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700 conveniunt, stratoque super discumbitur ostro.

Dant manibus famuli lymphas Cereremque canistris
expediunt tonsisque ferunt mantelia villis.
Quinquaginta intus famulae, quibus ordine longo

cura penum struere et flammis adolere penates; 705 centum aliae totidemque pares aetate ministri,

qui dapibus mensas onerent et pocula ponant.
Nec non et Tyrii per limina laeta frequentes
convenere toris iussi discumbere pictis.

Mirantur dona Aeneae, inirantur Iulum
710 flagrantesque dei vultus simulataque verba

pallamque et pictum croceo velamen acantho.
Praecipue infelix, pesti devota futurae,
expleri mentem nequit ardescitque tuendo

Phoenissa et pariter puero donisque movetur. 715 Ille ubi complexu Aeneae colloque pependit

den linken Arm gestützt cubito presso,

700. Discumbitur bezeichnet, dass jeder den für ihn bestimmten Platz einnahm. Ostro für vestis ostro tincta.

701. Lymphas, Cererem. Das Streben, die Ausdrücke des gewöhnlichen Lebens zu vermeiden, hat zur Wahl dieser Bezeichnungen geführt.

702. Mantelia tonsis villis, ein geschorner sammtartiger Stoff, der die Feuchtigkeit leicht einsaugt. Aus den Homerischen Beschreibungen der Zurüstung einer Mahlzeit gehört hierher: Toίσι δε κήρυκες μεν ύδωρ επί χείρας έχεναν, Σίτον δε δμωαι παρενήνεον εν κανέοισιν. .

703. Intus in der Küche.

704. Penus ist nicht bloss ,Mundvorrat', sondern alles, was in der häuslichen Wirtschaft verbraucht wird, z. B. auch Kerzen, Weihrauch u. 8. W. - Struere ,zurichten'. - Penates me

tonymisch für den Ort, auf welchem die Penaten stehen.

705. Die ministri sind unter sicb aetate pares, Pagen.

707. Per limina lueta „in den festlichen Räumeu“. 708. Iussi. Sie waren

zur Tafel ,befohlen und hatten dem Befehle zablreich Folge geleistet. Toris pictis ,bunt', ostro, variis coloribus.

Der spondeische Bau des folgenden Verses,

709 bedeutungsvoll. – Die Apaphora ersetzt die kopulative Partikel.

710. Vultus ,Blicke'. - Simulataque „die doch geheuchelt waren.“ Amor spielt also seine Rolle gut.

712. Infelix wird durch das Partizipium devota erklärt.

714. Et pariter wird in der Übersetzung Nebensatz. Die wunderbaren dona, von dem wunderbaren Knaben überreicht, erinnern immer an den Geber. Bei ardescit 713 ist nicht an

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et magnum falsi implevit genitoris amorem,
reginam petit. Haec oculis, haec pectore toto
haeret et interdum gremio fovet, inscia Dido,

insidat quantus miserae deus. At memor ille 720 matris Acidaliae paulatim abolere Sychaeum

incipit et vivo temptat praevertere amore
iam pridem resides animos desuetaque corda.

Postquam prima quies epulis mensaeque remotae, crateras magnos statuunt et vina coronant. 725 Fit strepitus tectis, vocemque per ampla volutant sinnliche Liebe zu denken, sondern genden Persönlichkeit empfunden nur an die lebhaften Gefühle, welche hatte. (resides animos, desueta corda.) das Herz der Königin bestürmen, als 720. ,Das Bild des Sychaeus. sie die herrlichen Sachen und den 721. Praevertere Amor muss die Zeit herrlichen Sohn eines so herrlichen benutzen, sonst kehrt das Bild des Vaters sieht. Dabei wirkt natürlich Sychaeus wieder. die Nähe des gefährlichen Gottes. 723. Prima statt primum zu post716. Falsi genitoris gen. ist subi.

quam = ubi primum. Die Speisetische „nachdem er die grosse (besser ,die

werden entfernt (vgl. 216), man bleibt

auf den Polstern liegen. innige') Liebe des unechten Vaters befriedigt hatte, d. i. nachdem er von

724. Vina coronant vgl. G. II 528 dem unechten Vater sattsam gelieb

cratera coronant. Aen. III 525 magkost worden war“. Kvicala.

num cratera corona induit. Vergil 717. Dies ist der verhängnisvolle

verlegt die römische Sitte, Mischkrug

und Becher zu umkränzen, in die sagenAugenblick.

hafte Zeit. Dabei liegt in vina co720. Acidalia, genannt von einem ronant doch eine bewusste oder unbeQuell in Böotien, in dem sie mit den wufste Anlehnung an επεστέψαντο Grazien badete.

