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Me ego, qui quondam gracili modulatus nvena
Carmen, et egressus si lvis vicina coëgi,
Ut quamvis avido parerent arva colono,
Gratum opus agricolis, at nunc horrenlia Martis

Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris
Italjam fato profugus Lavinaque venit

Seesturm. Aeneas bei der Dido in Carthago.

Ille ego. – Der Verfasser dieser vier einleitenden Verse ist unbekannt; hat Verg. sie verfasst, so hat er seine Aeneide doch sicherlich erst mit den Worten Arma virumque cano begonnen. Was die Grammatiker über diese Verse berichten, ist Einl. p. 6 mitgetheilt. modulatus, näml. sum, s. z. A.

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1-7. Inhalt des Epos: die Kämpfe und Irrfahrten des Aeneas. Das fatum hat den Aeneas zum Gründer eines Reiches in Italien bestimmt, die ihm feindlich gesinnte Juno aber sucht die Erfüllung des Fatum hinauszuschieben: darum hält sie ihn lange von Italien fern und verschlägt ihn in andere Länder, aus denen ihn die Macht der Götter, welche für die Erfüllung des Fatum Sorge tragen, nach kurzer Rast weiter treibt. Als er endlich in Italien angekommen ist, erregt ihm die Juno blutige Kriege, bis es ihm zuletzt gelingt, Lavinium zu gründen und den mitgebrachten Göttern Anerkennung und Verehrung in der neuen Heimath zu verschaffen. Die

Vergil II. 8. Aun.

Folge davon ist die Vereinigung der Trojaner und der Ureinwohner Italiens unter dem Namen der Latini, die Gründung Alba's und endlich die Erbauung Roms. So erkennen wir aus dieser Einleitung: 1) den Plan des Dichters, in seinem Epos Schlachtengemälde zu entrollen, wie sie die Ilias bietet, und Abenteuer vorzuführen, wie sie uns in der Odyssee entgegentreten; 2) den religiösen Sinn des Dichters, dem alle menschlichen Handlungen durch das Walten der Gottheit bedingt sind; 3) den Nationalstolz Vergils, der sich in der Wahl des Stoffes zeigt, und seinen Ausdruck findet in v. 33.

1. primus. Das von dem Trojaner Antenor gegründete Patavium (s. unten v. 242—49) wurde nebst der ganzen Gallia cisalpina erst unter Augustus ein integrirender Theil Italiens.

2. Lavinaque vgl. d. Anh, que ist explicativ: und zwar (s. z. A. VII, 666). Lavina litora wird das Ufer genannt, auf welchem Aeneas die Stadt Lavinium gründen sollte. 3. ille, s. zu A. V, 457.

litora, multum ille et terris iactatus et alto vi superum, saevae memorem Iunonis ob iram, multa quoque et bello passus, dum conderet urbem inferretque deos Latio, genus unde Latinum Albanique patres atque altae moenia Romae.

Musa, mihi caussas memora, quo numine laeso quidve dolens regina deum tot volvere casus insignem pietate virum, tot adire labores impulerit. tantaene animis caelestibus irae ?

Urbs antiqua fuit, Tyrii tenuere coloni, Carthago, Italiam contra Tiberinaque longe ostia, dives opum studiisque asperrima belli; quam Iuno fertur terris magis omnibus unam posthabita coluisse Samo: hic illius arma,

4. vi superum, vgl. Hom. Od. XVII, 119.

5. Mit den Worten et bello wird die vorhergehende Eintheilung et terris et alto fortgeführt und zum Abschluss gebracht. Uebrigens vgl. Hom. Od. 1, 4.

8-11. Die Verfolgung eines Mannes, welcher die dem Menschen von der Natur gegebenen Gesetze mit ausgezeichneter Treue zu befolgen pflegte, konnte nur die Folge einer Opposition gegen den Willen der Gottheit (quo numine laeso) oder einer persönlichen Kränkung (quidve dolens) sein. Die folgenden Verse zeigen, dass die erste durch das Fatum bestimmt (v. 22), die zweite durch das Verhalten und die Schicksale seiner Stammgenossen herbeigeführt war (23—28).

