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stand dichterisch in Prosa hatten bereits Cato und Varro darüber geschrieben - behandelt habe. Vielleicht trug auch gerade die freie, durch kein ängstliches Bestreben, mit einem griechischen Vorbilde zu wetteifern, gebundene Bewegung wesentlich zu der hohen Vollendung bei, die den Georgica in solchem Masse zuzuschreiben ist, dass Bernhardy sie die glücklichste Leistung des Alterthums im Lehrgedicht vennt und urtheilt, dass weder griechische noch römische Kunstpoesie einen höheren Wohllaut in Rhythmus, Ausdruck und Adel der Gesinnung aufzuweisen habe. Der glückliche Takt des Dichters zeigt sich in diesem Werke besonders in der Anlage, in der Vertheilung und in der Behandlung des Stoffes. Dadurch, dass Vergil die ganze italische Landwirthschaft zum Vorwurfe seines Gedichtes machte, hat er sich selbst die Beschränkung aufgelegt, zur Bewältigung eines so gewaltigen Stoffes und zur Vermeidung der Ermüdung seiner Leser über manche Punkte schweigend oder nur andeutend hinwegzugehen; den Stoff aber hat er geschickt so vertheilt, dass er von den niedrigsten zu immer höheren Entwicklungsstufen der Natur fortschreitet: denn indem er im ersten Buche den Ackerbau, im zweiten die Baumzucht, im dritten die Viehzucht und im vierten die Bienenzucht behandelt, gewinnt er von Buch zu Buch einen interessanteren und dankbareren Stoff, dem er durch die überaus glücklich vertheilten Episoden, die von Buch zu Buch einen grösseren Umfang erhalten, und durch alle Mittel der poetischen Ausschmückung noch grösseren Reiz zu geben gewusst hat. Verleiben diese Vorzüge dem Werke einen bleibenden Werth, so musste es für die Römer noch eine besondere Anziehungskraft durch die in der Wahl des Gegenstandes sich aussprechende echt vaterländische Gesinnung des Dichters erhalten; denn da der Ackerbau in den besseren Zeiten der Republik von den Römern hoch geschätzt wurde, so mussten sie in dem Werke des Dichters das rühmliche Streben erkennen, diese zu seinen Zeiten vernachlässigte Beschäftigung wieder zu Ehren zu bringen.

3) Die A en eis. Auf den Ruhm, den Vergil in den Georgica für sich in Anspruch nahm, das Gebiet der römischen Poesie durch die Bearbeitung eines neuen Feldes erweitert zu haben, musste er in seiner Aeneide verzichten, denn schon manche Römer vor ihm hatten sich im Epos versucht; ja, es galt hier, hochgefeierte Dichter zu übertreffen. Die römischen Epiker vor Vergil zerfallen in zwei Classen, von denen die eine nach dem Vorgange des Livius Andronicus sich in Stoff und Form an die Griechen anschliessend den troischen Sagenkreis ausbeutete, während die andere nur die

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Form der homerischen Epen im Auge behielt, sonst aber gehoben und erfüllt von den Grossthaten der Römer durchaus römische Stoffe zum Gegenstande ihrer Dichtung machte. So hatte der alterthümliche Cn. Naevius in saturnischem Versmass der ersten pupischen Krieg, in dem er selbst mitgefochten hatte, besungen; so hatte Ennius in seinem grossen, aus 18 Büchern bestehenden historischen Gedichte, Annales betitelt, die ganze römische Geschichte von der Landung des Aeneas in Italien an bis auf seine Zeiten (Ennius starb 169 v. Chr.) in grossartigem Römersinne behandelt. Diesen Beispielen folgend hatten viele andere Römer es versucht, einzelne Abschnitte der römischen Geschichte episch zu behandeln, oder auch sich ganz der annalistischen Form des Ennius anzuschliessen. Waren die Gesänge des Naevius und Ennius, wie sich aus den erhaltenen Resten erkennen lässt, weiter nichts als versificirte Geschichte, so scheinen auch ihre Nachfolger, von deren Werken sich fast nichts erhalten hat, über diesen Begriff des Epos nicht hinausgekommen zu sein. Der Ruhm, unter den Römern das Wesen des Epos zuerst richtig erkannt zu haben, gebührt dem Vergil. Wohl fesselte auch ihn der schon durch die rauhen Klänge an die kräftige Vorzeit erinnernde Ton des Naevius, wohl riss auch ihn der grossartige, durch die edelste Begeisterung für die Grossthaten der Römer erzeugte Schwung des Ennius hin, aber doch konnten seinem höheren Kunstverständnisse die Vorzüge des Homer nicht verborgen bleiben, und seinen reineren Geschmack musste die rohe Gewalt, welche seine Vorgänger der Sprache angethan hatten, aufs tiefste verletzen. Als er sich daher zu einem Epos entschloss, da setzte er sich das höchste Ziel und wollte ein Werk liefern, das zur Verherrlichung des Römerthums mehr beitragen sollte, als das Bellum Punicum des Naevius und die Annales des Ennius, in Anlage und Durchführung aber die Vorzüge der Ilias und Odyssee vereinigte. Darum wählte er den Trojaner Aeneas, dessen Landung in Latium schon von seinen Vorgängern besungen war, zum Helden seines Epos; denn in seiner durch die Sage verherrlichten pietas und virtus fand er den Grundtypus des Römercharakters vollständig ausgeprägt. Dabei bot ihm die Form, welche Homer dem Epos gegeben hatte, alle Mittel (Prophezeiungen, Gang in die Unterwelt u. s. w.), die Grösse des zur Weltherrschaft bestimmten Römervolkes im Allgemeinen, wie in seinen Haupthelden zu verherrlichen. Dazu kam, dass die Wahl des Aeneas, in dessen Sohn Iulus das julische Geschlecht, dem Casar und Octavian angehörten, seinen Stammheros verehrte, dem Dich

