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obovermählt werd' ich nicht fortgehen, ob ich gleich die Verbindung mit einem Engländer allen andern vorziehe. _“ „So ist sie also“, ruft Seymour aus, „das Eigenthum eines der verwerflichsten Menschen aller Nationen geworden!“

Nun verachtet er sie wieder von ganzem Herzen, unterdrückt seine Liebe zu ihr völlig und widmet seine ganze Zärtlichkeit dem Fräulein von C**. Sein Oheim , erhält vom Hofe den Befehl zu einer Reise und Seymour begleitet ihn. Sie kommen am zweiten Tage Abends bei sehr schlechtem Wetter in ein Dorf, wo sie übernachten müssen. Sie logieren in demselben Hause, wo Sophie als Lady Derby gewohnt hat, und erfahren bier die frühern Vorgänge. Seymour reist krank mit seinem Oheim nach England zurück und begiebt sich sogleich zu seiner Mutter nach Seymour - House. Es vergeht eine längere Zeit, bis er nach Derby fragt; und man berichtet ihm, derselbe liege auf seinem Landhause in Windsor krank. Seymour will seine eigene und Derby's Genesung abwarten, aber nach einigen Tagen lässt dieser ihn zu sich bitten. Seymour ist nicht wohl und lehnt die Einladung ab. Bald nachber reist er zu seinem (fünzehn Jahre älteren) Bruder, dem Lord Rich, den er zwar freundlich aber sehr finster findet. Nun überbringt ihm ein Kammerdiener Derby's einen Brief, worin dieser ihn bittet, in einer das Fräulein von Sternheim betreffenden Angelegenheit mit Rich zu ihm zu kommen ; er möge seinem Bruder nur sagen, dass es dieselbe Dame sei, die er bei Lady Summers gesehen habe, und die von da entführt worden sei. In Windsor enthüllt ihnen Derby die frühern Vorgänge und meldet ihnen Sophiens Tod. Seymour berichtet:

„Der elende Mensch heulte und forderte, dass wir nach Schottland reisen, den Körper des Engels ausgraben lassen, und ihn in einen zinnernen Sarg zu Dumfries beisetzen lassen sollten. Zweitausend Guineen will er auf ihr Grabmal verwenden, worauf die Beschreibung ihrer Tugenden und ihres Unglücks neben den Merkmalen seiner ewigen Reue aufgezeichnet werden soll. Er bat uns, nach D. Bericht davon zu geben; übergab uns alle Briefe, die er über sie an seinen Freund B. geschrieben hatte, und flehte uns, ihm zu schwören, dass wir unverzüglich abreisen wollten, damit er noch den Trost erleben möchte, dass dem Andenken der edelsten Seele eine öffentliche Ehrenbezeugung wiederfahren sei.“

Seymour und Rich begeben sich nach den Bleibergen und erfahren, dass die Todtgeglaubte noch am Leben ist. In Twendale, dem Sitze des Grafen von Douglas - March, treffen die Brüder mit der Gräfin Douglas und Sophie zusammen. Rich erzählt dieser von Derby, dem sie vergiebt. Rich entsagt ihr aus Liebe zu seinem Bruder. Derby stirbt, nachdem er die Rettung Sophiens erfahren hat. Seymour und Sophie heirathen sich und werden glücklich. Rich wohnt bei ihnen; er bleibt unvermählt. Giessen.

Georg Zimmermann.

Zur orthographischen Frage.

I.

Die orthographische Frage wird noch oft aufs Tapet gebracht werden, sie wird überhaupt nicht eher ruhen, als bis sie endgültig entschieden ist; denn hinter ihr steht die deutsche Wissenschaft. Aber deshalb gerade ist es Sache der Gebildeten, dieser Frage ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, die Mühe nicht zu scheuen, sich eine genaue Einsicht und ein ordentliches Urtheil über die Gesetze zu verschaffen, nach denen die Wissenschaft in dieser Frage vorgehen will, damit die Entscheidung derselben beschleunigt werde. Denn gerade hier muss das Publicum mitwirken; die Schule kann nicht für sich allein ernstlich vorgehen, da sie mit dem öffentlichen Leben in dieser Hinsicht nicht in vollem Gegensatze stehen darf.

Jeder weiss, dass eine radicale Veränderung unserer Orthographie gefordert wird. Ist diese Veränderung nothwendig? – Wenn, wie nachgewiesen werden muss, unsere heutige Orthographie geradezu falsch ist, so müssen Alle eine Veränderung derselben sich nicht nur gefallen lassen, sondern sogar berbei wünschen. Es giebt aber Leute, die von vornherein jedes Eingehen auf die betreffende Frage verschmähen und an der gang und geben Orthographie festhalten zu dürfen glauben, indem sie vorgeben, diese sei historisch berechtigt. Gehen wir hierauf etwas ein. Historisch berechtigt ist etwas, was in der menschlichen Gesellschaft zur Geltung gekommen ist und sich längere Zeit in der Geltung erhalten hat. Diese historische Berechtigung ist aber doch nur relativ. Etwas, was historisch berechtigt ist, hat damit nicht Anspruch darauf, stets berechtigt zu bleiben. Die frühere Meinung, dass die Sonne sich um die Erde bewege, hatte bis zur Zeit Galileis historische Berechtigung, Archiv f. n. Sprachen. XLV.

