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Octava : fiet generalis terraemotus.
Nona: aequabitur terra.
Decima: exibunt homines de cavernis et ibunt velut amentes nec pot-

erunt mutuo loqui.
Undec. : surgent ossa mortuorum es stabunt supra sepulcra.
Duodec. : cadent stellae.
Tredecima: morientur viventes ut cum mortuis resurgant.
Quartadec. : ardebit coelum et terra.
Quindec. : fiet coelum novum et terra nova et resurgent omnes.

Sie stimmt genau mit dem Sommer'schen Gedichte überein; entweder haben also beide aus einer Quelle geschöpft oder Comestor hat das lat. Gedicht vor Augen gehabt. Dies letztere ist weniger zulässlich, weil nämlich eine Stelle des Comestor et ante eum erunt instrumenta mortis suae quasi vexilla triumphi, crux, clavi, lancea, et in carne eius videbuntur cicatrices sich in den deutschen Gedichten, welche sonst mit ihm durchaus nichts gemein haben, wieder findet, weil also das Urbild, welches Comestor und die deutschen Gedichte, wenn auch in ganz von einander abweichender Weise benutzt haben, diese Stelle enthalten muss. Das lat. Gedicht hat sie nicht; Comestor muss also, wenigstens neben ihm noch eine andere, unbekannte, vermutlich die erste, ursprüngliche Version, das Werk des Hieronymus benutzt haben.

Da diese fehlt, so ist die Prosadarstellung des Comestor, weil vollständiger als das Sommer'sche Gedicht, als Hauptquelle der späteren Darstellungen anzusehen. Ihr schliessen sich, von dem Sommerschen Gedichte nun endlich zu schweigen, das spätere lat. Gedicht, die beiden in den Chester Plays enthaltenen altenglischen Bearbeitungen, die Furnivall'sche, die beiden spanischen Gedichte auf deren jüngstes wir hier zum ersten Male aufmerksam machen), Diemer's Bruchstück und die Darstellung im Wunderhorn ganz getreu an; David Lyndesay im Allgemeinen auch; mit wenigen, unerheblichen Abänderungen, R. Rolle de Hampole und die Friesische Darstellung. In den Punkten, in welchen sie von Comestor abweichen, nähern sie sich einer späteren Prosabearbeitung, der des Thomas von Aquino (1226–74); sie vertheilen die Meereszeichen wie er auf vier Tage, die 40 Fuss des Comestor jedoch an Stelle der 15 des Th. von Aquino beibehaltend, sie erwähnen, wie er, die Welterneuerung nicht als Vorzeichen, schildern sie aber später ganz nach seiner Art.

In seinem Commentar zu den Sentenzen des Petrus Lombardus

(dist. 48 quaest. 1, art. 4) sagt Thomas von Aquino: Hironymus ponit XV signa precedentes judicium dicens quod primo die: maria omnia exaltantur quindecim cubitis super montes. II. omnia aequora prosternuntur in profundum ita ut vix videri

possint. III. redigentur in antiquum statum. IV. belluae omnes et alia que moventur in aquis congregabuntur et

levabuntur super pelagus; more contentionis invicem mu

gientes. V. omnia volatilia coeli congregabuntur in campis invicem plorantes

non gustantes neque bibentes. VI. flumina ignea surgent ab occasu solis contra faciem firmamenti

usque at ortum currentia, VII. omnia sidera errantia fixa spargent ex se igneas comas sicut

cometae. VIII. erit magnus terraemotus et omnia animalia prosternuntur. IX. omnes lapides tam magni quam parvi dividentur in quattuor

partes una quaque aliam collidentes. X. omnes plantae sanguineum fluent rorem. XI. omnes montes et colles et aedificia in pulverem redigentur. XII. omnia animalia venient ad campos de silvis et montibus rugientia

et nihil gustantia. XIII. omnia sepulcra ab ortu solis usque ad occasum patebunt cadare

ribus ad resurgendum. XIV. omnes homines de habitaculis suis recedent non intelligentes, ne

que loquentes sed discurrentes. XV. omnes morientur et resurgent cum mortuis longe antea defunctis.

