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die auf einer früheren Stufe geschrieben wurden, eben deshalb weil sie gesprochen wurden. Das Wort charakterisirt sich als neuestes eben durch Wegfall früherer Buchstaben. Wir schreiben nicht, und keineswegs niwiht, niowiht, oder gar ni eo wiht, obwohl die älteste Form uns erst rechten Aufschluss über das Wort gibt: ni = Negation, eo vom gothischen aiv, Accusativ von aivs = Zeit, also je, wiht etwas.

Am weitesten gehen hierin die Engländer, sind darin aber nicht einmal consequent. Sie fühlen freilich selbst diese Ungereimtheit und sind auch auf eine Aenderung ihrer Orthographie bedacht.

Es dünkt mir, mich; es deucht, es deucht mir, mich für welche Form muss man sich entscheiden?

Die Wurzel ist duk. Das Präsens wurde gebildet durch Einschiebung eines n und mittels des Bildungsvocals i (j), daher althochdeutsch dunkju, neuhochdeutsch dünke, ebenso wie althochdeutsch dankju (Wurzel dak), neubochdeutsch denke. Im Imperfectum fällt das n und zu gleicher Zeit der Bildungsvocal i (j) fort, u und a der Wurzeln wurden verlängert; so erhalten wir mittelhochdeutsch die Formen dâhte dühte (nach einem durchgreifenden Gesetze geht nämlich die tenuis k, wenn sie unmittelbar vor t zu stehen kommt, in die Spirans über). Neuhochdeutsch sollten wir also eigentlich haben dachte, dauchte. Dâchte ist geschwächt in dächte, dauchte kommt gar nicht vor. Den Conjunctiv von dauchte gebrauchen wir. Das Bildungselement dieses Conjunctivs ist i; vergleiche althochdeutsch nâmi, mittelhochdeutsch naeme, neuhochdeutsch nähme. Der mittelhochdeutsche Umlaut von û ist ia, also aus dühte wird diuhte, iu ist neuhochdeutsch eu. Das Rich. tige im Neuhochdeutschen wird also sein : Präsens: es dünkt (das oben erwähnte Gesetz der Verwandlung des k in die Spirans vor t findet seine Anwendung nämlich nicht, wenn das k durch neuerdings erst weggefallenes e vor t zu stehen kommt, dünkt dünket), Imperfectum : es deuchte, da wir einmal die Form des Conjunctivs in der Bedeutung des Indicativs festhalten und nur allein haben, und zwar es dünkt , es deucht mich ; der Accusativ wird durch den entschiedenen Gebrauch dieses Casus im Mittelhochdeutschen gestützt.

Sollen wir aber auch äu zulassen, däuchte? Im Neuhochdeutschen nehmen wir, wenn wir mit Bewusstsein den Umlaut bilden, äu, Laut, Geläute. Ist aber das Factum der Umlautung nicht vor Augen, so schreiben wir eu, wie wir auch für früheres wurzelhaftes iu eu schreiben. Vergleiche Leumund, gothisch schon iu in hliuma = Gehör; mittelhochdeutsch liumet, liument, liumunt; mit „Mund“ hat das Wort nichts zu thun. Da uns nun keine Form dauchte präsent ist, so schreiben wir consequent eu.

Ein ziemliches Bild wird man sich schon nach vorhergehenden Erörterungen von unserer immer noch wilden Orthographie machen können. Es ist zu bedauern, dass es so damit steht; denn jeder Gebildete wird wünschen, dass die Schrift ein würdiges, vernünftiges Abbild unserer Sprachlaute sei, nicht ein regelloses Durcheinander. Es ist kaum glaublich, dass wir, die wir von Jugend an die feinen Regeln der griechischen Orthographie, die ja nur dem Laute Rechnung trugen, kennen, eine Barbarei in der Ausdehnung in unserer Orthographie dulden konnten. Neustadt, 0.-Schl.

Joh. Oyen.

Der Laut ea im Englischen und seine historische

Entwickelung

Die modern - englische Orthograpbie bezeichnet durch ea sowohl den Laut des langen e in offener Silbe, nach Walker é, als den eines kurzen e in geschlossener Silbe, é Der Grund dieser Mehrdeutigkeit liegt in der mehrfachen Verwendung, die das Angelsächsische dem Zeichen ea gegeben hat. Wir unterscheiden heutzutage in unseren angelsächsischen Ausgaben ein ea ohne Accent, das als Brechung eines kurzen a vor 1, r und h mit nachfolgendem Consonanten anzusehen ist, und einen durch einen Accent auf a bezeichneten Diphthong eá oder eâ. Dass ea im Laute ein getrübtes a oder ä darstelle, ist kaum zweifelhaft, wie aber eá gelautet habe, ist um so ungewisser, als die hergebrachte Art, das e als Vorschlag zu einem langen a zu sprechen, sich mit der heutigen Aussprache nur schwer vereinigen lässt.

