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iussa mori, quae sortitus non pertulit ullos
nec victoris heri tetigit captiva cubile !
nos patria incensa diversa per aequora vectae
stirpis Achilleae fastus iuvenemque superbum,
servitio enixae, tulimus; qui deinde secutus
Ledaeam Hermionen Lacedaemoniosque hymenaeos
me famulo famulamque Heleno transmisit habendam.
ast illum ereptae magno inflammatus amore
coniugis et scelerum furiis agitatus Orestes
excipit incautum patriasque obtruncat ad aras.
morte Neoptolemi regnorum reddita cessit
pars Heleno, qui Chaonios cognomine campos
Chaoniamque omnem Troiano a Chaone dixit
Pergamaque Iliacamque iugis hanc addidit arcem.
sed tibi qui cursum venti, quae fata dedere?
aut quispam ignarum nostris deus adpulit oris ?
quid puer Ascanius ? superatne et vescitur aura ?

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323. sortilus. Die Sieger verlosten die gefangenen Frauen unter sich.

327. serv, enixae, indem ich in meinem Sclavenstande dem Pyrrhus einen Sohn (den Molossus) gebar. Dass dies d. Sinn der v. der Andr. absichtlich dunkel gesprochenen Worte sei, geht aus v. 333-34 hervor, denn nur so erklärt es sich, warum Helenus nur einen Theil vom Reiche des Pyrrhus erhält (das Uebrige nämlich fiel an den Molossus). eniti, gebären, steht absolut, wie hier, öfter in der nachkl. Prosa.

328. Hermione, die Enkelin der Leda, wurde von ihrem Vater Menelaus dem um sie werbenden (secutus) Pyrrhus zur Ehe gegeben. Orestes aber, dem sie schon früher von ihren Grosseltern, dem Tyndareus und der Leda, zugesagt war, erschlug den Pyrrhus an dem von ihm errichteten Altare seines Vaters Achilles in Delphi und heirathete die Hermione.

329. famulamque ist nicht überflüssig, sondern giebt den Grund an, weshalb Andr. dieser Verfü

gung des Pyrrhus nachkommen musste. Uebrigens haben wir uns den Satz me ...

habendam als aus zwei Sätzen entstanden zu denken. Aus welchen? Vgl. A. V, 447.

333. reddita cessit. Epirus wurde nach dem Tode des Pyrrhus nicht frei, sondern erhielt wieder (reddita) einen Herrscher. Pyrrhus vermachte sterbend dem Helenus aus Dankbarkeit dafür, dass er ihm durch seine Sehergabe bei der Rückkehr von Troja das Leben gerettet hatte, die Herrschaft von Epirus.

335. Chaon soll nach der Sage ein Freund oder Bruder des Helenus gewesen sein, der nach den einen auf der Jagd von Helenus getödtet wurde, nach den andern bei einer Pest für die Rettung aller den Opfertod erlitt, während noch andere erzählten, dass er nach einem Sturm, in dem er sich den Göttern zum Opfer für das Wohl seiner Gefährten darbot, sich selbst getödtet habe.

336. Pergamaque, s. zu v. 302. 339. superatne, vgl. E. 9, 27.

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(quae tibi iam Troia)
ecqua tamen puero est amissae cura parentis ?
ecquid in antiquam virtutem animosque virilis
et pater Aeneas et avunculus excitat Hector ?
talia fundebat lacrimans longosque ciebat
incassum fletus, cum sese a moenibus heros
Priamides multis Helenus comitantibus adfert
adgnoscitque suos laetusque ad limina ducit
et multum lacrimas verba inter singula fundit.
procedo et parvam Troiam simulataque magnis
Pergama et arentem Xanthi cognomine rivum
adgnosco Scaeaeque amplector limina portae.
nec non et Teucri socia simul urbe fruuntur.
illos porticibus rex accipiebat in amplis;
aulai medio libabant pocula Bacchi
impositis auro dapibus paterasque tenebant.