ter die passendste Gelegenheit gab, auf Octavian als den Mann hinzuzeigen, der vom Schicksal auserkoren sei, die Grösse und Hoheit des Römernamens ihrem Gipfel zuzuführen und durch Beendigung der Bürgerkriege die Römer des Gefühls ihrer Weltherrschaft froh werden zu lassen. Benutzte der Dichter endlich die Localität der gewählten Handlung, um sein beschreibendes Talent in Ausmalung von Gegenden, die allen Römern bekannt und werth waren, zu bewähren, und die Zeit, in welche er sein Epos verlegte, um den Ursprung berühmter Geschlechter in die graue Vorzeit zurückzuleiten, dieselben in ihren Ahnherren zu ehren, und römischen Sitten und Gebräuchen in jener troischen Zeit ihren Ursprung und damit ehrwürdigen Charakter zu geben, so durfte er hoffen, seinen Römern ein von echt vaterländischer Gesinnung getragenes Epos zu schaffen, auf das sie mit eben solchem Stolze blicken könnten, wie die Griechen auf die Gesänge ihres Homer.

Indem nun Vergil den Aeneas besingen wollte, führte ihn das Schicksal seines Helden zur Eintheilung seines Stoffes in zwei Hälften, von denen die eine die Irrfahrten des Aeneas, die andere seine Kämpfe um den Besitz des ihm vom Schicksal angewiesenen Latiums umfasste, und somit zur Nachahmung der Odyssee in jenem, der Ilias in diesem Theile. Wabrend er in jener ersten Hälfte seinen Stoff meist aus den griechischen Epikern, welche den troischen Sagenkreis in seinem ganzen Umfange bearbeitet hatten, zog, fand er in der zweiten vielfache Gelegenheit, von seiner Belesenheit in der römischen Literatur Gewinn zu ziehen; denn das Meiste von dem, was Vergil über die Kämpfe des Aeneas in Latium und von den hier bereits ansässigen Völkerschaften erzählt, ist nicht des Dichters Erfindung, sondern Resultat der Forschungen, welche besonders der ältere Cato in den Origines (s. Nep. Cat. c. 3) und der gelehrte, 27 v. Chr. gestorbene Alterthumsforscher Varro in vielen Schriften (z. B. den libris antiquitatum rerum humanarum, de vita populi rom., de gente pop. rom., de familiis troianis cet.) angestellt hatten. Offenbar war daher Homer in Bezug auf den Stoff im Vortheil gegen Vergil; denn während der trojanische Krieg im Munde des griechischen Volkes lebte und die Helden desselben durch die Sage schon zu scharf ausgeprägten Charakteren gestaltet waren, kannten wohl fast nur gelebrte Alterthumsforscher die Sage von den Irrfahrten und Kämpfen des Aeneas, und es galt jahrelanges Studium und mannichfache Combinationen, um Ordnung und Zusammenhang in Notizen, die sich vielfach widersprachen, zu

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bringen. Um so mehr-muss man das Talent des Vergil bewundern, der es verstand, den verworrenen und widerstrebenden Stoff zur Einheit eines abgerundeten Epos zu verarbeiten, und man wird, zumal wenn man bedenkt, dass er durch den Tod verhindert wurde, die letzte nachbessernde Hand an sein Werk zu legen, es ihm gerne nachsehen, dass er in manchen Punkten, besonders in dem Interesse, das der Hauptheld erweckt, sowie überhaupt in der Charakteristik, sein grosses Vorbild, den Homer, nicht erreicht hat.