Es entspricht gothischem au, altdeutschem ou oder, wenn 1, n, r, s, b, d, t, 3 folgen, ô, neudeutschem au oder o. Wir lassen einige der gewöhnlichsten Wörter in ihrer gothischen oder altdeutschen, angelsächsischen und neuenglischen Form folgen. 1) Goth.

agl.

neuengl. (aud)

eade aukan escan

to eke, vermehren, eáre

ear, Ohr, altd. austar

eastern

eastern, östlich, altd. bôzen

beatan

to beat, schlagen, altd. houfen

heáp

heap, Haufe,
hlaupan
hleápan

to leap, (laufen) springen,
kaupon
ceápian

(cheap, käuflich billig),
laufs
leaf

leaf, Blatt,
laubjan
geleáfan

to believe, glauben,
Daubs

neád (neod) needs, nothgedrungener Weise,

easy, leicht,

auso

Gotb.
ags.

neuengl.
skauts
scent

(sheet? auch sheets Schoten

gehört hierher), altd. stouf

steap

steep, steil (Hohenstaufen

und dgl.),
tavid
dead

deed, Tbat,
von taujan,
altd. zoum

teám

team, Gespann. 2) Daran schliessen sich einige contrahirte Formen, die durch Ausfall eines Gutturals entstanden sind, wie diese Consonantenklasse überhaupt eine bedeutende Verheerung im englischen Lautbestande angerichtet hat: bagms beám

beam, Balken, Baum,
tagrs
teár

tear, Zahre. Wo der Guttural das Wort schliesst, hat er einen nachschlagenden I-Laut zurückgelassen, der die regelrechte Umbildung des eá in den Laut é verhindert bat: augo eáge

eye (i-e), Auge,
bauhs
heah

high, hoch,
neáh

nigh, nahe, deágan

dye, tauchen, tingere. Das y in eye ist aus dem altenglischen 3 entstanden, das für g, gh und y steht: zaf

gave, litzte

ligt, 30u

you. So liest man yzes für das moderne eyes.

3) Kürzungen hat der laut ea vorzüglich vor schliessendem T-Laute erfahren: haubin heáfod

head, Haupt,
rauds
reád

red, roth,
daups
deád

dead, todt,
daupus
death

death, Tod, mit f: daubs

deaf

deaf, taub. Daher gehören leád - lead, Blei (Loth?), breád — bread, Brod, und die verkürzten Praeterita der schwachen Verba, wo das ohne Bindevocal an den Stamm tretende d (t) die gleiche Wirkung ausübt: leap – leapt, dream – dreamt, und alle anderen schwachen Verba, die in der verkürzten Form des Praeteritums den I - Laut, auch wenn er nicht aus eá enstanden ist, zu é schwächen.

4) Ganz abweichend von dieser Analogie sind die einsilbigen: faus comp. faviza

feá, feáva

few (fu-e), wenig, altd. tou

deáv

dew, Thau. Der nemlichen Bildung folgen, theilweise mit eó, mew, miauen, spew, goth, speivan, lat. spuo, speien, stew, stauen, rue, ags. hreovan,

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1

gosz

reóvan, reuen. Da aber der Laut à sonst nur in französischen Wörtern vorkommt, wo er eine unvollkommene Nachbildung des französischen u ist, so erinnern wir an die Etymologie von steward aus stigward (nach Koch I S. 17) und halten i für den Ueberrest des Diphthongs eá und u für den Stellvertreter des geschwundenen v.

5) Endlich findet sich eá für goth. au, altd. Ở in der Ablautsreihe:
goth. giuta

gaut
gutum

gutans,
altd. kiuza

kôz

kuzumês kozanêr, nhd. giesse

gossen

gegossen,
ags. geote

geát
guton

goten, wovon sich im Neuenglischen nur zwei Ausnahmen erhalten haben: flee, fled, fled ags. fleóhe, fleáh, flugon, flogen nach Fall 3 und fly (der Laut i durch nachfolgendes g, ags. fleóge, erzeugt wie im Fall 2, flew, flown, wo sich flew an Fall 4 anschliesst. Die übrigen Verba dieser Klasse haben, wie im Neuhochdeutschen, die Pluralformen auch auf den Singular ausgedehnt. Da sich im Plural der Grundvocal der Verbindung au (ea) erhalten hat, so entziehen sich diese Formen unserer gegenwärtigen Untersuchung, aber sie machen es wahrscheinlich, dass der Laut eá erst auf angelsächsischem Boden entstanden ist. Es handelt sich nur darum, zu erfahren, welche lautliche Geltung eá gehabt habe.

Grimm sagt Gr. I S. 367: „Der Accent fällt auf das á, nur dass es goth. voransteht, ags. nachfolgt.“ Von einer derartigen Aussprache ist aber ein unerklärlich weiter Weg bis zur modernen Wiedergabe durch é.

Das Angelsächsische liebt die Diphthonge nicht und hat sogar den einfachsten und gewöhnlichsten, das ei oder ai man möchte sagen

so nach dem ersten Laute hin zusammengeschoben, dass das i seine Existenz in dem verlängerten å hat aufgeben müssen. Grimm findet den Vorgang analog dem griechischen Jota subscriptum unter a: õ aus ai. Wir dürfen also eigentliche Diphthonge im Angelsächsischen nicht erwarten. Seit dem 14. Jh. hat das Englische seinen Vocalismus, wie das Hochdeutsche, verschoben und besizt nun ein ei (ai) und ou (au) in i und ou (ow). Die angelsächsische Zeit weiss davon nichts, und 80 hat das ags. es mit engl. ou nichts gemein, obwohl es altd. ou entsprechen kann. Ob die Art der Diphthongirung, die sich in den romanischen Idiomen festgesetzt hat, jemals im Angelsächsischen herrschend war, ist höchst zweifelhaft. Französisches oi (oa), ie, ieu

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