Die beiden deutschen Gedichte in Hoffmanns Fundgruben, Fon denen das im zweiten Bande, das ältere und die Quelle des mit freien Zusätzen reich ausgestatteten anderen ist, stimmen oft wörtlich zu Tho. mas von Aquino, doch können wir diesen unmöglich die Quelle derselben nennen, insofern wenigstens als Hoffmann seinen zwiefachen Fund ins 12. Jahrhundert, also ein Jahrhundert vor Thomas von Aquino, gesetzt hat; das auch sie ein lateinisches Vorbild benutzt, lässt sich wohl mit Gewissheit annehmen, ob sie aber die erste oder eine später unbekannte Version benutzt haben, können wir nicht entscheiden.

Zu keiner der noch vorhandenen lat. Darstellungen lassen sich in die geringste Beziehung bringen das alıfr, Stück, der Antichrist im

Ebert, das Mätznersche Fragment und Walter Mapes Dialogue. Dass der Antichrist nichts als eine Uebersetzung aus dem franz. ist, haben wir schon mehrfach erwähnt. Er giebt dieselben Zeichen, in derselben Reihenfolge, die Eigentümlichkeiten des franz. Gedichtes so getreulich wiederholend, dass an eine etwaige Benutzung einer und derselben Quelle garnicht zu denken ist. Er thut selten mehr als Wort für Wort zu übersetzen, führt bisweilen etwas breiter aus, kürzt hie und da und stellt manchmal um. Ihm schliessen sich die beiden altenglischen Gedichte an.

Ebenso originell ist die von Haupt abgedruckte Bearbeitung, wenn der Verfasser, der aus Tradition und Volksglauben geschöpft zu haben scheint, überhaupt ein Vorbild gehabt hat, so doch jedenfalls nur Fund. grube I. Mit ihm hat es den einen Zug gemein, dass das Meer am ersten Tage sinkt und schwindet, am zweiten aber sich wie eine Mauer erhebt. Im übrigen ist es ganz originell.

Comestor's Version ist, wie wir gesehen, die populärste von allen; woraus er selbst aber geschöpft, lässt sich nicht sagen. Ein Urbild, welches, nicht alle Züge, die spätere Dichter aus ihrer Phantasie geschaffen, wohl aber alle die, welche die kärgliche Prosadarstellungen des Petrus Comestor und des Thomas von Aquino enthalten, in sich vereinigt, ist bis jetzt freilich noch unbekannt; ein solches aber muss wenigstens existirt haben.

Wir haben gesehen, wie Jahrtausende lang der Gedanke einer Weltzerstörung und Welterneuerung lebendig wie kaum ein anderer, im Herzen der Völker gelebt, wie er sich aus heidnischen Anfängen, aus der Sagenwelt der nordischen Mythologie und der griechisch-lateinischen Weltanschauung der Stoiker ergossen hat über Juden und Christen; wie das Christentum ihm und allen seinen Zweiggedanken den rechten Lebensatem eingehaucht, wie das Mittelalter ihn an seinem Gedankenheerd geschürt und gefacht und tausend Gestalten gegeben hat, und wie die neue und neueste Zeit noch immer nicht von ihm lassen will. Wir wollen schliessen, indem wir zeigen, wie, abgesehen von Tradition und Aberglaube, auch Wissenschaft und Philosophie noch jetzt zu beweisen versuchen, wie der Weltenbau einmal zusammenbrechen muss. M. Adhémar (Révolutions de la mer; déluges périodiques. Par. 1860) verheisst nicht einen Weltenbrand, sondern eine zweite Wasserfluth. Folgende der Revue des deux mondes (1860 août p. 663, Nouvelles théories sur le déluge p. Alfred Maury) entnommene Stelle fasst seine Ansichten kurz zusammen. „Si les vues de M. Achémar sont exactes il est évident que nous marchons à un nouveau cataclysme, malgré la promesse faite par Dieu à Noé qu'il n'y aura plus de déluge sur la terre. La calotte de glace qui environne le pôle boréal va en augmentant, et déjà depuis l'année 1250, la somme des heures de nuit, a dépassé celle des heures de jour. Tandis que notre atmosphère se refroidit la coupole australe tend à se resserrer et les eaux qui couvrent l'autre hémisphère s'élanceront dans quatre ou cinq mille ans sur les continents que nous occupons, baignés par des mers de plus en plus hautes.“ Wir wollen schliessen, wie wir angefangen, mit der Reflexion, dass selbst die kühnsten Geisteskämpfer dem Rufe Schillers : „Senke nieder, Adlergedanke, dein Gefieder,“ Folge leisten müssen, dass ein Denker, dessen Originalität und Unabhängigkeit ihn zum echten Sohne seines Vaterlandes macht, dass selbst Herbert Spencer sein Gefieder senkt vor dem Unendlichen, und voraussieht und verkündet (in dem Dissolution betitelten Kapitel seiner First Principles. London 67, p. 518,) wie am Ende der Zeiten (at some period beyond the utmost stretch of imagination) das All, das seine Zwecke erfüllt hat, sich auflösen und sich selbst zerstören wird, um Ruhe zu finden im Unendlichen. Berlin.