8. quo num. laeso, nach der Vereitelung welches kundgegebenen Wunsches, vgl. d. Anh. Die Antwort auf diese Frage enthalten die Verse 17 u. 18.

10. adire imp. Die röm. Dichter fügen den Inf. als allgemeine Objectsbestimmung zu allen Verben hinzu, in denen der Begriff des Strebens liegt, und vermeiden so die Umständlichkeit eines abhängigen Nebensatzes oder die schwer

fälligen Formen des gerundium u. gerundivum. Dieser Gebrauch des Inf, findet sich vereinzelt schon bei den älteren Dichtern und wird im aug. Zeitalter zur Regel. So hat V. zuerst impellere mit d. Inf. verbunden, worin ihm von den Prosaikern zuerst Liv. (22, 6, 6) gefolgt ist. Auch tendere in v. 18 haben V. u. Hor, zuerst mit d. Inf. construirt.

12. Vergil nennt Carthago eine urbs antiqua nicht nach den Zuständen der erst folgenden epischen Erzählung, sondern, wie es der Ton des Nationalepos mit sich bringt, mit Rücksicht auf das später entstandene Rom.

13. 14. Ital. c. T. I, 0.: gegenüber von Italien und zwar gerade von der Mündung des Tiber in weiter Ferne gelegen,

6. posth. Samo. Lactant. inst. 1,17: insulam Samum scribit Varro prius Partheniam nominatam, quod ibi Iuno adoleverit ibique etiam lovi nupserit. itaque nobilissimum et antiquissimum templum eius est Sami. Ein anderer Hauptsitz der Juno war Argos, S. A. VII, 286. Bei Hom. II, IV, 51-52 sagt Hera :

roi tuoi toeis pèrnolù piltatai siol anes, Aoyos Te Encoen Te xai ováyvia Muxývn. Ueber den Hiatus s. 2. A. VII, 226.

hic currus fuit; hoc regnum dea gentibus esse,
si qua fata sinant, iam tum tenditque fovetque.
progeniem sed enim Troiano a sanguine duci
audierat, Tyrias olim quae verteret arces;
hinc populum late regem belloque superbum
venturum excidio Libyae: sic volvere Parcas.
id metuens veterisque memor Saturnia belli,
prima quod ad Troiam pro caris gesserat Argis
necdum etiam caussae irarum saevique dolores
exciderant animo; manet alta mente repostum
iudicium Paridis spretaeque iniuria formae
et genus invisum et rapti Ganymedis honores;
his accensa super iactatos aequore toto
Troas, reliquias Danaum atque immitis Achilli,
arcebat longe Latio, multosque per annos
errabant acti fatis maria omnia circum.
tantae molis erat Romanam condere gentem.

17. currus. Den Wagen der Juno beschreibt Hom. Il. V, 720—33.

18. lenditque fovetque, erstrebt mit Eifer und sorgt mit Liebe.

19. sed enim. Vollständig: sed Carthagini metuebat, audierat enim.

21. hinc, d. h. aus der prog. Troi. hervorgegangen. Dieser u. der folg. Vers erklären u. erweitern den Gedanken der beiden vorhergehenden Verse dahin, dass auf andere Elemente hingewiesen wird, die sich mit dem troj. Stamm zu einem Volke vereinigen werden, und dass angedeutet wird, wodurch es diesem Volke gelingen werde, so Grosses auszurichten (late r. b. sup.). Was ferner vorher nur von der Stadt Carthago gesagt war, wird hier auf ihr ganzes Gebiet ausgedehnt. late regem. Horat. od. III, 17, 9: late tyrannus.

22. veteris, des alten, d. h. des früheren, vgl. A. VI, 449. VIII, 332.

24. prima, sie vor Allen, év n pouámous, vgl. A. II, 613. XII, 33.

27. alta mente, vgl. Hom. II. XIX, 125.

