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Form der homerischen Epen im Auge behielt, sonst aber gehoben und erfüllt von den Grossthaten der Römer durchaus römische Stoffe zum Gegenstande ihrer Dichtung machte. So hatte der alterthümliche Cn. Naevius in saturnischem Versmass den ersten punischen Krieg, in dem er selbst mitgefochten hatte, besungen; so hatte Ennius in seinem grossen, aus 18 Büchern bestehenden historischen Gedichte, Annales betitelt, die ganze römische Geschichte von der Landung des Aeneas in Italien an bis auf seine Zeiten (Ennius starb 169 v. Chr.) in grossartigem Römersinne behandelt. Diesen Beispielen folgend hatten viele andere Römer es versucht, einzelne Abschnitte der römischen Geschichte episch zu behandeln, oder auch sich ganz der annalistischen Form des Eonius anzuschliessen. Waren die Gesänge des Naevius und Ennius, wie sich aus den erhaltenen Resten erkennen lässt, weiter nichts als versificirte Geschichte, so scheinen auch ihre Nachfolger, von deren Werken sich fast nichts erhalten hat, über diesen Begriff des Epos nicht hinausgekommen zu sein. Der Ruhm, unter den Römern das Wesen des Epos zuerst richtig erkannt zu haben, gebührt dem Vergil. Wohl fesselte auch ihn der schon durch die rauhen Klänge an die kräftige Vorzeit erinnernde Ton des Naevjus, wohl riss auch ihn der grossartige, durch die edelste Begeisterung für die Grossthaten der Römer erzeugte Schwung des Ennius hin, aber doch konnten seinem höheren Kunstverständnisse die Vorzüge des Homer nicht verborgen bleiben, und seinen reineren Geschmack musste die rohe Gewalt, welche seine Vorgänger der Sprache angethan hatten, aufs tiefste verletzen. Als er sich daher zu einem Epos entschloss, da setzte er sich das höchste Ziel und wollte ein Werk liefern, das zur Verherrlichung des Römerthums mehr beitragen sollte, als das Bellum Punicum des Naevius und die Annales des Ennius, in Anlage und Durchführung aber die Vorzüge der Ilias und Odyssee vereinigte. Darum wählte er den Trojaner Aeneas, dessen Landung in Latium schon von seinen Vorgängern besungen war, zum Helden seines Epos; denn in seiner durch die Sage verherrlichten pietas und virtus fand er den Grundtypus des Römercharakters vollständig ausgeprägt. Dabei bot ihm die Form, welche Homer dem Epos gegeben hatte, alle Mittel (Prophezeiungen, Gang in die Unterwelt u. s. w.), die Grösse des zur Weltherrschaft bestimmten Römervolkes im Allgemeinen, wie in seinen Haupthelden zu verherrlichen. Dazu kam, dass die Wahl des Aeneas, in dessen Sohn lulus das julische Geschlecht, dem Cäsar und Octavian angehörten, seinen Stammheros verehrte, dem Dichter die passendste Gelegenheit gab, auf Octavian als den Mann hinzuzeigen, der vom Schicksal auserkoren sei, die Grösse und Hoheit des Römernamens ihrem Gipfel zuzuführen und durch Beendigung der Bürgerkriege die Römer des Gefühls ihrer Weltherrschaft froh werden zu lassen. Benutzte der Dichter endlich die Localität der gewählten Handlung, um sein beschreibendes Talent in Ausmalung von Gegenden, die allen Römern bekannt und werth waren, zu bewähren, und die Zeit, in welche er sein Epos verlegte, um den Ursprung berühmter Geschlechter in die graue Vorzeit zurückzuleiten, dieselben in ihren Ahnberren zu ehren, und römischen Sitten und Gebräuchen in jener troischen Zeit ihren Ursprung und damit ehrwürdigen Charakter zu geben, so durfte er hoffen, seinen Römern ein von echt vaterländischer Gesinnung getragenes Epos zu schaffen, auf das sie mit eben solchem Stolze blicken könnten, wie die Griechen auf die Gesänge ihres Homer.

