibus αnnis περιπλομένων ενιαυτών.

239, Solari. Schon Cic. braucht das einfache Verbum ebenso, wie das Kompositum. Fatis sc. Troiae, contraria fata sc. Aeneae. Rependens. Venus wägt in ihren Gedanken die schöne Zukunft gegen die harte Vergangenheit ab. Das Ergebnis dieser Thätigkeit tröstet sie. – Man beachte, wie wenig poetisch gegen occasum Troiae tristesque ruinas das lediglich eine logische Beziehung ausdrückende contraria fata klingt.

240. Eadem, quae Troiam insecuta erat, so dass mein Trost dahin ist.

Fortuna „böse“ Geschick.

insequitur. Quem das finem, rex magne, laborum?
Antenor potuit mediis elapsus Achivis
Illyricos penetrare sinus atque intima tutus

regna Liburnorum et fontem superare Timavi, 245 unde per ora novem vasto cum murmure montis

it mare proruptum et pelago premit arva sonanti. Hic tamen ille urbem Patavi sedesque locavit

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242. Über Antenor vgl. Livius I. 1. Satis constat Troia capta in ceteros saevitum esse Troianos, duobus, Aeneae Antenorique (von abstinuisse abhängig) et vetusti iure hospitii et quia pacis reddendaeque Helenae semper auctores fuerunt (sie hatten immer geraten), omne ius belli Achivos abstinuisse; casibus deinde variis Antenorem cum multitudine Enetum (statt Enetorum), qui seditione ex Paphlagonia pulsi et sedes et ducem rege Pylaemene ad Troiam amisso quaerebant, venisse in intimum maris Hadriatici sinum, Euganeisque, qui inter mare Alpesque incolebant, pulsis Enetos Troianosque eas tenuisse terras.

243. Über die Form der Schlussfolgerung vgl. 39 ff.

244. Liburni, ein illyrisches Volk. Durch die Schlacht bei Actium waren die nach ihnen benannten kleinen Schiffe bekannt geworden. Antenor fährt längs der Ostküste des adriatischen Meeres hinauf bis in den Golf von Triest (Tergeste). Zwischen Aquileia und Triest ergiesst sich der Timavus (Timavo) ins Meer, ein kleiner Küstenfluss, dessen grosse Wassermassen in der kurzen Strecke seines Laufes durch Überschwemmungen grosse Verbeerungen anrichten. Fons „Strömung“, wie VII 84 Albunea sacro fonte sonat, also fontem superare durch die in das Meer strudelnden Wasser des Timavus glücklich

246. Mare vgl. „Und der wilde Strom wird zum Meere“, ebenso bedeutet pelagus im Gegensatz zu 138 „Wogenschwall“. Es kam dem Dichter darauf, an den bei dem kurzen Lauf des Timavus charakteristischen Wasserreichtum recht wirkungsvoll hervorzuheben. Arva G. III 475 werden arva Timavi erwähnt. Vergil bekundet abgesehen von Ecl. 8. 6 und G. III 475 dadurch, dass er die erregte Göttin den Timavus schildern lässt, offenbar ein grosses Interesse für den in der Nähe seiner Heimat befindlichen, als Naturwunder betrachteten Fluss. Auch Caesar begiebt sich im Jahre 57/56. nach Illyrien quod eas quoque nationes adire et regiones cognoscere volebat.B. G. III 7.

247. Tamen „trotz alledem“. Patavium (Padova), Heimat des Livius; in diese Gegend war Antenor, vom Timavus aus weiter segelnd, gekommen und gründete Patavium als eine trojanische Niederlassung (sedes).

Teucrorum et genti nomen dedit armaque fixit

Troïa, nunc placida compostus pace quiescit, 250 nos, tua progenies, caeli quibus annuis arcem,

navibus (infandum!) amissis unius ob iram prodimur atque Italis longe disiungimur oris. Hic pietatis honos, sic nos in sceptra reponis?

Olli subridens hominum sator atque deorum 255 vultu, quo caelum tempestatesque serenat,

oscula libavit natae; dehinc talia fatur:
Parce metu, Cytherea! Manent immota tuorum

248. Universa gens Veneti appellata. Livius.

249. Armaque fixit Troïa zum Zeichen, dass er sie nicht mehr braucht, entweder in seinem Hause oder im Tempel, vgl. III 287 „aere cavo clipeum, magni gestamen Abantis, Postibus adversis figo et rem carmine signo: Aeneas haec de Danais victoribus arma“. Compostus (vgl. 26) in geordneten Verhältnissen.

