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Jahrhundert in Neapel bekannt sind, ersehen wir aus dem Bericht eines Reisenden bei Comparetti, der einen alten Fischer in der scuola di Virgilio so erzählen lässt:

„Setzen Sie sich dort auf jenes Mäuerchen. Da pflegte Virgil gerne zu sitzen. Da hat man ihn oft mit dem Buche in der Hand liegen gesehn. Er war ein schöner, blühender Mann. Die Jugend hatte er sich erhalten durch Zauberkünste. Hier stand er mit dem Prinzen Marcellus und lehrte ihn die Geheimnisse der Geisterwelt. Oft, beim schrecklichsten Sturme, wenn sich kein Fischer hinauswagte, kam er auf einem Boote angefahren. Kein Ruderer fürchtete sich, sobald er im Kahn war..

Oft wendete er auch Sturm und Gewitter, wenn es eben herabsteigen wollte vom Vesuv, durch einen kräftigen Spruch ab, und ganze Nächte sah man ihn hinschauen nach dem Berg, wenn es oben um seinen Scheitel blitzte, wahrscheinlich im stillen Gespräche mit den Geistern desselben. Lange war man mit dem Gedanken umgegangen, eine Strasse von Neapel über den Posilippo zu führen. Da half er plötzlich. In einer Nacht war der Weg durch die Felsengrotte von seinen Geistern vollendet. So half er ein anderes Mal den Neapolitanern auf eine verwundernswürdige Weise. Die Mücken hatten sich so stark vermehrt in der Gegend, als in Ägypten zu Mosis Zeiten, da verfertigte er eine grosse goldene Fliege, welche sich auf seinen Befehl in die Luft erhob und alle die beschwerlichen Gäste verjagte"

Der Alte hätte noch lange fortgefahren, berichtet der Reisende, aber es wurde ganz dunkel in der Grotte. Ich dankte für seine Erzählung und fuhr zurück.

Ich schliesse diese Skizze mit der Mitteilung des Anfanges eines Liedchens, das, wie Comparetti bemerkt, noch vor kurzem von einer Bäuerin eines kleinen Dorfes bei Lecce gesungen wurde:

Wenn ich Virgil der Zaubrer wär',
Ich führt' an deine Thür das Meer,
Ich würde dann ein Fischlein klein

Und schlüpfte in dein Netz hinein.

Kommt doch selbst in einem polnischen Kinderspiel der Ojcice Wirgiliusz (Vater Virgil) vor.

Wenn der Leib in Staub zerfallen,
Lebt der grosse Name noch!

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Vir magnus bello, nulli pietate secundus
Aeneas odiis Iunonis pressus iniquae
Italiam quaerens Siculis erravit in undis ;
naufragus et tandem Libyae est advectus ad oras
ignarusque loci fido comitatus Achate
indicio matris regnum cognovit Elissae.
quin etiam nebula saeptus pervenit ad urbem.
abreptos socios undis cum classe recepit;
hospitioque usus Didus per cuncta benignae
excidium Troiae iussus narrare parabat.

1

I.

Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris Italiam fato profugus Laviniaque venit

Einleitung. Epischer Eingang: 1–7. Spezielle

Einführung: 8-33. 1-7. Vgl. Hom. Od. 1–10. 11. 1–7. Inhalt des ganzen Epos in kurzen Andeutungen: Ausgangspunkt, Zielpunkt, Veranlassung des Auszuges des Helden, Schicksale a uf der Wandrung in Irrfahrten und Kriegen, veranlasst durch die dem Helden feindliche Göttin, – zuletzt Erreichung der Bestimmung mit der Gründung Laviniums, womit der Anfang des imperium Romanum begründet ist. Das unvollendete Gedicht enthält nicht alles, was durch das prooemium angedeutet wird. Die Worte V. 4 saevae memorem Iunonis ob iram erklärt der Dichter, ehe er zur Sache kommt, in den Versen 8–32. V. 33 bezieht sich abschliessend auf 5 dum conderet urbem Romae zurück.