C. Michaëlis.

Beurtheilungen und kurze Anzeigen. .

Der Unterricht in der französischen Grammatik an der Real

schule. Versuch zur Lösung der Realschulfrage. Von Dr. E. Bratuscheck. Separatabdruck aus dem Programm der Friedrichs - Werderschen Gewerbeschule zu Berlin. Ostern 1870. Berlin. Otto Löwenstein.

Der Zweck der 717, Bogen füllenden Abhandlung ist „nachzuweisen, dass der Unterricht in der französischen Grammatik an den Realschulen einer durchgreifenden Reform bedarf und zu untersuchen, wie diese Reform herbeizuführen ist.“ Der Verfasser erklärt aber von vorn herein, dass nach seiner Ansicht jener Unterricht an der Realschule nur dann zweckentsprechend ertheilt werden kann, wenn dieselbe in den unteren und mittleren Klassen das Latein von ihrem Lebrplan ausschliesst und behauptet ausserdem, der Unterricht in der französischen Grammatik mache, wenn er zweckmässig ertheilt wird, den lateinischen Unterricht an der Realschule überflüssig, und letztere müsse das Latein ihrem Wesen nach ausschliessen. Daraus erhellt, dass die Untersuchung, wie der Verfasser sagt, den Kern der sogenannten „Realschulfrage“ betrifft. Denn gegenwärtig bestehen in Preussen, abgesehen von den neu erworbenen Landestheilen, nur vier Realschulen ohue Latein: die Friedrichs-Werdersche Gewerbeschule zu Berlin, die Luisenstadtsche Gewerbeschule ebendaselbst, die Realschule zu Essen und die höhere Gewerbeschule zu Magdeburg, die drei letzteren in den letzten sechs Jahre nach dem Muster der erstgenannten gegründet; in allen übrigen nimmt das Latein den fünften Theil der gesammten Unterrichtszeit in den unteren und mittleren Klassen in Anspruch; der Wegfall desselben würde mithin die ganze Organisation des Realschulwesens verändern und das Verhältniss der Realschule zur Universität und zum Gymnasium würde sich ebenfalls hiernach anders bestimmen. Somit konnte die vorliegende Untersuchung nur im Zusammenhang mit der gesammten Realschulfrage geführt werden.

Demgemäss wird in dem ersten Kapitel zunächst der gegenwärtige Stand der Realschulfrage untersucht. Mit Bezugnahme auf die Ausführungen Wiese's: „Das höhere Schulwesen in Preussen“ (Band II.) zeigt der Verfasser, dass gegenwärtig über Wesen und Aufgabe der Realschulen vier verschiedene Ansichten bestehen. Die einen verlangen, dass sie eine gewerbliche Fachbildung gewäbre, wodurch sie sich in den oberen Klassen den jetzigen Provinzialgewerbeschulen (nach dem neuen Plan des Handelsministeriums) nähern, aber wie diese dann das Latein und wohl auch das Englische ausschliessen würden. Nach einer zweiten Ansicht sind die Real

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