250. Nos tua progenies. Um auf Zeus einen möglichst starken Eindruck zu machen, spielt Venus alle persönlichen Beziehungen aus; zuerst identifiziert sie sich mit Aeneas in Nos“ (vgl. 231 u. 253), dann zieht sie in „tua progenies“ ihn selbst herein. Qui te de sanguine nostro fecit avum sagt Venus vom Aeneas bei Ovid. met. 14, 585. Annuis „versprichst“ durch xataveteit. Die Apotheosen des Aeneas und seines Nachkommen, des Iulius Caesar, werden in den Metamorphosen geschildert. Aeneas wurde mit dem in Lavinium verehrten pater indiges identifiziert und in einem zwischen dem Flusse Numicus und dieser Stadt gelegenen Haine verehrt.

251. Venus ist über die Sachlage wenig orientiert. Infandum! Empörend! – Unius wegwerfend.

253. Sceptra, signum pro re signata.

254. Olli archaistisch für illi von ollus, vgl. zu 46. Die Art und Weise, wie die Rede des Zeus eingeführt wird, steht in wirkungsvollem Gegensatz zur leidenschaftlichen Erregtheit und Verzweifelung der Venus. Die Überlegenheit des hominum sator atque deorum tritt dabei sehr schön hervor.

Υπομειδιόων. Ноті. num sator atque deorum nur der Abwechslung wegen für das frühere divům pater atque hominum rex.

255. Serenat. Wie Zeus der ganzen Schöpfung ein heiteres Gepräge verleiht, so kann er auch das Gemüt der Venus auf hellen.

256. Libare in seiner Grundbed. γεύεσθαί τινος. . Übersetze: rübrte den Mund seiner Tochter mit einem Kuss“. Es ist charakteristisch, dass Zeus das erregte Gemüt seiner Tochter erst durch zärtliche Liebkosung beruhigt, ehe er sich an ihr Urteil wendet.

257. Metu dat. Die beruhigenden Enthüllungen sind zunächst allgemeiner, dann spezieller Art. Cytherea. Cythera war ein berühmter Kultort der Venus. Manent ist ebenso wie neque me sententia vertit (260) die Antwort auf Vs 237.

Be.

fata tibi: Cernes urbem et promissa Lavini

moenia sublimemque feres ad sidera caeli
260 magnanimum Aenean, neque me sententia vertit.

Hic tibi fabor enim, quando haec te cura remordet,
longius et volvens fatorum arcana movebo
bellum ingens geret Italia populosque feroces

contundet moresque viris et moenia ponet, 265 tertia dum Latio regnantem viderit aestas

ternaque transierint Rutulis hiberna subactis.
At puer Ascanius, cui nunc cognomen Iulo
additur, (Ilus erat, dum res stetit Ilia regno)

triginta magnos volvendis mensibus orbes 270 imperio explebit regnumque ab sede Lavini

258. Tibi der Dat., wie in dem bekannten Quid mihi Celsus agit. Et epexegetisch.

259. Sublimemque prädikativ zu feres. Ad sidera bezeichnet nur die Richtung, dagegen III 158 tollemus in astra nepotes.

260. Magnanimum Mɛyátvuov den hochgemuoten recken.

261. Der spezielle Teil wird mit einem Ich will's dir nur sagen“ als „vertraulich“ bezeichnet. Quando = quandoquidem. Remordet nur verstärktes mordet „verzehrt“. Haec cura die Sorge „hierüber“.

262. Volvens fatorum arcana movebo. Zu Grunde liegt die Vorstellung der Rolle als Buchform. Sie ist für den Römer durch die sibyllinischen Bücher nahe gelegt, „ohne dass man sich den lupiter geradezu ablesend vorzustellen bat“. (Brosin.)

263. Italia. Dichterische Ortsbestimmung.

264. Contundere „zermalmen“. 264, moresque

et moenia vgl. Tac. Germ. 1: „Germania a Sarmatis Dacisque mutuo metu aut montibus separatur“. Eine Art Zeugma.