ποτοίο. - Eine Abbildung des κρατήρ 720-22. Vergil versteht es, die (κεράννυμι) im Wörterbuch bei Rich Vorgänge im Herzen seiner Helden S. 195. Beim Essen wurde er in das zu schildern. Die glänzende Er Speisezimmer gebracht und entweder scheinung des Aeneas lässt das Bild auf den Boden oder auf einen Fuss des Sychaeus in Didos Erinnerung gesetzt; der Mundschenk (pincerna, erblassen. Dafür sagt der Dichter pocillator) schöpfte mit einer Kelle drastisch paulatim abolere Sychaeum (cyathus) den Wein daraus und füllte incipit. Die stille, hoffnungs die Becher, die er sodann den Gästen lose Sehnsucht nach Sychaeus wurde reichte. Gefüllt wurde der Mischverdrängt durch mächtige Liebe, krug aus den amphorae oder den deren Gegenstand erreichbar Schläuchen. schien (vivus amor). Die Liebe er 725. Infolge des Weingenusses fasst Dido um so heftiger, je länger wird die Unterhaltung, werden die sie nicht die Nähe einer überwälti Stimmen lebhafter.

atria; dependent lychni laquearibus aureis
incensi, et noctem flammis funalia vincunt.
Hic regina gravem gemmis auroque poposcit

implevitque mero pateram, quam Belus et omnes 730 a Belo soliti; tum facta silentia tectis.

Iuppiter, hospitibus nam te dare iura loquuntur,
hunc laetum Tyriisque diem Troiaque profectis
esse velis nostrosque huius meminisse minores.

Adsit laetitiae Bacchus dator et bona luno; 735 et vos o coetum, Tyrii, celebrate faventes.

Dixit et in mensam laticum libavit honorem
primaque libato summo tenus attigit ore;
tum Bitiae dedit increpitans; ille impiger hausit
spumantem pateram et pleno se proluit auro,

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726, Atria und laquearibus sind 732. 733 enthalten für den der vom röm. Haus entlehnt. Aúzvos. folgenden Ereignisse kundigen Leser Über den Gebrauch der Lampen wird eine tragische Ironie. von einem griechischen Schriftsteller 734. Auch Schiller nennt ihn in bemerkt, oύ παλαιόν εύρημα λύχνος, den Göttern Griechenlands ,den grossen φλογί δ' οι παλαιοί της τε δαδός Freudenbringer'. Bona ,gütig. και των άλλων ξύλων έχρώντο. .

735. Faventes ,in freundlicher Stim727. Funalia ,Kerzen'. Taghell ist mung. die Nacht gelichtet. Vincunt. Das Licht der Fackeln sucht im Wett

736. Laticum, plur. copiae.

Li. kampf mit der Nacht die Oberhand

bure onévdelv die Erstlinge weiben, zu erhalten

speziell beim Trinken die oberste

Flüssigkeit durch Ausgiessen als 728. Die Königin bringt die Liba

Trankopfer. tion dar und trinkt auf das Wohl ihrer Gäste. Über den Rhythmus

737–39. Beachte den Humor, der vgl. zu 640.

in der Zeichnung des Bitias (pleno 729. Omnes a Belo ist auffallend,

se proluit auro) liegt. Nauck be.

merkt treffend: da' Dido die Tochter des Belus ist.

das unverdrossene

Schlürfen des Bitias bildet gegen das 730. Soliti sc. erant. Was ist noch

enthaltsame Nippen der Königin einen zu ergänzen? Siehe die schönen

ergötzlichen Gegensatz.“ Trink - Mischgefässe auf Nr. 29. 30. 32 der Seemannschen Bilderbogen.

737. Libato abl. abs. Silentia an den verschiedenen 738. Increpitans duoxhnocoa. Plätzen.

Impiger ,unverdrossen'. 731. Loquuntur, séviov yáo pa

739. Weil er zu grosse haustus σιν έμμεναι. .

nahm ,aus' auro = aurea patera.

740 post alii proceres; cithara crinitus lopas

personat aurata, docuit quem maximus Atlas.
Hic canit errantem lunam solisque labores,
unde hominum genus et pecudes, unde imber et ignes,

Arcturum pluviasque Hyadas geminosque Triones, 745 quid tantum Oceano properent se tinguere soles

hiberni, vel quae tardis mora noctibus obstet.
Ingeminant plausu Tyrii, Troesque sequuntur.

nes.

