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2. Devant.

a.

Als Präposition. a. Zur Bezeichnung räumlicher Beziehungen. Bei der Reform des 17. Jahrhunderts liess man der Form devant die Darstellung des räumlichen Verhältnisses, welches wir durch vor ausdrücken. Die wesentliche Idee, welche der neufranz. Präp. devant in allen Beziehungen zu Grunde liegt, ist die des Gegenüber der Vorderseite eines Gegenstandes. A l'opposite, vis-a-vis, en face. Ac. (Nicht prius, wie avant). Se mettre devant quelqu'un pour lui barrer le passage. Ac. Regarder devant soi. Ebd. Mettez cela devant le feu. Ebd. Avoir toujours une chose devant les yeux. Ebd. Passer devant quelqu’un sans le voir. Ebd. Dieser speciellere Begriff, den das neue devant im Gegensatze zu avant erhielt, macht es besonders geeignet zur Darstellung des Verhältnisses, für welches der Lateiner coram (in Gegenwart, gleichsam vor den Augen) verwandte: Il a prêché devant le roi. Ac. Parler devant une grande assemblée. Ebd. Cela fut dit devant plus de vingt personnes, devant des témoins, devant témoins. Ebd. Il n'ose paraitre devant vous. Ebd.

B. In ethischer Beziehung gebraucht der Franzose sein devant, indem er dem betreffenden Verhältnisse die Idee des räumlichen vor, d. i. der Vorderseite gegenüber, deutlich und bewusst zu Grunde legt. So bei Vergleichungen: Devant versinnlicht die Vorstellung, dass ein Gegenstand einem anderen zur Vergleichung gegenübergestellt wird. Cette prière n'était rien devant ce que désirait Ordener. Maetzner, pag. 264. – Devant giebt an, dass in einer Reihenfolge ein Gegenstand sich vor einem andern befindet. Der eine Gegenstand erscheint als der der Vorderseite des anderen gegenüberliegende; die Idee der Bewegung gehört ausschliesslich dem Verbum an. (Wir verbinden sie nicht schlechthin mit demselben: Vor Jemandem hergehen.) Dieselbe Vorstellung liegt devant dann zu Grunde, wenn es einen Rangunterschied bezeichnet. C'est mon ancien, il marche devant moi. Ac. Il a le pas devant moi. Ebd. Devant dient zu subjectiven Maassbestimmungen. Der zu messende Gegenstand wird gedacht als der messenden Person gegenübergestellt: Trop indigne à mes yeux d'amour ou de colère

Tu n'es rien devant moi. Lamartine. Les cultes différents sont égaux devant lui. Chénier (Mätzner). Was den Begriff von devant betrifft in diesen ethischen Verwendungen, so sind dieselben

Il va

C.

lediglich als specielle Gebrauchsweisen von a anzusehen. Der Begriff der neufranzösischen Präp. devant ist durchaus einheitlich und bestimmt.

b. Devant in Verbindungen, welche, als ein Ganzes genommen, eine einheitliche präpositionale Beziehung ausdrücken.

Par-devant bat seine altfranz. Bedeutung (Theil A) beibehalten, ist aber nur noch im Gerichtsstile üblich, en termes de Pratique. Ac. Par-devant le magistrat. Ac. Un contrat passé par-devant notaire. Ebd. Un acte par-devant notaire. Ebd. - Au devant de, Bedeutung und Gebrauchsweise wie im Altfranz.: Et courut presque seul au-devant de leurs conps. Rac. Al. Prends cette lettre, cours au devant de la Reine. Ebd. Iph. On vint au-devant de moi., Ac. tonjours au-devant de tout ce qu'on peut désirer de lui (zuvorkommen). Ac.

Devant als Adverbium. Bedentung noch wie im Altfranz. (vorher, vor diesem, siehe A). Die Gebrauchsweise desselben ist aber in soweit beschränkt, als für das zeitliche vorher, vor diesem jetzt auparavant die üblichere Bezeichnung ist. (Siehe B. 1.) – Die bewusste Beziehung auf einen gedachten Gegenstand unterscheidet das Adverbium devant von avant, auf dieselbe Weise, wie im Altfranz. Si vous êtes si pressé, courez devant (vgl. courez avant). Ac. Mettez cela devant ou derrière. Ebd. Pour mieux cacher ces livres, mettez cela devant. Ebd. Il est là devant. Ebd. Zeitlich: Zu Comme devant comme autrefois macht das Dict. de l'Acad. die Bemerkung: Il vieillit. Erhalten hat sich dies devant noch in dem attributiv gebrauchten ci-devant (unser weiland): Ci-devant gouverneur. Ac. Les ci-devant récollets. Ebd. (In dem bei Mätzner angeführten Beispiele: Allons, va devant, nous te rejoignons, Dumas, finde ich keine Beziehung auf die Zeit, wohl aber auf den Raum.)