28. genus invisum. Dardanus,

der Ahnherr Troja's, war als Sohn des Jupiter und der Elektra (s. A. VIII, 134-37) der eifersüchtigen Junó verhasst. - rapti G. h., die Gunstbezeigungen des Jupiter gegen den von ihm geraubten Ganymedes, einen Sohn des Trojaners Tros, s. Ovid Met. X, 155-61. - Der Ausdruck rapti lässt uns einen Blick in den Seelenzustand der Juno werfen, die tief erzürnt ist, dass der nur durch Entführung in den Olymp gelangte Ganymedes so geehrt wird.

29. Mit den Worten his accensa fast der Dichter die ganze Erörterung von v. 19 an zusammen und kehrt dann zu der v. 24 abgebrochenen Construction zurück. -Die Worte super aequore toto entsprechen chiastisch den folgenden maria omnia circum. Die Präposition ist in gleicher Weise, wie hier, von ihrem Casus getrennt A. II, 278. IV, 233.

30. Danai heissen die Griechen nach dem Aegypter Danaus, der in Griechenland einwanderte und Argos gründete.

32. acti fatis, denn ProphezeiVix e conspectu Siculae telluris in altum vela dabant laeti et spumas salis aere ruebant, cum Iuno aeternum servans sub pectore volnus haec secum, ‘mene incepto desistere victam nec posse Italia Teucrorum avertere regem ? quippe vetor fatis. Pallasne exurere classem Argivom atque ipsos potuit submergere ponto unius ob noxam et furias Aiacis Oilei ? : ipsa lovis rapidum iaculata e nubibus ignem disiecitque rates evertitque aequora ventis, illum expirantem transfixo pectore flammas ungen und Göttersprüche bestimm- über den von dem Lokrer Aiax, ten Italien als Ziel ihrer Wande dem Sohne des Oileus, an der Casrungen, vgl. A. I, 382.

sandra begangenen und A. II, 403 314.49. Vergil beginnt die Erzäh- bis 5 erzählten Frevel seine Flotte lung mit der Abfahrt des Aeneas von auf der Heimfahrt beim euböischen Sicilien, vgl. A. III, 707-715; die Vorgebirge Kaphareus, erschlug ihn vorhergehenden Ereignisse erzählt selbst mit dem Blitze und liess Aeneas selbst im 2. und 3. Buche. sodann seinen Leichnam von den

35. ruebant kann wegen aere Wellen an die Klippen spiessen. nicht in dem Sinne von ruere facie Etwas anders erzählt seinen Unterbant, eruebant genommen werden, gang Hom. Od. IV, 499-511. denn bei aere darf nicht an die 41. furias. Wer durch heftige Ruder gedacht werden, sondern an Leidenschaften zu Frevelthaten gedas ganze Schiff, welches mit Erz drängt wird, dessen Verstand ist belegt wurde, besonders an den nach der Vorstellung der Alten nicht Schiffsschnabel; vielmehr bedeuten frei, sondern umstrickt von den die Worte: 'und streckten mit eher- Furien. Oilei ist dreisylbig zu nem Schnabel die schäumende Salz- lesen. Ueber die Synizesis S. 2. fluth'; spumas salis ist Bezeich A. VII, 190. Oilei ist der Genet. nung des Schaumes, den der Schiffs der Angehörigkeit, vgl. A. III, 319. schnabel bei schnellem Segeln vorn VI, 36. G. I, 138. am Schiffe aufregt. Aehnlich sagt 42. Iovis ignem, sie hatte also Valer. Fl. I, 687-88: volat im- den Blitz vom Jupiter nur gleichmissis cava pinus habenis infin sam geliehen. So gibt Zeus auch ditque salum et spumas vomit aere bei Hom. II. XV, 229 dem Apollo tridenti; vgl. auch Hom. Od. II, die Aegide, und Il. V, 738 waffnet 426–28. -- Die Metonymie, nach sich Athene mit ihr. der mit aes das ganze Schiff be 43. In den Worten evertit aequora zeichnet wird, ist neu.

liegt eine Art Prolepsis: sie wühlt 36. Bezeichnen die Worte sub die Wellen so auf, dass man glaup. einen Ort unterhalb der Brust? ben möchte, mehrere Meere vor (vgl. A. I, 100. III, 431. VI, 729.) sich zu haben.