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jetzt nicht mehr. Absolute historische Berechtigung kann nur das absolut Wahre haben. Absolut berechtigt ist der menschliche Geist, das, was er als falsch beweisen kann, zu stürzen und dafür das Wahre an die Stelle zu setzen. Wenn nun die Wissenschaft zur Evidenz nachweisen kann, dass unsere heutige Orthographie falsch ist, so hört damit die historische Berechtigung derselben im Grunde auf; ein kümmerliches Dasein mag sie immerhin noch einige Zeit fristen, bis das Wahre sich allgemein eingerichtet hat.

Und mit dieser Orthographie, für welche von Einigen so sehr die historische Berechtigung angerufen wird, hat es noch die Bewandtniss, dass sie keineswegs in einer fixirten Gestalt stets aufgetreten ist, dass sie uns keineswegs dadurch imponiren kann, dass die Deutschen mehrere Jahrhunderte hindurch unverbrüchlich daran festgehalten haben: vielmehr ist in ihr von ihrem ersten Auftreten an bis heute ein beständiges Schwanken zu erkennen, bedeutende Schriftsteller selbst derselben Zeit stimmen keineswegs mit einander darin überein.

Wie entstand diese Orthographie? In einer Zeit, von der zweiten Hälfte des 14. bis hinein in das 16. Jahrhundert, herrschte in der deutschen Sprache die grösste Verwilderung. An die Stelle des während der vorhergehenden Epoche hervorragenden und herrschenden, fein ausgebildeten schwäbischen Dialects trat ein Mischmasch der rohesten und verschiedensten Art, und in dieser Zeit, wo jeder Schriftsteller für sich selbst den Ton angab, entwickelte sich auch nach und nach die barbarischste Schreibweise, deren Gesetz die reinste Willkür war. Man vergleiche Schreibweisen aus dem 15. Jahrhundert wie: unndt (und), jhedenn (jeden), lienndten (linden). Sogar Luther, der in genialer Weise die verwilderte Sprache reformirte, indem er keineswegs seine individuelle Ansicht als Gesetz dabei walten lies, eine Sprache nach seiner eigenen Autorität bilden wollen, wäre die grösste Verkehrtheit sondern indem er aus den tiefen Schachten des Geistes der Volkssprache das Sprachgesetz hervorzog und dieses die von ihm gewählte Sprache, die Sprache der sächsischen Canzlei * nämlich, durchdringen liess, sogar

Vgl. Luthers Erklärung in seinen Tischreden (Ausgabe von 1723 fol. Seite 699a): „Ich habe keine gewisse, sonderliche, eigene Sprache im Deutschen, sondern gebrauche der gemeinen deutschen Sprache, dass mich beide, Ober- und Niederländer verstehen wm gen. Ich rede nach der sächsischen Canzlei, welcher nachfolgen alle Fürsten und Könige in Deutschland.“

Luther lässt anfangs in seinen Schriften eine barbarische Schreibweise erscheinen; später freilich suchte er seine Orthographie unter feste Regeln zu bringen, weit entfernt jedoch, etwas zu liefern, was im Ganzen vor der heutigen Kritik bestehen könnte.

Unsere neuhochdeutsche Orthographie beruht also auf Willkür. Haben sich auch im Laufe der Zeiten Veränderungen eingefunden, und befinden sich unter diesen Veränderungen auch manche Verbesserungen; können wir überhaupt auch sagen, dass die Schreibweise mancher Wörter, sowohl zu Luthers Zeit, als auch heut zu Tage, von der heutigen Kritik in Schutz genommen werden muss: ein Princip, ein das Ganze durchdringendes objectives, aus dem Wesen der Sache sich ergebendes Gesetz, ja selbst ein das Ganze durchdringendes subjectives Gesetz sucht man in unserer Orthographie vergebens; ihr Gesetz ist im Grossen und Ganzen die Willkür geblieben, und eben deshalb ist unsere Orthographie mit Recht eine durchaus falsche zu nennen. Suchen wir hierüber klar zu werden.

Der Zweck der Schrift ist, den Wortlaut sichtbar zu gestalten. Für jeden einzelnen Laut bat man einen Buchstaben. Das geschriebene Wort muss also vernünftiger Weise nur so viel Buchstaben enthalten, als das Wort einzelne Laute hat, und jene müssen diesen entsprechen. Setzt man mehr Buchstaben, als das Wort einzelne Laute hat, oder setzt man Buchstaben, welche den Lauten nicht entsprechen, so ist zwischen Wortlaut und Wortschrift ein Contrast, die Wortschrift ist nicht mehr ein getreues Abbild des Wortlautes, sie ist eine Carricatur. Allerdings mögen immerhin Zeichen, die zur Gestalt des Wortes eigentlich nicht gehören, und die nur dazu bestimmt sind, das schriftlich zu bezeichnen, was in der Rede durch die Betonung des Sprechenden bestimmt wird, gestattet sein, das ändert nichts. Das Gesetz, welches die Wortschrift dem Wortlaute angepasst wissen will, ist das phonetische Gesetz.

Ausserdem müssen wir aber bedenken, dass unsere Buchstaben ihrem Kerne nach nicht abgeschlossen für sich da stehen, sondern dass sie sich an die der früheren Sprachperioden innig anschliessen. Wir dürfen

In der neuhochdeutschen Sprache haben wir also etwas über den naturwüchsigen Dialecten Schwebendes zu sehen, sie ist eine auf dem Papiere entstandene Sprache. Eine solche Sprache musste der Willkür allerdings Vorschub leisten. Luthers richtiges Vorgehen hauchte dieser Sprache erst einen natürlichen Geist ein.

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