d. Endlich ist auch im Neufranz, devant noch wirkliches Substantivum, in der Bedeutung: die Vorderseite (vgl. au-devant de unter A). Votre cheval est blessé sur le devant (an der Vorderseite). Ac. Le devant de la tête. Ebd. Le devant d'un habit, d'une jupe, d'une robe. Ebd. Le devant de la maison. Ebd. Les devants d'un tableau (Vordergrund). Ebd. Prendre les devants (den Vorsprung abgewinnen). Ebd. Si vous ne prenez les devants dans cette affaire, vous êtes perdu. Ebd.

Hors, Dehors.

I. Formelle Entwicklung. Hors beruht auf dem lateinischen foras, foris (provenzalisch: foras, fora, fors, for; italienisch: fuora, fuori, fuore; spanisch: fuera ; portugiesisch: fora). Nach franz. Lautgesetzen fällt in jedem Worte der Vocal hinter der Tonsilbe aus, wofern dieser Ausfall nicht eine dem Sprachgefühle übel klingende und für den Franzosen nicht leicht auszusprechende Consonanz ergiebt (einige Fälle der Declinations- und Conjugationsflexionen, in denen der Unterscheidung wegen statt des unbetonten Vocales nach der betonten Silbe eines Wortes ein tonloses e eintreten musste, schaden der Allgemeinheit dieser Regel nicht). So musste die altfranz. Form des lateinischen foras sowohl, wie foris nothwendig lauten fors. Die franz. Sprache und die provenzalische liebten es, im Gegensatze zu den übrigen romanischen Sprachen, das s des Auslautes auch ausserhalb der Declinationsflexionen festzuhalten, und zwar war in ersterer diese Neigung noch entschiedener, als in letzterer. So ist es erklärlich, dass wir im Altfranz, neben fors nicht eine Form ohne s finden ; im Mystère d’Adam, wo sich einmal allerdings die Form for findet for le filz que istra de Marie, 82, 24 wird diese auf irgend eine rationelle Weise als fehlerhaft zu erklären und fors herzustellen sein.

Neben fors ist im Altfranz, schon früh die Form hors üblich, und zwar kommen beide Formen bei denselben Autoren vor, gehören also nicht verschiedenen Dialecten an. Die Vertauschung der labialen Aspirate mit der blossen Aspiration ist eine Erscheinung, welche viele Sprachen zeigen ; vgl. die altlateinischen Formen: fordeum, faedus, fostis mit denen der späteren Latinität: hordeum, haedus, hostis. Mit fors und hors findet sich de zusammengesetzt, defors, dehors. Bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts sind die Formen mit h im Anlaut neben denen mit f gebräuchlich, Rabelais hat noch beide. Im 17. Jahrhundert wird in Folge des Sirebens nach einheitlicher, bestimmter Schreibweise hors als die allgemein anzuwendende Form aufgestellt und allmälig als solche anerkannt.

II. Begriffliche Entwicklung. Die lateinische Präp., welche dem heutigen hors der franz. Sprache begrifflich gleichkam, war extra. Diese ging nicht plötzlich unter, als sich die romanischen Idiome aus dem Latein entwickelten; sie ging

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mit in die neuen Sprachen, wenigstens in die des nördlichen Frankreich, hinein und wurde allmälig durch foris verdrängt. Dieser Process begann ohne Zweifel schon sehr früh, sobald foris eine präpositionale Natur angenommen hatte, d. h. schon im Mittellatein, bevor von unterschiedenen romanischen Sprachen die Rede sein kann. Aber noch im 10. Jahrhundert finden wir die Präp. estre = extra: rei volupt fair estre so gred, V. d. L. 15, 12; estre so gret ne fisdren rei, Ebd. 15, 14. Nach dem 10. Jahrhundert kommt sie aber nicht mehr vor. Der Grund des allmäligen Verschwindens dieser Präp. aus der Sprache ist das formelle Zusammenfallen derselben mit dem verbum substantivum. Die Consonantenverbindung xt war der bequemlichen Vulgarsprache zu hart, zu schwierig auszusprechen; es wurde daraus stets st, vgl. juste, joste für juxta u. 8. w. So musste extra dieselbe Form ergeben wie essere = esse. Die Möglichkeit eines Missverständnisses machte die Präp. estre zu einem unpraktischen Sprachmittel.