Indem pun Vergil den Aeneas besingen wollte, führte ihn das Schicksal seines Helden zur Eintheilung seines Stoffes in zwei Hälften, von denen die eine die Irrfahrten des Aeneas, die andere seine Kämpfe um den Besitz des ihm vom Schicksal angewiesenen Latiums umfasste, und somit zur Nachahmung der Odyssee in jenem, der Ilias in diesem Theile. Wäbrend er in jener ersten Hälfte seinen Stoff meist aus den griechischen Epikern, welche den troischen Sagenkreis in seinem ganzen Umfange bearbeitet hatten, zog, fand er in der zweiten vielfache Gelegenheit, von seiner Belesenheit in der römischen Literatur Gewinn zu ziehen; denn das Meiste von dem, was Vergil über die Kämpfe des Aeneas in Latium und von den hier bereits ansässigen Volkerschaften erzählt, ist nicht des Dichters Erfindung, sondern Resultat der Forschungen, welche besonders der ältere Cato in den Origines (s. Nep. Cat. c. 3) und der gelehrte, 27 v. Chr. gestorbene Alterthumsforscher Varro in vielen Schriften (z. B. den libris antiquitatum rerum humanarum, de vita populi rom., de gente pop. rom., de familiis troianis cet.) angestellt hatten. Offenbar war daher Homer in Bezug auf den Stoff im Vortheil gegen Vergil; denn während der trojanische Krieg im Munde des griechischen Volkes lebte und die Helden desselben durch die Sage schon zu scharf ausgeprägten Charakteren gestaltet waren, kannten wohl fast nur gelehrte Alterthumsforscher die Sage von den Irrfahrten und Kämpfen des Aeneas, und es galt jahrelanges Studium und mannichfache Combinationen, um Ordnung und Zusammenhang in Notizen, die sich vielfach widersprachen, zu

bringen. Um so mehr muss man das Talent des Vergil bewundern, der es verstand, den verworrenen und widerstrebenden Stoff zur Einheit eines abgerundeten Epos zu verarbeiten, und man wird, zumal wenn man bedenkt, dass er durch den Tod verhindert wurde, die letzte nachbessernde Hand an sein Werk zu legen, es ihm gerne pachsehen, dass er in manchen Punkten, besonders in dem Interesse, das der Hauptbeld erweckt, sowie überbaupt in der Charakteristik, sein grosses Vorbild, den Homer, nicht erreicht hat.

Auch in der vergilischen Darstellung zeigt sich bei aller Nachahmung im Einzelnen eine grosse Verschiedenheit von Homer, die sowohl durch die Verschiedenheit der Zeit, der beide Dichter angehörten, als auch durch den römischen Nationalcharakter und endlich durch die Eigenthümlichkeit des besonders zum Beschreiben und Ausmalen hinneigenden Vergil herbeigeführt war. Während die Sprache Homer's einfach und natürlich ist, seine Gleichnisse oft nur einzelne charakteristische Züge bielen, die Reden seiner Helden durchaus nur schlichte Herzensergüsse sind, ist Vergil's Sprache durchweg gewählt und erhaben, sind seine Gleichnisse vollständig ausgefübrt und sorgsam ins Detail ausgemalt, athmen seine Reden durchgängig rhetorischen Charakter. Vergil's Darstellung ist ferner im Vergleich zu der rein objectiven des Homer mehr subjectiv, d. h. die Reden und Thaten der Helden werden dem Leser nach dem gemüthlichen Antheile, den der Dichter selbst daran nahm, vorgeführt: darum ist die Aeneide so reich an rübrenden, das Herz mächtig ergreifenden Stellen. Rechnet man dazu Vergil's tiefe Kenntnis des menschlichen Herzens, vermoge welcher er so gross in der Darstellung der menschlichen Leidenschaften ist, die Geschicklichkeit, mit welcher er einzelne Goldkörner aus den Werken der alterthümlichen Dichter Naevius und Ennius seinem Epos einzuverleiben und in würdige Umgebung zu versetzen verstand, endlich die Ausbildung, welche er der dichterischen Sprache und dem Hexameter gab, ja die Gewalt, welche er über beide übte und sie zwang, den darzustellenden Gedanken sinplich auszumalen, wie, um nur ein Beispiel anzuführen, in dem bekannten Verse A. VIII, 596: quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum – so erscheint das Urtheil der Römer, welcbe in ihm ihren grössten epischen Dichter verehrten, hinlänglich gerecht

fertigt.

