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ein anderer (R. de Vaqueiras):

De passar mar e d'aucir la gen canha. * Am weitesten geht aber der Franzose in dem Gebrauche des Begriffes Hund. Er hat die Kühnheit, nicht nur Personen Hunde zu nennen, z. B.:

Un chien d'homme, une chienne de femme, un chien de garçon, c'est un beau chien d'ami. Que je suis un grand chien. Regnard, Joueur. Ma nièce est-elle sans gout? suis-je un chien? Voltaire,

Lettr. Il n'est pas trop chien avec ses ouvriers. sondern auch unbelebte Wesen und abstracte Begriffe wie Wetter, Leben, Musik, Geschäft als Hund oder Hündin zu bezeichnen. Er nimmt keinen Anstand zu sagen: un chien de temps, une chienne de musique, mener une chienne de vie ein liederliches Leben führen (hingegen mener une vie de chien ein hundeschlechtes Leben führen), ce n'est pas tant chien, un chien de metier.

Quelle chienne de mine vous a-t-il faite? Hamilton.
Moi, j'aurais de l'amour pour ta chienne de face? Molière, le dépit am.
Que ne vous defaites-vous de cette chienne de maison. Dancourt.
Quel chien de train, quelle chienne de vie. J. B. Rousseau.
Quel chien de commerce avez-vous là! Molière.
Voilà une bonne chienne de condition, direz-vous. Volt. lettr. **

Die Provenzalen stimmen also mit den Italienern, Spaniern und Portugiesen darin überein, dass sie die Ungläubigen, die Nicht-Christen, vorzugsweise als Hunde bezeichnen. Die Mohammedaner zahlen das ehrlich heim, indem sie die Christen als Hunde bezeichnen.

** Mätzner in seiner Syntax der neufranzösischen Sprache I, S. 302 sucht diese Redeweise folgender Massen zu erklären. Er sagt: „Eine besondere Gruppe von Ausdrücken dieser Klasse (nämlich der Fälle des appositiven Genitivs, d. h. desjenigen Genitivs, der eine Apposition enthält) macben diejenigen aus, in denen das dem appositiven Genitiv vorangehende Substantiv oder substantivirte Adjectiv und Particip das (durch Inversion) an die Spitze des attributiven Verhältnisses gerückte eigentliche Attribut ist.“ Und unter dieser Gruppe von Ausdrücken nennt er denn auch das von uns angeführte quel chien de metier und ähnliche. Dieser Ausdruck steht also für quel metier de chien, wie cbienne de vie für vie de chien, chienne de musique für musique de chien. Ueberall ist Inversion eingetreten.

Dass diese Auffassung richtig ist, kann nicht geleugnet werden. Sie enthält aber keine vollständige Erklärung. Es bleibt unerklärt, wie denn der Franzose zu dieser immerhin seltsamen Inversion kommt, welcher Grund ihn dazu veranlasst. Und das scheint mir folgender zu sein.

Die französische Sprache besitzt weder zusammengesetzte Hauptwörter wie die deutsche (Hundeleben etc.) und die englische (dog-appetite, dogcheap), noch Eigenschaftswörter wie unser hündisch, das englische doggish, dogly, doggrel, das italienische cagneso, das spanische perruno. Sie ist so arm, dass sie beide Wortarten durch de mit dem Substantiv chien umschreiben muss. Meistentheils erscheint diese Aushülfe dem Franzosen genügend. Man sagt une pluie de chien, une querelle de chien, un bruit de chien und Molière sagt einmal (im Bourg. gent.) allez philosophe de chien, wo wir eigentEine Ableitung von canis in diesem verächtlichen Sinne ist it. canaglia, canagliaccia, sp. canalla, canulluza. ptg. canalha, fr. canaille (altfr. chienaille), egl. canaille, welchen die von perro gebildeten spanischen Ansdrücke perreria und perrada entsprechen, alle mit der Bedeutung Hundepack, Lumpenvolk. O canaglia, dunque camperanno i Maganzesi dalle nostre mani.

Storia d' Ailolfo. Vedi, che gente, anzi canaglia è questa. Pulci, Morg.

Disse, via canagliaccia da taverna

Anzi canagliaccia da niente. Berni, Orl. sp.: Y no se hartaba la gran perreria,

De ver la sangre que al suelo corria. Copl. d. Calvario. Das spanische perrada bedeutet ausserdem: schlechter Streich, z. B. hacer una p. á alg.