Andrerseits muss foris den Volksidiomen sehr geläufig gewesen sein, es wurden mit Hülfe desselben eine Anzahl neuer Wörter geschaffen, welche sich auf das Verhältniss der Fremde zur Heimath beziehen (vgl. italienisch forestiere, foriere, forviare), wäbrend die lateinischen Wörter ähnlichen Inhaltes andere, zum Theil dem Sprachbedürfnisse bisher fremde Begriffe erhielten (vgl. pèlerin ; aliéner, aliénation).

Die lateinischen Adverbien foris und foras versetzten nun einen Gegenstand in den weiten Raum ausserhalb eines bestimmt begränzten Ortes, wofern diese Beziehung nicht präpositional ausgedrückt war, der bestimmte Ort also nicht satzlich angegeben war, sondern sich mit Leichtigkeit aus dem Gedankenzusammenhange ergänzte. Der präpositionale Ausdruck dieser Beziehung war extra. Schon mehrfach hat darauf hin. gewiesen werden müssen, dass die altfranzösische Sprache, und wir können allgemeiner sagen: die aus dem Latein hervorgehenden Volksidiome, schon früh die Unterscheidung von Präp. und Adverbien als streng geschiedenen grammatischen Redetheilen verlernten, dass sie den Begriff eines Wortes auffassten und diesen, wenn seine Natur es erlaubte, bald als Präp., bald als Adverbium verwandten. Dies ist für eine Sprache, welche sich noch in einem mehr primitiven Naturzustande, in einem Zustande der Kindheit befindet – und so lässt sich der Zustand dieser rohen Volgärsprachen (inan bedenke die historischen Verhältbisse) wohl bezeichnen, auch das Greisenalter hat seine Kindheit

nicht nur erklärlich, sondern sogar natürlich. Alle Präpositionen der indogermanischen Sprachen sind hervorgegangen aus Wörtern, welche ursprünglich ihrem grammatischem Werthe nach Adverbien waren. Die Beziehung solcher Adverbien zu einem Begriffe wurde, zunächst wohl nur bisweilen, präcisirt durch ein, dem betreffenden Nomen angehängtes Wörtchen, welches durch seinen Inhalt die Art dieser Beziehungen noch mehr verdeutlichte, ob von-her, nach-hin u. 8. w. (Dieselbe Erscheinung, nur in etwas andrer Art, indem die Suffigirung der Beziehungswörtchen nicht stattfindet, treffen wir fast in allen indoeuropäischen Sprachen an, die sich ihre Präpositionen erst selbst von Neuem haben schaffen müssen, die also nicht direct aus der indo-germanischen Ursprache durch fortschreitende Entwicklung derselben hervorgegangen sind; englisch into, from of u. s. w., auch franz. hors de gehört hierher.) Aus der Verschmelzung dieser Suffixe mit dem andern Wortstamme gingen später die Casus hervor; jetzt regierten derartige Adverbien Casus und wurden das, was wir uns unter Präp. vorstellen. Foris und foras wurden also Präp.: arma suorum foris urbem relinquens, Fred. Chron. 649. Wenn Fredegarius anch noch Casusflexionen unterscheidet, verstehen thut er sie nicht mehr; das eines richtigen Latein gänzlich unkundige Volk seiner Zeit sah in dieser Form, wenn sich wirklich, was sehr zu bezweifeln ist, bis dahin die Endung em allgemein erhalten haben sollte, nichts als den Stamm des Wortes. Daneben bestand der adverbiale Gebrauch von fors fort.

Das Wort fors (hors) ist also für das älteste Franz. 1) Adverbium mit der Bedeutung seines Etymons, 2) Präp., welche die der adverbialen Bedeutung entsprechenden präpositionalen Beziehungen darstellt. Als solche kann fors das diese Beziehungen deutlicher veranschaulichende de zu sich nehmen, und ist alsdann selbst mehr Adverbium als Präp. 3) In der Verbindung mit que dient es zur Anreihung von Sätzen, hat also eine nach der heutigen Grammatik conjunctionale Bedeutung

1. Hors (fors) als Adverbium, entsprechend unserm „hinaus“: Lors cort l'enfant fors des escus oster, H. d'Or. 68, 5; quant Englois salent hors a cri, Rou 94, 12; fors eissir, Troie 160, 8; Andromacha saut fors par l'us, Ebd. 164, 29; de la corbeille sailli hors, Fl. et Bl. 198, 6; de l'ostel ne me gete fors, moi ne chaut s'on me met la hors, Bern, 279, 5.

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