Gebhardi, Aeneide. 1. 2. Aufl.

265. „In allen politischen Einrichtungen des ältesten Rom finden wir die Grundzahlen 3 und 10. So giebt es 3, 30, 300 Jahre der Vorgeschichte, 3 Tribus, 30 Kurien, 300 gentes, 3000 familiae, 300 equites, 3000 pedites, 300 Senatoren, 300 Kolonisten bei Gründung einer Kolonie und 3 Tage fetialischer Frist.“ A. Weidner — 265 u. 266 sind also nur feierlicher Ausdruck der Prophezeiung für: Aeneas wird in Lavinium 3 Jahre herrschen.

Rutulis subactis Dative der Relation. Hiberna, nicht castra.

267. Dennoch nennt ihn Vergil im Verlaufe des Gedichtes fast immer Ascanius. "lovãos, seit seiner ersten Mannbarkeit so genannt, „Milchbart“. In diesem Lebensalter ist der Römer noch puer, der Grieche noch noīs. 12os wurde er genannt nach dem Sohne des trojanischen Königs Tros und Bruder des Ganymedes. Er war also binominis wie Paris, Dido, Ilia. -- Regno durch das Reich des Priamos.

269. Volvendis mensibus nicht verschieden von volventibus, abl. abs. part. praes.

Magnos orbes bilden die Jahre, parvos die Monate.

3

transferet et longam multa vi muniet Albam.
Hic iam ter centum totos regnabitur annos
gente sub Hectorea, donec regina sacerdos

Marte gravis geminam partu dabit Ilia prolem. 275 Inde lupae fulvo nutricis tegmine laetus

Romulus excipiet gentem et Mavortia condet
moenia Romanosque suo de nomine dicet.
His cgo nec metas rerum nec tempora pono,

imperium sine fide dedi; quin aspera Iuno, 280 quae mare nunc terrasque metu caelumque fatigat,

consilia in melius referet mecumque fovebit
Romanos, rerum dominos, gentemque togatam.
Sic placitum: veniet lustris labentibus aetas,

271. Ascanius abundante Lavinië multitudine florentem iam, ut tum res erant, atque opulentam urbem matri seu novcrcae reliquit, novam ipse aliam sub Albano monte condidit, quae ab situ porrectae in dorso urbis Longa Alba appellata. Inter Lavinium et Albam Longam deductam coloniam triginta ferme interfuere anni. Liv. 1, 3.

272. Multa vi magnis viribus. Übersetze: „Er wird das feste Alba stark und mächtig gründen“.

273. Hectorea. Die Bezeichnung der Abstammung wechselt mannigfach.

Regina attributiv. 274. Marte gravis gravida facta, der abl. auctoris ohne Präp. wie bei gigni, nasci, oriri. Dabit, simplex pro composito.

275. Romulus trägt in Erinnerung an seine Kindheit das Fell einer Wölfin. Laetus tegmine Geschmückt mit dem prächtigen Felle“.

Mavortia. Der alte Stamm Mar wurde durch Reduplikation zu Marmar, durch Flexion Mars, durch Brechung Maúrs, durch Distraktion Marors.

278. Metas, woher ist der bildliche Ausdruck entlehnt? - Die zukünftige Macht und Grösse koms wird erst negativ, dann affirmativ bezeichnet;sine fine ersetzt infinitus.

279. Dedi. Vergil scheidet offenbar nicht scharf zwischen dem fatum und der Macht der Götter. Er steht unter dem Eindruck eines philosophischen Gottesbegriffes.

280. Metu vgl. 12-23. Fatigat „erschöpft“. 282. Rerum „Welt“.

Gentemque togatam. Die Toga, welche in der Zeit des Vergil vielfach fremden, bequemeren Trachten weichen musste, wird durch ihre Erwähnung in dieser bedeutsamen Rede des Zeus wirkungsvoll in ihrem Wert als Nationalkleid betont.

283. Veniet aetas cum = Tempus erit cum zur Konstatierung des blossen Zeitpunktes. Lustris. Beachte dass Zeus sich der erst mit dem Cen

zusammenhängenden Zählung nach Lustren bedient. Vielleicht hatte sich auch schon für den Römer die Grundbedeutung des Wortes verfüchtigt.

sus

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