740. Post alii proceres, natürlich bildeten Dichter der Georgika benicht se proluunt. Crinitus. Die sonders nahe. Künstler mit langem Haar wie ihr 742. Errare von der Bahn des Herr und Meister Apollo ακερσεκό Mondes. Solis. Man kann an die μης. . „Denn ohne die Leier im Mühen der fortwährenden Fahrten himmlischen Saal ist die Freude ge des Sol denken. Der griechische mein auch beim Nektarmahl.“

Elegiker Mimnermos sang von ihm: 741. Personat cithara ,Der Sänger

Hέλιος μεν γαρ έλαχεν πόνον ήματα

πάντα, Ουδέ ποτ' άμπαυσις γίγνεται schlug in vollen Tönen'. Der Citha

ουδεμία Ιπποισίν τε και αυτό. röde singt uralte Weisheit eines uralten Meisters. Auch Schiller vin

744. Αρκτούρος, später Αρκτοφύdiciert in den vier Weltaltern solche

hag zum Sternbild des grossen Bären

gehörig. Die Hyaden (v), 7 Sterne, Weisheit dem Sänger: Ihm gaben die Götter das reine Gemüt, Wo die Welt

deren Aufgang Regen brachte. Triosich, die ewige, spiegelt; Er hat

Der grosse Bär hiess bei den

italischen Bauern bald plaustrum, alles gesehn, was auf Erden geschieht, Und was uns die Zukunft versiegelt;

bald wegen der nächtlichen Umdre

hung septem triones, das sind eigentEr sals in der Götter uräl.

lich 7 Dreschochsen, die auf der Tenne testem Rat Und behorchte der Dinge geheimsté Saat Und wie der

umgehend das Korn dreschen, terere.“

Preller. Zu dem Siebengestirn gehöerfindende Sohn des Zeus Auf des Schildes einfachem Runde Die Erde,

ren der grosse und der kleine Bär.

745. 746. In der reizenden Episode das Meer und den Sternen.

des zweiten Buches über den Landkreis Gebildet mit göttlicher Kunde, So drückt er ein Bild des

bau, in welcher der Dichter so schön unendlichen All In des Augenblicks

das Landleben besungen, wünscht er,

als Priester der Musen von ihnen über füchtig verrauschenden Schall. — Der

Geheimnisse der Welt unterrichtet zu Atlas, der die Welt trägt, kennt auch ihre Geheimnisse am besten.

werden, caelique vias et sidera, De

fectus Solis varios Lunaeque labores 742–46. Während bei Homer die kennen zu lernen. Oceano - soles Sänger xhéa dvopov verherrlichen, vgl. Ov. Met. II 68. 69. IV 633. 34 lässt Vergil den Jopas von den Vor Unterschied der Auffassung? gängen in der Natur singen. Diese 747. Ingeminant plausum mehrere Fragen, lagen dem philosophisch ge- Male, wie bei uns.

Nec non et vario noctem sermone trahebat

infelix Dido longumque bibebat amorem, 750 multa super Priamo rogitans, super Hectore multa,

nunc, quibus Aurorae venisset filius armis,
nunc, quales Diomedis equi, nunc, quantus Achilles.
Immo age et a prima dic, hospes, origine nobis

insidias, inquit, Danaûm casusque tuorum 755 erroresque tuos; nam te iam septima portat

omnibus errantem terris et fluctibus aestas.

748. Trahebat sie ,suchte hinzu. ziehen.

749. Longum, deutsch Adverb. Die varii sermones werden zu longi.

750. Künstlerische Wortstellung.– Super de.

751. 752. Man erinnert sich der στοά ποικίλη 1m Tempel der Iuno. Quibus armis. Es war eine Hyalotóτευκτος πανοπλία. .

753. Mit Immo korrigiert sich Dido, da sie nun das rechte Mittel gefunden hat, um ihren Geliebten möglichst lange bei sich zu fesseln.

755. Septima aestas steht hier, wie V 626 septima post Troiae excidium iam vertitur aestas, per synecdochen (pars pro toto); hier neigt sich das Jahr seinem Ende zu, am Schlusse

des ersten Buches beginnt es. . Aen. II erzählt Aeneas die insidiae Danaûm casusque suorum, Aen. III seine errores. Buch II schliesst sich ohne jede Pause an I an. Diu bûch sagent uns vor wâr, Daz sin (luno den Aen.) volle siben jár Uf dem mere errete Und von dem lande verrete. Veldeke.

Der Schluss ist bewundernswürdig. Nicht bloss durch die Anschaulichkeit, mit welcher der Dichter das gesteigerte Interesse der Dido für den Gastfreund auf dem höchsten Punkte zeigt, sondern auch wegen der Geschicklichkeit, mit welcher er zugleich einen Ruhepunkt gewinnt und zugleich zu dem Folgenden überleitet.“ Carl Nauck.

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