Auch in der vergilischen Darstellung zeigt sich bei aller Nachahmung im Einzelnen eine grosse Verschiedenheit von Homer, die sowohl durch die Verschiedenheit der Zeit, der beide Dichter angehörten, als auch durch den römischen Nationalcharakter und endlich durch die Eigenthümlichkeit des besonders zum Beschreiben und Ausmalen hinneigenden Vergil herbeigeführt war. Während die Sprache Homer's einfach und natürlich ist, seine Gleichnisse oft nur einzelne charakteristische Züge bieten, die Reden seiner Helden durchaus nur schlichte Herzensergüsse sind, ist Vergil's Sprache durchweg gewählt und erhaben, sind seine Gleichnisse vollständig ausgeführt und sorgsam ins Detail ausgemalt, athmen seine Reden durchgängig rhetorischen Charakter. Vergil's Darstellung ist ferner im Vergleich zu der rein objectiven des Homer mehr subjectiv, d. h. die Reden und Thaten der Helden werden dem Leser nach dem gemüthlichen Antheile, den der Dichter selbst daran nahm, vorgeführt: darum ist die Aeneide so reich an rührenden, das Herz mächtig ergreifenden Stellen. Rechnet man dazu Vergil's tiefe Kenntnis des menschlichen Herzens, vermöge welcher er so gross in der Darstellung der menschlichen Leidenschaften ist, die Geschicklichkeit, mit welcher er einzelne Goldkörner aus den Werken der alterthümlichen Dichter Naevius und Ennius seinem Epos einzuverleiben und in würdige Umgebung zu versetzen verstand, endlich die Ausbildung, welche er der dichterischen Sprache und dem Hexameter gab, ja die Gewalt, welche er über beide übte und sie zwang, den darzustellenden Gedanken sinplich auszumalen, wie, um nur ein Beispiel anzuführen, in dem bekannten Verse A. VIII, 596: quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum so erscheint das Urtheil der Römer, welche in ihm ihren grössten epischen Dichter verehrten, hinlänglich gerechtfertigt.

P. VERGILI MARONIS

BUCOLICON

LIBER

In den Eklogen erhob sich Vergil von dem sorgsamen Nachahmer des Theokrit zu dem selbständigen Meister, der bukolischen Poesie. Seine ersten Versuche gingen unmittelbar aus den Uebungen im Uebersetzen der sicilischen Idyllen hervor. Er stellte zuerst sinnverwandte Verse und Strophen zu einem Gedichte zusammen (E. 2, v. 6-30), dessen Grundgedanken er nach freier Disposition erweiterte (E. 2, v. 31–73). Dann legte er einer eigenen Dichtung das Thema und die Disposition einer Idylle des Theokrit zu Grunde (E.3). Nachdem er die volle Herrschaft über die poetische Diction erlangt hatte, begann er mit seinem Vorbilde erst in einzelnen Strophen (E. 9), dann in ganzen Liedern (E. 5 und 8) zu wetteifern. Auch erfand er Hirtengespräche, die er in der Anschauungsweise und in der. Sprache seines Meisters durchführte (E. 7). Endlich benutzte er die Wendungen des bukolischen Liedes zum Ausdruck von Gedanken und Empfindungen, welche zwar noch dem Hirtenleben angehörten, aber schon in engster Beziehung zu den politischen Ereignissen seiner Zeit standen (E. 1). Doch blieb er in der ersten Periode seines Dichterlebens (42-32 v. Chr.) innerhalb der Grenzen der reinen Idylle. Als er sich aber nach der Veröffentlichung der Georgica und der Beendigung eines nicht unbedeutenden Theils der Aeneis zum zweiten Male der bukolischen Dichtung zuwandte, behielt er nur den Ton und die Anlage der Idylle bei, behandelte aber in dieser ihm liebgewordenen Form Gegenstände, welche ausserhalb ihres eigentlichen Gebietes lagen.

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