Iamque dies alterque dies processit et aurae

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A. II, 613. vescit. aura, s. 2. A.
I, 546.

340. In keinem Hemistichium hat Vergil den Sinn oder den Rhythmus ohne Abschluss gelassen. Eins von beiden ist in diesem Verse der Fall, durch welchen die zusammenhängende Reihe der Fragen (v. 337-344) ohne erkennbaren Grund unterbrochen wird. Der Vers rührt daher wohl nicht von Vergil her.

343. avunc. Hector. Creusa, die Mutter d. Ascanius, war nach Apollodor. II, 12,5 eine Schwester des Hector.

345. incassum, eig. in cassum, in's Blaue hinein, vergeblich, findet sich bei Caes. und Cic nicht.

348. multum lacr. fundit. Da lacrimas fundere den Begriff des ein

lacrimare enthält, so konnte das Adverb. multum zur näheren Bestimmung hinzugefügt werden, vgl. Propert. II, 20, 7: tantum lacrimas ... defluit. verb. inter sing. Bei dieser Zwischenstellung der Präpos. lässt die klass. Prosa das adj. der Präp. vorangehen, die Dichter aber wählen auch die umgekehrte Stellung, wenn

sie das subst. mehr hervorheben wollen, so bei V. noch A. IV, 410. V, 19. XI, 535. Schon Liv. folgt bisweilen diesem Dichtergebrauch, wie IX, 43, 15: aciem per mediam, XXVI, 46, 2: parte in alia; öfter Tacitus.

351. amplector limina. Wenn man das Elternhaus oder das Vaterland verliess, oder aus der Fremde dahin zurückkehrte, so pflegte man den Boden, die Schwelle, die Thore zu umarmen und zu küssen, vgl. A. II, 490.

354. aulai med., im Atrium.

355. impos. auro dap., nachdem die Speisen für die Götter auf eine goldene Schüssel gelegt waren. Nicht nur Wein wurde den Göttern bei Privatmahlzeiten gespendet, sondern auch Speisen wurden ihnen vorgesetzt s. Liv. XXXIX, 43, 4: inter pocula atque epulas, ubi libare diis dapes, ubi bene precari mos esset ... mactatam humanam victimam esse. Die W. paterasque ten, gehören als nähere Bestimmung zu lib. poc. Bacchi, indem sie ein einzelnes Moment bei der Libation hervorheben.

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vela vocant tumidoque inflatur carbasus austro:
his vatem adgredior dictis ac talia quaeso.
‘Troiugena, interpres divom, qui numina Phoebi,
qui tripodas, Clarii laurus, qui sidera sentis
et volucrum linguas et praepetis omina pinnae,
far age namque omnem cursum mihi prospera dixi
relligio et cuncti suaserunt numine divi
Italiam petere et terras temptare repostas;
sola novum dictuque nefas Harpyia Celaeno
prodigium canit et tristis denunciat iras
obscenamque famem - quae prima pericula vito?
quidve sequens tantos possim superare labores ?
hic Helenus caesis primum de more iuvencis
exorat pacem divom vittasque resolvit
sacrati capitis meque ad tua limina, Phoebe,
ipse manu multo suspensum numine ducit
atque haec deinde canit divino ex ore sacerdos.

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359. interpr. div. Aen. schreibt dem Hel, die Sehergabe in beiden Formen zu, in welche den Alten die Divination zerfiel. Alle divinatio nämlich war eine naturalis, ate/vos, bei der ein unmittelbares Ausströmen des göttlichen Geistes in den menschlichen angenommen wurde, so dass der Seher die Stimme der Gottheit unmittelbar vernahm; oder eine künstliche, ÉVTEyvos, artificiosa, bei der der Priester die göttliche Offenbarung durch gewisse signa, die er zu beobachten und zu deuten lernen musste, erhielt. Helenus nun vernahm die Stimme des Phoebus durch Inspiration, wie die Pythia auf ihrem Dreifusse in Delphi und wie der Priester in der berühmten Orakelgrotte im Lorbeerhaine des Apollo zu Claros bei Colophon in lonien (s. Tac. Annal. II, 54); er wusste aber auch den Willen der Götter zu erkennen aus der Stellung der Sterne und aus dem Fluge und der Stimme der Vögel, er war also auch Astrolog (Chaldäer) und auspex.