P. VERGILI MARONIS
BUCOLICON

LIBER

In den Eklogen erhob sich Vergil von dem sorgsamen Nachabmer des Theokrit zu dem selbständigen Meister der bukolischen Poesie. Seine ersten Versuche gingen unmittelbar aus den Uebungen im Uebersetzen der sicilischen Idyllen hervor. Er stellte zuerst sinnverwandte Verse und Strophen zu einem Gedichte zusammen (E. 2, v. 6-30), dessen Grundgedanken er nach freier Disposition erweiterte (E. 2, v. 31–73). Dann legte er einer eigenen Dichtung das Thema und die Disposition einer Idylle des Theokrit zu Grunde (E.3). Nachdem er die volle Herrschaft über die poetische Diction erlangt hatte, begann er mit seinem Vorbilde erst in einzelnen Strophen (E. 9), dann in ganzen Liedern (E. 5 und 8) zu wetteifern. Auch erfand er Hirtengespräche, die er in der Anschauungsweise und in der Sprache seines Meisters durchführte (E. 7). Endlich benutzte er die Wendungen des bukolischen Liedes zum Ausdruck von Gedanken und Empfindungen, welche zwar noch dem Hirtenleben angehörten, aber schon in engster Beziehung zu den politischen Ereignissen seiner Zeit standen (E. 1). Doch blieb er in der ersten Periode seines Dichterlebens (42-32 v. Chr.) innerhalb der Grenzen der reinen Idylle. Als er sich aber nach der Veröffentlichung der Georgica und der Beendigung eines nicht unbedeutenden Theils der Aeneis zum zweiten Male der bukolischen Dichtung zuwandte, behielt er nur den Ton und die Anlage der Idylle bei, behandelte aber in dieser ibm liebgewordenen Form Gegenstände, welche ausserhalb ihres eigentlichen Gebietes lagen.

Er dichtete ein Lied auf den Tod seines Freundes Gallus (E. 10), besang in einem andern die Einführung desselben in den Kreis der Sänger, welche nach der Vorstellung der Alten in ewiger Rube nach dem Tode ihre Kunst pflegten (E.6), und erflehte in einem dritten von den Göttern die Erscheinung eines Genius, welcher das Friedenswerk des Augustus als sein Nachfolger vollenden sollte (E. 4). Um dem Geschmack seiner Zeitgenossen und den veränderten politischen Verhältnissen zu entsprechen, änderte er in dieser zweiten Recension auch einzelne Stellen der älteren Gedichte.

Die Träger der Handlung sind in allen Eklogen die Hirten und ihre Götter. Die Hirten erscheinen uns in Vergil's Gedichten als betriebsame Landleute, die zugleich Gärtnerei, Bienenzucht, Weinbau und Jagd treiben und in den Mussestunden Wirthschaftsgeräthe anfertigen, d. h. aus Binsen Körbe, Seigen, Käseformen u. s. w. Dechten, E. 2, 71–72. 10, 71. Mit der sie umgebenden Natur fühlen sie sich so eng verwachsen, dass nach ihrer Anschauung die Fluren sammt den Wäldern und Thieren Freude und Leid mit ihnen treulich theilen, vgl. E. 1, 39. 40. 5, 25-28.60–64. 10,13-16. Beim Weiden des Viehes tragen sie den Hirtenstab (pedum, E. 5, 88, das homer. xałaūgou, II. 23, 845.) von knotigem Dorn, Wachholder oder Olivenholz, unten mit einer eisernen Pike, die ein Ring von Erz oder Kupfer im Schafte befestigte, und werfen ihn unter die Herden, wenn sie diese von einem gefährlichen Orte zurücktreiben wollen, E. 3, 96. Wie der Hirtenstab, so ist die Robrflote oder Syrinx ihr unzertrennlicher Gefährte. Diese Pfeifen bestanden aus mehreren, neben einander verbundenen, stufenweis abnehmenden Röhren von ungleicher Dicke und Länge und waren oft aus Schierling verfertigt: die einfachste Pfeife war die einröhrige Halmpfeife (avena E. 1, 2, calamus E. 1, 10, fistula E. 3, 22, arundo E, 6, 8, cicuta E. 2, 36. 5, 85), die siebenröhrige Syrinx (E. 2,36) gehörte schon zu den künstlicheren. Auf diesen Rohrpfeifen ersannen (meditari) und spielten sie die Melodien zu ihren Liedern, und zwar so, dass die Rohrpfeife zum Vorspiel oder zum Zwischenspiel zwischen den einzelnen Absätzen eines längeren Liedes benutzt wurde. Denn gesangslustig und gesangskundig waren die Hirten: während sie ihre Herden weideten, besangen sie entweder ihr Liebesglück und ihre Liebespein, oder verherrlichten durch ihren Gesang auch das Urbild der sicilischen Hirten, den Daphnis, den schönsten und gesangskundigsten Hirten, den Sohn des Merkur und einer Nymphe, welchen Pan selbst in der

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