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nec sum adeo informis: nuper me in litore vidi,
cum placidum ventis staret mare; non ego Daphnim
iudice te metuam ,

si

numquam fallit imago. o tantum libeat mecum tibi sordida rura atque humilis habitare casas et figere cervos haedorumque gregem viridi compellere hibisco! mecum una in silvis imitabere Pana canendo. Pan primus calamos cera coniungere pluris instituit, Pan curat ovis oviumque magistros. nec te poeniteat calamo trivisse labellum: haec eadem ut sciret, quid non faciebat Amyntas ? est mihi disparibus septem compacta cicutis fistula , Damoetas dono mihi quam dedit olim et dixit moriens: „te nunc habet ista secundum.“ dixit Damoetas, invidit stultus Amyntas. praeterea duo, nec tuta mihi valle reperti, capreoli, sparsis etiam nunc pellibus albo; bina die siccant ovis ubera; quos tibi servo.

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Thebens, Amphion (von der böotischen Quelle Dirce hier Dircaeus genannt), wurde gleich nach seiner Geburt mit seinem Zwillingsbruder Zethus auf dem Aracynthus, dem bõotischen Grenzgebirge gegen Acle (früherer Name Attica's), ausgesetzt und von einem Hirten erzogen.

25-26. Vgl. Theokr. 6, 34.35: xai γάρ την ουδ' είδος έχω κακόν, ως με λέγοντι ή γαρ πράν ές πόντον εσέδρακον, ής δε γαλάνα. - Den Winden schrieb man die Macht zu, das Meer nicht nur aufzuregen, sondern auch wieder zu beruhigen, vgl. A. III, 69. V, 763. Hor. od. I, 3, 15: (noto) non arbiter Hadriae maior, tollere seu ponere vult freta. Soph. Αj. 674: δεινών τ' άημα πνευμάτων εκοίμισε στένοντα πόντον. . Daphnis, ein Sohn des Merkur und einer Nymphe, war ein wegen seiner Schönheit und seines Gesanges hochgepriesener Hirte Siciliens.

27. iudice te, vgl. Theokr. 6, 37: ως παρ' εμίν κέκριται.

28. sordida und humilis aus der Seele des Alexis.

30. compellere hibisco, zum Ei

bisch (ein Futterkraut) treiben. hibisco Dativ des Ziels.

31-39. „Verachte das Leben der Hirten nicht: es wird durch die gemeinsame Pflege einer Kunst geschmückt, die unter dem Schutze eines eigenen Gottes steht und in der ich Meister bin.“

33. Wie Pan auf die Erfindung der Syrinx kam, erzählt Ovid. Met. 1, 689 — 712. ovium. Warum nicht earum? s. zu A. VI, 380.

34–35. Amyntas und Damoetas, Namen zweier Hirten, von denen letzterer Meister auf der Syrinx war.

40--44. Der Werth des Geschenkes wird erhöht durch die Gefahr, mit welcher Corydon die Böcklein aus dem Lager der Mutter in einem schroffen Felsthale wegholte.

41. etiam nunc, denn die weissen Flecken pflegten sich nach dem ersten Halbjahr zu verdunkeln.

42–44. Vgl. Theokr. 3, 34-36: αίγα φυλάσσω, τάν με και α Μέρμνωνος Εριθακις α μελανόχρως τεί· και δωσω οι, επεί το μοι ενδιαθρύπτη. .

ai.

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iam pridem a me illos abducere Thestylis orat;
et faciet, quoniam sordent tibi munera nostra.
huc ades, o formose puer: tibi lilia plenis
ecce ferunt Nymphae calathis, tibi candida Nais,
pallentis violas et summa papavera carpens,
Narcissum et florem iungit bene olentis anethi;
tum, casia atque aliis intexens suavibus herbis,
mollia luteola pingit vaccinia caltha.
ipse ego cana legam tenera lanugine mala
castaneasque nuces, mea quas Amaryllis amabat;
addam cerea pruna: honos erit huic quoque pomo;
et vos, o lauri, carpam et te, proxuma myrte:
sic positae quoniam suavis miscetis odores.
rusticus es, Corydon: nec munera curat Alexis,
nec, si muneribus certes, concedat lollas.
heu heu, quid volui misero mihi?, floribus austrum

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43. abducere orat. V. verbindet orare mit dem inf. noch A. VI, 313 und IX, 231, in der Prosa hat sich Tac. diese Construction erlaubt.

45–50. Ein Blumenkörbchen, ein Kranz, gefällig durch Farbenmischung, Geruch, Bildung des Laubes und Fügung, schien kein verächtliches Geschenk in Ländern der Schönheit und Freude, wo der festliche Schmuck des Hirten, des Siegers, des Anbetenden und des Gottes ein Kranz war. Der einfache Gedanke: „hier kannst du alle diese Blumen pflücken,“ ist dichterisch, zugleich um den Werth des Geschenkes durch Angabe der Geberinnen zu erhöhen, so ausgedrückt: die Nymphen und die Najaden (candidn, von blendender Schönheit, launpá, vgl. E. 7, 38. A. V, 571. VIII, 138) bringen dir die Blumen.

