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hebt hierauf noch die comuninatorische Denunciation des Autors gegen den Criminaldirector Dambach hervor, als die einzige Stelle, wo Reuter in diesem Werke leidenschaftlich werde.

Endlich schliesst er mit des Autors Rückkehr in die Freiheit, allerdings eine vorzügliche Partie des Werkes, in welcher die Trostlosigkeit, Aussichtslosigkeit und Leere des nach sieben Jahren ohne bestimmten Beruf und ohne irgendwelche persönliche Beziehungen in die Welt Zurückkehrenden vortrefflich geschildert werden, und giebt, wiederum in freier Bearbeitung, den mit ächter Dramatik durchgeführten Monolog, in welchem der Dichter die verschiedenen Berufsarten, welche er nacheinander ergriff, um zu leben, in der Gestalt von Wanderern, die von allen Seiten in seinen Lebenskahn eindringen und ihm dort Luft und Raum beengen wollen, personificirt, wobei wir jedoch den französischen Bearbeiter um Entschuldigung bitten müssen, wenn wir der einfacheren Darstellung des Originales den Vorzug geben. Wenn z. B. der erste Wanderer, der sich dem Dichter auf seine Frage als Advocat bekannt hat, bei Reuter mit den Worten: „Nu kik den Düwel an, wat hei för Schauh verdrögt!“ abgefertigt und über Bord geworfen wird, so getällt uns das besser, als das caustische französische: ,,Fichu métier! on donne des paroles pour peu d'écus: on use sa langue et les sentiers d'autrui. Ebenso wenn der zweite, ein Verwaltungsbeamter, dem auf sein höfliches „zu dienen“ die schnippische Frage entgegengeworfen worden ist „As wat?“ zur Erklärung und zwar hochdeutsch erwiedert: „Oh, man blos als Rathsherr oder Kammerarius oder Stadtprotocollist, in 'ner kleinen ungebildeten Stadt,“ so sagt uns dies wieder weit mehr zu, als das böhnische „Qui, fonctionnaire boueux dans une petite ville, pion légal, délégué pour enlever les immondices morales !" Endlich macht Herr Chasles den Schulmeister mit seinen quatre-vingts francs par an pour tout potage doch gar zu pauvre, denn Reuter giebt ihm doch wenigstens „na’gentig Daler Gehalt (das sind c. 360 fr.) un fri Wahnung in de Schaulstuw,“ wogegen er es mit seinen Privatstunden noch billiger macht, denn er verlangt nicht, wie bei Herrn Chasles cinquante centimes für die Stunde, sondern nur „twei Gröschen,“ was höchstens trente centimes wären. Schliesslich nennt Reuter seine „Läuschen un Rimels“ sein „Tüftenland“ und sagt mit tiefem Gefühle und edler Einfachheit von ihnen: un uns' Herrgott hett doräwer jo sine Sünn schinen laten und Dau un Regen nich wehrt - un de dummsten Lüd bugen de meisten Tüften,“ und das gefällt uns gleichfalls besser als das französische, weit egoistischer und selbstzufriedener Lautende: „bien et honnêtement cultivées, ces Rimes sont devenues pour moi, sous la rosée et le soleil, un bon champ de pommes de terre. Et mes pommes de terre sont excellentes; ce sont les âmes simples qui les cultivent le mieux, on le sait.“ Sollten an diesen Tonveränderungen etwa auch die cadres harmoniques de la langue française schuld sein ?

Trotz solcher kleinen Ausstellungen schliessen wir aber doch mit dem aufrichtigsten Danke an den Herrn Verfasser der beiden Artikel des Siècle, für die bedeutende Mühe und das grosse Geschick, das er aufgewandt hat, um unseren Fritz Reuter seinen Landsleuten näher zu bringen, einem Dank, den wir aber auch dem Herrn Forgues, dem Uebersetzer „Ut de Franzosentid" in der Revue des deux Mondes, trotz zahlreicherer Ausstellungen, die wir an seiner Arbeit nothgedrungen machen mussten, nicht ganz vorenthalten wollen. Sprotta u.

M. Maase.

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Wenn es schon schwer werden möchte, überhaupt ein Alphabet aufzustellen, welches geeignet wäre, auch die zarteren Lautschattirungen einer Sprache wiederzugeben, so leuchtet von vornherein ein, dass eine Schrift, welche die Römer für das eigene Bedürfniss geschaffen oder doch modificirt hatten, wenig geeignet sein konnte auch die Laute einer durch celtische und germanische Einflüsse wesentlich veränderten Tochtersprache zu fixiren. Indessen das lateinische Alphabet fand sich vor, und als die Franzosen ihre Sprache zu schreiben anfingen, bemächtigten sie sich desselben, wie, um mit Voltaire zu reden, le vainqueur endosse les dépouilles du vaincu sans se soucier le moins du monde s'ils vont aussi à sa taille. Im Laufe der Zeit haben indessen die Franzosen eingesehen, dass die 22 lateinischen Buchstaben: A B C D E F G H I L M N O P Q R S T V X Y Z nicht ausreichen, „de peipdre la parole et de parler aux yeux.“ Nicht nur haben sie den Beispiele der holländischen Drucker folgend J und U von I und V unterschieden, sondern auch das lateinische Alphabet durch das Tréma, den Apostroph, die Cédille und die drei sogenannten Accente vermehrt. Die Geschichte dieser sechs Zeichen sei der Gegenstand der folgenden Darstellung.