362. prospera relligio. Insofern die Auspicien und die Orakel dem

Aeneas glücklichen Erfolg seines Unternehmens verhiessen, konnte er die rel. selbst prospera nennen. Uebrigens liegt in den W. nicht d. Gedanke, d. ganze Fahrt werde glücklich sein, sondern nur ,

dass ihm die prospera relligio die glückliche Erreichung seines Zieles verkündet habe.

367. obsc. s. oben z. v. 262. vito. Der Fragesatz ist nicht von fare abhängig, sondern selbständig; possim im nächsten V. ist modus potentialis.

370. vittas res. Die vitta , die der Priester beim Opfern anlegen musste, nahm Hel. jetzt, wo wahrsagen wollte, ab; denn der Wahrsager musste nirgends gebunden sein, damit der Gott frei in ihm wirken könne.

372. multo susp. num., da ich vom mächtigen Schauer der Gottheit erbebe. multum numen nämlich ist die gewaltige, durch die Nähe des Gottes recht wahrnehmbare Macht des Phoebus. In ähnlichem Sinne steht multus A. I, 411. III, 151. IV, 3.

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Nate dea; nam te maioribus ire per altum auspiciis manifesta fides: sic fata deum rex sortitur volvitque vices; is vertitur ordo pauca tibi e multis, quo tutior hospita lustres aequora et Ausonio possis considere portu, expediam dictis; prohibent nam cetera Parcae scire Helenum farique vetat Saturnia Iuno. principio Italiam, quam tu iam rere propinquam vicinosque, ignare, paras invadere portus, longa procul longis via dividit invia terris. ante et Trinacria lentandus remus in unda et salis Ausonii lustrandum navibus aequor infernique lacus Aeaeaeque insula Circae, quam tuta possis urbem componere terra.

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374. nam te, nam erläutert und versichert die Wahrheit des von Aeneas v.362–64 Gesagten: allerdings, gewiss.

maior. ausp., unter höherer Leitung, denn Jupiter selbst will es so, wie in den folg. Versen gelehrt wird.

sort. volv. vic., also hing es vom Jupiter ab, die Aufeinanderfolge der einzelnen Schicksalssprüche, fata, zu bestimmen.

377. hosp. aeq. 'Verg. braucht hospitus stets in seiner ursprünglichen Bed. a ufnehmend, wie ein Gasthaus oder ein Wirth aufnimmt, ohne die geringste Beziehung darauf, ob die Aufnahme gut oder schlecht ist; vgl. unten v. 539. A. VI, 93. Henry. Hätte für tutior auch tutus stehen können?

379. prohibent nam cetera P. Von Vielem will ich dir Weniges mittheilen, denn die Mittheilung des Uebrigen erleidet eine zweifache Beschränkung: theils weiss ich es nicht, weil die Parzen mir die Kunde versagen; theils darf ich, was ich davon weiss, nicht aussprechen weil Juno es verbietet; vgl. Hom. II. XIX, 418.

381. Italiam, den Theil Italiens, der dem Aeneas angewiesen war. Der Weg dahin wird longa genannt, weil Aeneas wegen der von Grie

chen bewohnten Ostk. Italiens nicht zu Lande dahin gelangen konnte, sondern um Sicilien herumsegeln musste, und invia, sofern er mit vielen Mühseligkeiten und Gefahren verbunden ist.

382. vic. par. inv. p. et cuius vic. par. inv. P., s. 2. A. IX, 593.