38. It. avertere. In kl. Prosa 44. expir. flammas. So sagt Stat. wird avertere nur mit wiederholter Theb. XI, 2 vom Capaneus: exPräp. construirt; die Dichter aber piravitque receptum fulmen. exsetzen gewöhnlich den blossen Abl., pirare ist ein vorzugsweise dichS. z. E. 5, 6.

terisches Wort, das bei Cic. u. Caes. 39. Pallas zerstreute aus Zorn nicht vorkommt.

Turbine corripuit scopuloque ipfixit acuto; ast ego, quae divom incedo regina, lovisque et soror et coniunx, una cum gente tot annos bella gero. et quisquam numen Iunonis adorat praeterea, aut supplex aris imponet honorem ?'

Talia flammato secum dea corde volutans nimborum in patriam, loca feta furentibus austris, Aeoliam venit. hic vasto rex Aeolus antro luctantis ventos tempestatesque sonoras imperio premit ac vinclis et carcere frenat. illi indignantes magno cum murmure montis circum claustra fremunt; celsa sedet Aeolus arce sceptra tenens mollitque animos et temperat iras;

45. infixit, so dass ihm also auch nicht ein ehrliches Begräbnis zu Theil wurde, denn infigere bez. die Dauer des Verweilens an dem Orte, an den man durch die Handlung des figere gerathen ist; infligere dagegen die Heftigkeit und Stärke des Wurfes, die dem Getroffenen die äusserste Gefahr bringt. Daher ist inflicta A.X, 303 sehr passend; hier wäre inflixit ungehörig.

46. Tovisque et soror et coni., vgl. Hom. II. IV, 59-60. XVI, 432.

47. una cum gente. Die Pallas vermochte mit einem Schlage die ganze Flotte der aus mehreren Völkerschaften bestehenden Griechen die Schuld des einen Ajax bussen zu lassen; die Juno aber muss einen jahrelangen Krieg mit einem ihr verhassten Volke führen.

48. bella gero. Der plur. bella, weil an die einzelnen Kämpfe gedacht werden soll.

49. praeterea , ausserdem, d. h. ausser den Fällen, wo es bis jetzt geschehen ist, also später, vgl. Georg. IV, 502; daher ist adorat praeterea soviel als adorabit. Warum ist der Ind. adorat und imponet dem in einigen Codd. stehenden Conj. adoret und imponat yorzuziehen?

50. flamm. Von dem Verbum flammare erscheinen erst bei den

Schriftstellern nach V. andere Formen, als die part. flammans und flammatus.

52. Aeoliam, eine der liparischen Inseln nordöstlich von Sicilien. vasto antro. Die Dichter gebrauchen bei Ortsbestimmungen im weitesten Umfange den blossen acc. u. abl., wo die genauere Prosa Präpos. hinzufügt.

53. luctantis. Die Winde sind rebellischer Natur und bedürfen, damit nicht eintrete, was v. 58–59 gesagt wird, eines strengen Aufsehers. Das adj. sonorus erscheint zuerst bei V. ú. Tib.

54. imp. premit, die Herrschaft ist den Beherrschten lästig, vgl. A. I, 285. X, 54.

55. montis ist wohl mit murmure zu verbinden, vgl. unten v. 245. Lucan. X, 321: multo murmure montis spumeus invictis canescit fluctibus amnis. Das magn. murin. m. ist eine Folge der indignatio der Winde; cum bez, also die begleitenden Umstände.

56. circum cl. Die Windhöhle war ein Zellengefängniss mit Einzelhaft, die claustra sind die Thüren der einzelnen Zellen. -- arce. Den Palast des Aeolus hat man sich in der Nähe des Windberges zu denken.

57. sceptra. Der plur. zur Bez.

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