Weder der occitanische noch der oytanische Dialect kannte dieselben. Wo sie sich in Drucken oder späteren Handschriften finden, sind es Zusätze der Herausgeber und Abschreiber. "Wir können uns zwar heute schwer vorstellen, wie die französische Schrift je ohne alle Abzeichen fertig werden konnte, indessen wird eine auch nur flüchtige Betrachtung des Wesens der langue d'oil zeigen, dass dieselbe weit eher ein einheitliches Alphabet gestattete. Was in der Blüthezeit der altfranzösischen Sprache geschrieben wurde, waren : fabliaux, lais und chants de geste: gebundene Rede. Reim und Versmass ergaben von selbst, wie hair und traixon zu sprechen waren. Man konnte des Tremas entrathen. Man brauchte den A postroph nicht, wenn man si les in sis, me les in mes, en les in es, ne le in neu, zusammenzog, warum sollte man ihn für nöthig halten, wo es sich um so übersichtliche Zusammenziehungen bandelt wie z. B. in: luns lautre mont plus greveit kil ne maient aidie. Der weiche Laut des c konnte bei der starken Verwendung, den das k' noch fand, auch vor a, o und u durch c ausgedrückt werden (francois), oder man bezeichnete ihn durch s (ranson), endlich und nicht in den wenigsten Fällen, hatte sich ein Gebrauch gebildet, wie ihn das Französische bei dem g kennt. Man schob, um vor a, o und u dem c den weichen Laut zu geben, ein stummes e ein. So heisst es im Lai du chevrefoil von Marie de France um 1200:

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Reim und Prosodie ergeben klar, dass çu, çut, ço zu sprechen ist. –

Die sogenannten Accente dienen im Neufranzösischen entweder zur Unterscheidung sonst gleicher Wörter (a, à, on, où) oder gewissermassen als Ersatz für ausgefallene Buchstaben, étre, écrire, vouter, endlich zur Bezeichnung der verschiedenen Laute, welche gewissen Vocalen, namentlich dem e zukommen, trône, père, préféré.

Die Unterscheidung gleichlautender Wörter durch den Accent grave ist noch jetzt nicht consequent durchgeführt, und wenn eine frühere Zeit auf dergleichen Feinheiten keinen Werth legte, so kann es nicht weiter auffallen. Aber auch für die beiden anderen Fälle konnte das Altfranzösische die Accente weit eher entbehren, als die jetzige Sprache. Einmal wurden diejenigen Consonanten, deren Ausfall jetzt durch Accente bezeichnet wird, noch geschrieben, ja in der ersten Zeit noch gesprochen, dann aber fehlten in der älteren Sprache vor Allem die Wörter auf ein männliches e (é). Ob in der Mitte des

um,

um,

Wortes der Werth des Vocales durch einen Accent bezeichnet wird oder nicht, ändert an der Aussprache nichts Wesentliches, etwas anderes ist es mit der Endsilbe e, hier kann das Nichtbezeichnen bedeutende Irrthümer veranlassen : (La) felicite, (je) felicite. Auf dem nämlichen End-e erschien daher auch der Accent aigu zuerst. Dieses e entspricht einem lateinischeu ,, at“ so:

été aus aestat

em,
vérité aus veritat

em,
pré aus prat
péché aus peccat um,
gré aus grat

um, so namentlich auch in den Participien :

été aus stat um,

aimé aus amat Im Altfranzösischen ist nun in allen diesen Formen das t noch erhalten : preit, greit, esteit, pechieit, veriteit, aimeit, comencieit, greueit u. s. w., und ist schon deswegen ein Accent nicht mehr nöthig, der ja dem Grundgesetze nach nur auf der offenen Silbe steht.

Dass übrigens das t schon frühzeitig verstummte, ergiebt sich aus der Bildung des Femininums der Participien durch Verwandlung der Endung eit in ee. Auch diese Form konnte den Accent aigu entbehren.

Das 15. Jahrhundert war für die französische Sprache eine Zeit des Ueberganges. Die Blüthe des Ritterthums ist vorüber. Der Trouvère singt nicht mehr in klingenden Sirventen den Ruhm seiner Dame. Nur noch auf der Bühne in den Farcen und Sotien entfaltet die Sprache von oïl ihren Reichthum an Reimen. Das Jahrhundert liess dem Ritter keine Musse, künstliche Reimverschlingungen zuersinnen es galt die Hand an's Schwert zu legen und alle Kräfte anzustrengen für das Vaterland, und indem die Froissart und Commines die Grossthaten ihrer Zeit niedergeschrieben, gaben sie der Sprache an logischer Schärfe reichlich zurück, was sie an Wohllaut und Formenfülle im Geräusch der Waffen verloren hatte.

Zwei Ereignisse vor allen waren es, welche die neu sich bildende Sprache schnell einen gewaltigen Aufschwung nehmen liessen. Die Erfindung Guttenbergs und die Wiedergeburt des klassischen Alterthums. Durch diese wurde ein gründliches Studium der französischen Sprache ermöglicht, durch jene das Interesse an sprachlichen Forschungen verbreitet. Für die französische Orthographie indessen war

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