1. Arma Waffenthaten“ durch die Stellung des Wortes weist Vergil nachdrucksvoll auf seinen diesmal gewählten Stoff, im Gegensatz zu den Stoffen der früher von ihm veröffentlichten Gedichte.“ (Brosin.)

virum. Unser „Mann“ erschöpft hier die Bedeutung dieses Wortes nicht. Nachahmend sagt Tasso im Eingange seines Gedichtes La Gerusalemme liberata: „Die frommen Waffen sing? ich und den Mann, so des Erlösers hohes Grab befreit. Viel führt er aus, was Geist und Arm geschaffen, viel duldet er im glorreich kühnen Streit“ und der Portugiese Luis de Camões in seinem Nationalepos Os Lusiadas: „Die Waffen und die hochberühmten Helden sie will ich singend aller Welt verkünden.“ Primus. Vgl. I 246. Darnach lässt sich die Priorität des Aeneas nur verstehen, wenn das cisalpinische Gallien noch nicht als zu Italien gehörig betrachtet wurde.

2. Aeneas ist in der Aeneide ein prädestiniertes Werkzeug in der Hand des fatum. cf. IV 361 Italiam non sponte sequor. Lavinia que litora. Das zweite i des ersten Wortes hat konsonantischen Wert.

que explikativ und zwar.

Liv. I 1 Aeneam domo profugum ad maiora

initia ducentibus fatis primo in Macedoniam venisse, inde in Siciliam quaerentem sedes delatum a Sicilia classe ad Laurentem agrum tenuisse.

rerum

litora; multum ille et terris iactatus et alto

vi superûm saevae memorem Iunonis ob iram, 5 multa quoque et bello passus, dum conderet urbem

inferretque deos Latio, genus unde Latinum Albanique patres atque altae moenia Romae.

Musa, mihi causas memora, quo numine laeso quidve dolens regina deûm tot volvere casus

3. L. litora. Als er dorthin kam, hiessen sie natürlich noch nicht so. Den Namen erhielten sie erst nach der Gründung Laviniums, die eine Folge der Verbindung des Aeneas mit Lavinia war. Der Dichter wählt diese Bezeichnung, um den Ziel- und Ruhepunkt der Erlebnisse seines Helden zu bestimmen. Ille mit scharfer Hervorhebung der Persönlichkeit des Helden, nordà döy’ {v πόντω πάθεν άλγεα. Iactatus steht in engerem Anschluss zu alto.

4. Vi superum. Durch überirdische Gewalt. Die hier angewandte Stellung der Substantive und ihrer Attribute (b B a a) ist die bei den augusteischen Dichtern beliebteste.

5. Irrfahrten und Kriegsthaten bilden den Inhalt der Aeneide, die so Odyssee und Ilias den Römern vereinigt. conderet, inferret. Der Wille der Himmlischen prägt sich in den Konjunktiven aus.

5. 6. urbem, deos seine Stadt, seine Götter.

6. Deos sc. penates d. b. bis er sein Heim in Latium fand.

6. 7. genus unde Latinum, mit Albani patres durch que eng verbunden, bezeichnet die durch die Vermischung mit den Trojanern entstandene Bevölkerung Latiums, deren Hauptort das irch AS ius begründete Alba wurde.

1-7. Der Eingang spannt das Interesse des Lesers für das Epos aufs höchste. Ein tapferer Held, von der höchsten Schicksalsmacht zu hohen Dingen bestimmt, leidet nicht durch eigene Schuld, sondern durch das neidische Walten einer dämonischen Macht, weil er ihre Pläne durchkreuzen muss. Seine fromme Ergebung aber und sein mutiges Ausharren führt endlich zum Sieg. Dieser Kontrast von Glück und Leid ist ein Stoff von allgemein menschlichem Interesse. Dazu kam für den Römer noch das nationale Interesse, da der Held der Begründer des Römertums und Ahnherr des Kaisers war.

8–33. Der Inhalt des ganzen Gedichtes beruht auf der feindlichen Gesinnung der Götterkönigin gegen den vom Schicksal auserwählten Helden. Die Gründe dieser Feindschaft soll die Muse angeben.

8. Der Anruf der Muse entspricht der epischen Tradition. "Eonɛta võv μοι Μούσαι Ολύμπια δώματ' έχουσαι: Υμείς γαρ θεαί εστε, πάρεστε te, l'or návra. Hom. Quo numine laeso (= qua voluntate Junonis neglecta) und quidve dolens gehen auf V. 4 zurück. Nach dem antiken Grundsatze δράσαντι παθείν musste das Schicksal des pius Aeneas (V. 10) unerklärlich erscheinen.

9. Volvere casus: So sagt Schiller

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