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ne soyez devant quelque seigneur ou dame, qui par honneur voise devant vous, S 43. je loue que chascun voyse à sa dame,

215. dictes, affin que je m'en voise, P 576. vous. et apres ces criminelles parolles vous tire hors du fourreau sa

grande et bonne espée, N 1, 29 da zieht er auch seinen grossen säbel! et quand il fut au lieu, il ne demoura gueres apres la semonce de son desir, et vous assault sa femme, 1, 65 und bestürmt euch seine frau! si ouvrit le bec pour chanter, et son formage chet à terre, et maistre renart le vous serre à bonnes dens, et si l'emporte, P 430. Diese lebendige ausdrucksweise, die unserer naiven sprache gleichfalls zu gebote steht, steht in enger beziehung zu dem von La Sale so

häufig beliebten: 'nun denkt euch, ob' oder 'fragt mich nicht, ob.' vuider. il print congié à sa femme et vuida avecques son chariot,

N 2, 116. et en telle maniere qu'il gist vuidera il (le mot) de ma bouche, 2, 235. ne vuyder de sa maison, 2, 237. vuide de la bieneureté, S 27. lors fist voyder chascun de la salle, S 213. vous vuiderez de ma maison, P 570. von viduus - leer lassen, verlassen, herausgehen – begriffe, die eng zusammenhängen, wie uns etymologien fast aller

sprachen bestätigen. Göttingen.

Ludwig Stern.

Gil Blas und die novela picaresca.

Die nicht unwillkommene Musse der letzten grossen Sommerferien benutzte ich, soweit andere Beschäftigungen es gestatteten, dazu, einen meiner Freunde, Botaniker von Beruf, auf seinen nicht selten meilen weiten Ausflügen zu begleiten. Zu meiner Beschämung sei es gesagt, dass ich die begeisterten Ausbrüche seiner Freude beim Entdecken irgend einer seltenen Pfanze nicht so ganz zu würdigen fähig war, obgleich ich mich herabliess, hin und wieder eine kleine Belehrung über die Natur eines solchen Findlings entgegenzunehmen. Gerührt von der Sorge, die er darauf verwandte, meinen philologisch eng begrenzten Horizont zu erweitern, beschloss ich, seinen Eifer in ähnlicher Weise zu belohnen und ihm zu zeigen, wie man auch auf dem Gebiet der Sprachen sozusagen botanisiren gehen kann. Allerdings nicht mit Lupe und grüner Blechkapsel aber wie der Naturfreund von den Wurzelfasern die umgebende Erde, welche sie seinen forschenden Blicken verbirgt, mit den Fingern abklopft, so müssen auch wir, wenn wir auf unserem Felde den „Wurzeln“ nachgehen, Alles, was auf fremder Erde, Angenommenes an ihnen haftet – und sie sind ja oft „stained with the variation of each soil erst entfernen, um zu dem wahren Kern, der Stammwurzel, zu gelangen. Mit der Veränderung der äusseren Form geht nun hier eine Mortification der Bedeutung Hand in Hand und grade diese letztere Wandlung interessirte meinen Freund besonders und veranlasste uns zu häufigen Untersuchungen. So äusserte er u. a. eines Tages, er habe sich noch immer vergebens den Kopf darüber zerbrochen, wie das arabische Wort alkohol, welches ursprünglich die schwarze Farbe bedeutet, mit der sich die arabischen Damen Nägel und Augenbrauen färben, zu dem Begriff gelangt sei, den wir heute damit verbinden. Ich war glücklich, ihn von diesem Schmerz befreien zu können, da ich mich entsann, von einem deutschen Gelehrten, welcher über dem Bestreben, in den Werken arabischer Mystiker Sinn und Verstand zu finden den eignen verloren hatte, gehört zu haben, dass alkohol nicht nur jene Tusche, sondern allgemein das Feinste einer Sache, den Esprit, die Quintessenz bedeute. Von da bis zum Schnaps war also, wie vom Erhabnen zum Lächerlichen, nur noch ein Schritt.

Der eigentümliche Ausdruck, welchen bei diesen meinen Worten das Gesicht meines Freundes annahm, legte mir die Plicht auf, ihn durch einige näherliegende Beispiele an das Sonderbare derartiger Veränderungen, zu deren Erklärung man oft nur mit Hülfe der Geschichte gelangen kann, zu gewöhnen.