Endlich steckt ein canis in dieser Bedeutung (als allgemeines Schimpfwort) auch in dem fr. cagot scheinheilig, da dies aus prov. ca (= canis) und got (= Gothe) entstanden ist. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist also: ein gothischer Hund. Zur Erklärung desselben sagt Diez (Etymolog. Wörterbuch II, 235): „Dieses Wort wird mit dem gleichlantenden Namen einer in Bearn und angrenzenden Landestheilen zerstreuten Race oder Kaste für identisch gehalten. Nach Aquitanien geflüchtete Gothen und Araber erhielten von Karl Martell und dessen Nachfolgern Schutz und Freiheiten, galten aber bei den

lich nach Analogie der oben citirten Beispiele chien de philosophe erwarten sollten. Nicht selten kommen aber Fälle vor, wo diese Aushülfe nicht genügt, wo der matte Ausdruck de chien der Energie des Gefühles, das sich aussprechen will, nicht entspricht, wo namentlich das störend empfunden wird, «lass de chien immer dem dailurch qualificirten Substantiv nachschleppen muss, während das erregte Gefühl grade den Begriff hündisch an die Spitze des Ausdruckes setzen möchte, um den Nachdruck ganz darauf zu legen. Da weiss sich der Franzose nicht anders zu helfen, als dass er den adjectivischen Begriff zu einem substantivischen erhebt, dass er den eigentlich bloss nach der Aehnlichkeit mit einem anderen Begriffe (chien) zu qualifizirenden Gegenstand (z. B. metier) metaphorisch nach jenem anderen Begriffe (chien) benennt. Dieser ist nun Hauptbegriff geworden, wird als das nachdrucksvollste Wort vorangestellt und der eigentliche Name des Gegenstandes folgt als Apposition im Genitiv nach.

Andere Sprachen kennen diesen Vorgang auch, z. B. die deutsche, da auch wir sagen können: Hund von einem Menschen. Sie beschränken ibo aber, wie es die Vernunft verlangt, auf Personen und andere belebte körperliche Wesen. Der Franzose kann die Metapher chien (und ebenso diable) auf alle Begriffe, belebte und unbelebte Wesen, Concreta und Abstracta, anwenden und das erklärt sich nur aus dem eben dargelegten Nothstande. (Zu diable de metier bietet der Spanier eine Parallele: qué demonio de trabacuenta! welch verteufelter Rechnungsfehler!)

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Einwohnern für Arianer und Aussätzige und wurden von ihnen mit dem Namen Cagots, d. i. Canes Gothi belegt. Die neue Bedeutung (scheinheilig) würde sich also wohl in der Art aus der alten (der Sekte) entwickelt haben, dass man sich unter cagot einen Menschen dachte, der gegen seine Ueberzeugung den katholischen Kirchenbrauch mitmachte; ebenso ist cafard eigentlich ungläubig (was das Etymon, das arabische kâfir bedentet) demnächst scheinheilig.“

Von Verben, die aus canis in dieser metaphorischen Bedeutung entstanden sind, nennen wir das ptg. acanhar und das sp. und ptg. a perrear, beide mit der Grundbedeutung: Jemanden wie einen Hund behandeln. Daraus ergeben sich für das ptg. acanhar die Bedeutungen: einschüchtern, entmuthigen:

Para acanhar e rebotar os espiritus aos Portuguezes, Lemos.

Os homens de baixa condição naturalmente são acanhados. und unterdrücken: Dandolhe os convidados tão estreito, que acanhava sua autoridade. Lobo. für das ptg. aperrear die Bedentung misshandeln, sklavisch behandeln; und für das sp. aperrear die von belästigen, plagen, ermüden:

Aperreados anduvimos por el camino. Luis de Granada.
Mui rico y mozo viviera,

No mozo y aperreado. Castillo Solorzano. Von ganzen Phrasen, die hieher gehören, sind besonders die beiden französischen bemerkenswerth : n'être pas à jeter aux chiens (nicht einmal werth sein den Hunden vorgeworfen zu werden, d. h. nichts werth sein):

On ne me trouve pas bonne à jeter aux chiens. Mad, d. Sévigné. und: jeter ses louanges anx chiens (sein Lob am unrechten Orte vergenden):

Ces gens là ne jettent point leurs louanges aux chiens. Daselbst.

Aehnlich sagt der Engländer: give oder send to the dogs, im Sinne von throw away, wegwerfen:

Had whole Colepepers wealth been hops and hogs,

Could he himself have sent it to the dogs? Pope. Was die Stellung des Englischen zu dem bisher dargestellten metaphorischen Gebranche des Begriffes Hund betrifft, so finden sich zwar auch hier Ansdrücke wie thon common dog, the impudent dog; im Ganzen aber tritt diese Auffassnng und Anwendung des Begriffes weniger im einfachen Worte dog als in den Zusammensetzungen und Ableitungen hervor: doggrel ist gemein, doggrel-rhymes Knittelverse, So sagt

dogly kriechend, hundedemüthig, doggish von hündischen Sitten, dogcheap spottbillig. Dagegen liegt in dog selbst weit öfter der Begriff der Wildheit, Heftigkeit oder Grausamkeit ausgesprochen. Shakspeare:

They called us, for our fierceness, English dogs,

Now, like their whelps, we crying run away.
und wenn er im Kaufmann von Venedig, in jener Stelle:

I never heard a passion so confused,
So strange, outrageous and so variable,

As the dog Jew did utter in the streets. den Shylock einen dog Jew, und im König Lear die Töchter Lears dog-hearted daughters nennt, so steht hier beide Mal dog für grausam, unmenschlich.