383. longis terris, durch lang sich streckende Länder.

384. Trinacria, alter Name Siciliens. lentandus remus, das Ruder muss durch das Wasser (scheinbar) gebogen gemacht werden, vgl. Apollon. Rhod. II, 593: επεγνάμπτοντο δε κωπαι, είτε καμπύλα τόξα βιαζομένων ηρώων. . lentare ist ein von V. gebildetes W., das die folg. Dichter öfter gebraucht haben. Mit Nachahmung d. St. heisst es bei Sen. Ag. 459: properat iuventus adductos simul lentare remos.

386. inf. lacus, der lacus Avernus bei Cumae in Campanien, in dessen Nähe ein Weg in die Unterwelt führen sollte. Aeaeaeque Circ., 8. Hom. Od. X, 135 sq.

387. urbem comp. ist eine neue Phrase, doch nicht gleichbedeutend mit dem simpl. ponere, sondern mit Hinweisung auf d. geordneten Verhältnisse der Stadt.

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signa tibi dicam; tu condita mente teneto:
cum tibi sollicito secreti ad fluminis undam
litoreis ingens inventa sub ilicibus sus
triginta capitum fetus enixa jacebit.
alba solo recubans, albi circum ubera nati,
is locus urbis erit, requies ea certa laborum.
nec tu mensarum morsus horresce futuros :
fata viam invenient aderitque vocatus Apollo.
has autem terras Italique hanc litoris oram,
proxima quae nostri perfunditur aequoris aestu,
effuge; cuncta malis habitantur moenia Grais.
hic et Narycii posuerunt moenia Locri,
et Sallentinos obsedit milite campos
Lyctius Idomeneus; hic illa ducis Meliboei
parva Philoctetae subnixa Petelia muro.
quin, ubi transmissae steterint trans aequora classes
et positis aris iam vota in litore solves,
purpureo velare comas adopertus amictu,
ne qua inter sanctos ignis in honore deorum
hostilis facies occurrat et omina turbet.
hunc socii morem sacrorum, hunc ipse teneto;
hac casti maneant in relligione nepotes.
ast ubi digressum Siculae te admoverit orae

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388. tu cond. m. t., vgl. Hom. Od. XV, 27.

389. secreti ad flum. und., an einem abgelegenen Theile des Tiber, vgl. A. VIII, 82. 390. lit., ein dichterisches W.

394. mors. horr. Der transitive Gebrauch von horrescere gehört der Dichtersprache an.

395. fata. Die Schicksalssprüche nämlich, welche den Aeneas zum Gründer eines Reiches in Italien bestimmten.

399. Narycii L. Die Stadt Lokri in Bruttium galt für eine Colonie d. opuntischen Lokrer v. Narycus.

401. Lyct. Idom. Idomeneus besetzte, als er aus Kreta vertrieben war (s. zu A, III, 122), das Gebiet der Sallentini in Calabrien.

402. Philoctetae ist mit muro zu verbinden. Als Philoktetes in

Folge eines Aufruhrs aus seiner Geburtsstadt Meliboea in Thessalien vertrieben wurde, wandte er sich gleichfalls nach Unteritalien und umgab die Stadt Petelia im Gebiete der Bruttier mit einer Mauer.

subnixa muro, von unten gestützt auf die Mauer, d. h. gestützt und stark durch die Mauer, welche mit dem Felsen, auf dem die Stadt ruhte (Strabo 6, 1, p. 4. tovuvi 8? totiv), ein Ganzes zu bilden schien.

403. steterint, s. oben z. v. 110. 405. purp. am. Die Purpursarbe schützte, wie man im Alterthum glauble, gegen Zauber. - velare, s. 2. A. II, 350. Uebrigens führí Vergil hier eine römische Sitte auf die Zeiten des Aeneas zurück.

407. omina, die Anzeichen bei der Opferhandlung

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