„Sie lesen ohne Zweifel hin und wieder einen Roman?" ,,Zuweilen,“ gestand er errötend, „doch nur sozusagen zwischen Suppe und Rindfleisch, d. h. wenn ich absolut nichts Besseres zu tuen weiss.“ „Nun, das tut nichts zur Sache. Erlauben Sie mir nur, weiter zu forschen, ob Sie niemals sich die Frage vorgelegt haben, wie es kommt, dass diese oft recht leichten Geistesproducte mit dem Namen eines Volkes geschmückt sind, dessen Legionen Jahrhunderte lang unter ihrem ehernen Tritt die Erde erzittern machten?“ „Ach nein,“ replizirte er, „ich war stets zufrieden, wenn ich nur weit genug mich hindurchgearbeitet hatte um zu wissen, ob er mit ihr oder sie mit ihm gestraft wird. Um das Andere habe ich mir die Gedanken gemacht.“ Mit Unrecht lieber Freund, da Sie gewiss solchen Forschungen manchmal mehr Interesse würden abgewonnen haben, als Ihrer jeweiligen Lectüre. Sehen Sie, dies Wort ist auch so eine Art von blauem Wunder, für Sie und und Ihresgleichen nur, versteht sich, wir anderen Leute von Fach sind schon mehr daran gewähnt. Sie wissen, dass in den von den germanischen Völkern eroberten Provinzen des römischen Reiches das Latein die Sprache des offiziellen Verkehrs blieb. Eh bien, im Gegensatz zu dieser offiziellen Sprache wurde der Volksdialect, wie ihn die Vermischung der lateinischen Conversationssprache mit den landesüblichen Mundarten herausgebildet hatte, mit dem Namen „romanisch“ belegt. So sprach man z. B. von einem romance castellano, um damit den altspanischen Dialect zu bezeichnen. Der Name romance ging später auch auf die in dieser Sprache gedichteten Volkslieder über – er ist ihnen zum Teil bis auf den heutigen Tag verblieben. Das in Lied und Tat aufblühende Rittertum bemächtigte sich dieser Form und bildete sie zur Kunstform aus, in welcher es seine Unternehmungen, seine Liebeslust und Leid der Nachwelt überliefert hat und als endlich der Portugiese Vasco de Lobeira (f 1403) seinen berühmten Amadis de Gaula, den ersten eigentlichen Ritterroman in Prosa, verfasste, war jene Bezeichnung, die ursprünglich sich nur auf die Sprache bezog, schon 80 sehr mit dem Inhalt verwachsen, dass sie auch auf die neue Form übertragen wurde. Es ist Ihnen bekannt, wie sehr die poetische Verherrlichung der Liebe in den Werken jener Gattung vorwiegt. Ein Ritter ohne Geliebte war zuletzt so wenig denkbar, dass der sinnreiche Junker Don Quixote sich gezwungen sah, aus Mangel an Damenbekanntschaft sich in eine Person zu verlieben, die er niemals gesehen hatte. Seitdem ist die Liebe im Roman ein hervorragendes Element geblieben, auch in der deutschen Literatur zeigt sich diese Erscheinung, wie die lange Reihe unsrer Romanschreiber leider zur Genüge beweist.“

„Ich schliesse mich,“ nahm mein Freund das Wort, „jenem Ausdruck des Bedauerns an. Es giebt für mich nichts Widerlicheres als diese oft aller sinnlichen Wahrheit entbehrenden Schilderungen, diese Sündfluten von Liebesträumen, diese Orkane von Seutzern.Da lob' ich mir doch noch einen Roman wie den Gil Blas, den ich neulich zum dr

zum dritten oder vierten Mal gelesen habe. Das ist doch eine neue, originelle Idee und ein gesunder, von aller Sentimentalität befreiender Humor!“ „Nun, die Wahrheit zu sagen, ganz neu und originell ist Ihr Liebling grade nicht, obwohl er sonst Ihren Beifall verdient.“ - „Nicht originell? Sie machen mich in der Tat neugierig. Woher sollte denn Lesage seinen Stoff genommen haben? Doch nicht etwa auch aus dem Orient, von den Indern oder Arabern, denen wir ja so manchen Segen verdanken sollen, die alten heidnischen Götter, Grimm's Mährchen, und die Cholera !" ,,Soweit brauchen wir uns vom heimatlichen Kirchturm nicht zu entfernen. Das Genre des Schelmenromans, dem der Gil Blas angehört, ist in Spanien aufgekommen und wenn Sie mir eine halbe Stunde geneigtes Ohr leihen wollen, so bin ich bereit, Ihnen einiges Nähere über diesen gewiss nicht uninteressanten Gegenstand mitzuteilen.

Durch die Eroberung von Granada fanden die Jahrhunderte langen Kämpfe, welche zwischen Mauren und Christen um den spanischen Boden geführt wurden, endlich einen Abschluss. Die nationale Erregung dauerte jedoch fort und wurde genährt durch die glänzende Erscheinung Carl’s V., dessen Erfolge in Italien, Frankreich und Deutschland in dem Geiste des spanischen Volkes, den Gedanken einer Weltherrschaft aufkommen liessen, ein Ideal, zu dessen Verwirklichung jeder Spanier das Seinige beizutragen sich berufen fühlte. Daher finden wir unter den kaiserlichen Fahnen nicht nur solche Männer, welchen ihre Geburt von vornherein diese glänzende Laufbahn anwies, sondern hier eröffnete sich auch dem niedrig Geborenen ein weites Feld, seinen Ehrgeiz zu befriedigen. Die Beschäftigungen des Ackerbauers und Handwerkers begannen von hochstrebenden Geistern verachtet zu werden, sogar der noch immer für ehrenvoll geltenden Laufbahn eines Juristen oder Clerikers wurde, selbst von gebildeten Männern wie Lope de Vega und Cervantes, die militärische Carriere vorgezogen, die freilich oft von der untersten Stufe aus begonnen werden musste, wie denn z. B. Cervantes als gemeiner Soldat gedient hat.

Natürlicherweise kehrten Viele von den Schlachtfeldern zurück, ohne das erträumte Glück dort errungen zu haben, Männer, die statt der Reichthümer und Beförderungen nur ehrenvolle Wunden davongetragen hatten und sich nun dem Elend preisgegeben sahen. Diese Classe von Menschen, welche der bewegte Wellenschlag des Lebensmeeres als leichten Schaum an die Oberfläche geschleudert hatte, stellte in ihrer Gesammtheit das dar, was wir heutzutage das Proletariat oder den vierten Stand nennen würden höchst ehrenwerte Leute oft, die aber nur den einen Fehler haben, dass sie mehr brauchen als sie produciren oder verdienen. Diese alten Soldaten bildeten

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