Der Grund dieses Gegensatzes des Englischen zu den romanischen Sprachen ist leicht zu finden. Wenn der Engländer im Allgemeinen vom Hunde spricht, so hat er einen ganz anderen Vertreter des ganzen Hundegeschlechtes vor Augen als die Romanen, er hat seine Beobachtungen an einem anderen Objecte gemacht als diese und darum fällt sein Urtheil anders aus. Wenn er vom dog schlechthin spricht, so denkt er an den spezifisch englischen Hund, das heisst an die Bulldogge, eine Hundeart, die einen so ausschliesslich englischen, so innig mit der Landesart zusammenhangenden Charakter hat, dass sie denselben, nach dem Zengnisse Samuel Johnsons (in seinem grossen Wörterbuche der engl. Spr.) verliert, wenn ein solcher Hund ausser Landes gebracht wird: this species is so peculiar to Britain, that they are said to dege. nerate, when they are carried to other countries. Diese Hundeart zeichnet sich nun aber durch Eigenschaften aus, die der Verachtung, womit sonst das Wesen des Hundes angesehn wird, entgegen wirken müssen, insbesondere durch Muth (remarkable for his courage. Johns.), durch Streitlust (weshalb sie zu der Volksbelustigung der Stierhetze, bull-baiting, benutzt wurden, daher der Name bull-dog) und durch Wildheit (All the harmless part of him is that of a bull-dog ; they are tame no longer than they are not offended. Addison). So erklärt sich die Bedeutung, welche dog als Metapher hat, ganz natürlich, und darum erhalten insbesondere die oben angeführten metaphorischen Ausdrücke: English dogs, the dog Jew, dog-hearted daughters erst ihre volle bestimmte Färbung, wenn man sich unter dog den Bulldoggen vorstellt.

Will der Engländer in entschieden verächtlichem Sinne den Begriff Hund metaphorisch gebrauchen, so zieht er das Wort cur vor, das (aus unserem Köther entstanden) einen schlechten entarteten Hund (a worthless degenerate dog. Johns.) bezeichnet.

What would you have, ye curs,
That like not pace nor war? Shakesp. Coriol.

This knight had occasion to inquire the way to St. Annes lane; the person, whom he spoke to, called him a young popish cur, and asked him, who made Anne a saint.

Addison. Auch whelp (junger Hund) wird in dieser Weise gebraucht, wenn von einem jungen Menschen die Rede ist.

Slave, I will strike your soul out with my foot,
Let me but find you again with such a face,
You whelp. Ben Jonson, Cataline.

That awkward whelp, with his money bags, would have made his entrance. Addison, Guardian.

Wenden wir uns wieder zu den romanischen Sprachen. Das Bild, welches den besprochenen Metaphern derselben zu Grunde liegt, ist der demüthig kriechende Hund, als Symbol sich wegwerfender Werthlosigkeit gefasst. Dasselbe Bild liegt einer zweiten Reihe von Metapbern zu Grunde, in denen die Kriecherei aber als Schmeichelei, liebedienerisches Wesen aufgefasst wird.

Das it. cagnotto ist gebildet aus canis mit dem Suffix otto, und müsste dem regelmässigen Sinne desselben entsprechend (vgl. contadinotta, bracciotto) eigentlich der grosse, starke Hund bedeuten. Es hat aber nur metaphorische Bedeutungen, nämlich die von bravaccio, gedungener Meuchelmörder, wo offenbar an den Bluthund gedacht ist,

Nè mancaro de' suoi soldati e satelliti, chiamati oggi cagnotti. Varchi Stor. Con altri spadaccini. lor cagnotti. Daselbst. Traditor della patria, cagnotto di Cesare = satellitem Caesaris). Tacit. v. Davanzati, ann. II, 45.

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und die von Schmeichler, diese besonders in der Verbindung cagnotto di principe, di corte Hofschranze:

Le cui ricchezze già s'aveano colla speranza e ingordigia loro inghiottite e trangugiate i cagnotti della corte. Boezio, Varchi 1, 4.

Va, vivi per le corti, o vil cagnotto. Libr. di sonetti. Letzteres ist eine auffallende und obne allen Zweifel unabsichtliche Auffrischung der dem altgriechischen QOSXuvel zu Grunde liegenden Anschauung, worin die Griechen ihr Urtheil über das bei den asiatischen Archiv f. n. Sprachen. XLVI.

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