47. pallentis violas entweder Goldlack oder Nachtviole, denn pallens steht sowohl von goldgelber (Ovid. Met. XI, 145: arva rigent auro madidis pallentia glebis) als von matter, gelblich grauer (E. 6, 54) Farbe.

50. pingit, sie mischt zarte Vaccinien unter goldgelbe Ringelblu

men. Plin. nat. hist. XXI, 3: postea variari coeptum mixtura versicolori florum, quae invicem odores coloresque accenderet.

51. mala , nämlich cydonische (von der kretischen Stadt Cydonia) Quitten, die vorzüglich des Geruchs wegen geliebt und in den Schlafzimmern auf die Köpfe der Bildnisse, die unter den Laren standen, gesetzt wurden.

53. cerea pruna, Wachspflaumen wurden zu den edelsten Sorten der Pflaumen gezählt. Wegen des Hiatus S. Einl. p. 7.

54. Wie proxuma zu verstehen sei, ergiebt sich aus dem folgenden Verse.

57. concedat. lollas würde mich durch Geschenke überbieten. Für certes und concedat sind andere Lesarten: certas und concedet,

58 - 59. Diesem Ausdruck des heftigsten Schmerzes liegt der Gedanke zu Grunde: „Wie wenn ich meinen Garten nicht vor dem Südwinde und meine Quellen nicht vor dem Eber geschützt hätte, so unvorsichtig habe ich meine Seelenruhe der Gewalt wilder Leidenschaft preisgegeben.“,

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perditus et liquidis inmisi fontibus apros.
quem fugis, ah, demens ? habitarunt di quoque silvas
Dardaniusque Paris. Pallas, quas condidit arces,
ipsa colat; nobis placeant ante omnia silvae.
torva leaena lupum sequitur, lupus ipse capellam,
florentem cytisum sequitur lasciva capella,
te Corydon, o Alexi: trahit sua quemque voluptas.
aspice, aratra iugo referunt suspensa iuvenci
et sol crescentis decedens duplicat umbras:
me tamen urit amor; quis enim modus adsit amori?
ah Corydon, Corydon, quae te dementia cepit!
semiputata tibi frondosa vitis in ulmo est.
quin tu aliquid saltem potius, quorum indiget usus,
viminibus mollique paras detexere iunco?
invenies alium, si te hic fastidit, Alexim.'

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59. perditus, vor Liebe wie verloren, vgl. E. 8, 87.

60_62. „Du bist ein Thor, wenn du mich fliehst, weil ich ein rusti. cus bin; auch Götter und Königssöhne lieben das Land.“ Insofern Pallas Städte baute und sie in ihren besonderen Schutz nahm, hiess sie πολιάς, πολιούχος, ακραία.

63-65. Vgl. Theokr. 10, 30.31 : α αϊξ ταν κυτισον, ο λύκος ταν αιγα διώκει, α γέρανος τώροτρον, εγώ δ' επί τιν μεμάνημαι.

66-68. „Die Stiere kehren von ihrer Arbeit zurück, der Tag hat sein Ende erreicht, aber nicht so meine Liebesqual.“ In der Stunde des Abspannens, Bovautós, trugen die Stiere den Pflug, der in den ältesten Zeiten noch keine Räder hatte, hangend (d. h. so, dass er die Erde nicht mehr berührte) am Joche zurück. Nicht minder schön sind die Verse des Theokrit 2, 38—40, welche den Gegensatz der Ruhe in der Natur und der Leidenschaft im Herzen schildern : nvida, σιγή μεν πόντος, σιγώντι δ' αήται: α δ' εμά ού σιγή στέρνων

εντοσθεν ανία, αλλ' επί τήνω πάσα
καταίθομαι.
| 69. Vgl. Theokr. 11, 72: cỏ Ki-
κλωψ Κύκλωψ, πά τας φρένας εκ-
πεπότασαι; ;

70. Die Weinreben, welche an den Bäumen, besonders an Ulmen, gezogen wurden, schneidelte man sammt den Ulmen zweimal des Jahres. Das adj. semiputatus findet sich hier zuerst, dann erst bei ganz späten Schriftstellern.

71. aliquid (eorum, s. 2. A. IX, 175), quorum ind. usus, eins der nothwendigsten Wirthschaftsgeräthe. usus, xpela, besonders in Verbindung mit esse, bezeichnet häufig den nothwendigen Gebrauch,

das Bedürfniss, vgl. G. I, 133. A. VIII, 441. potius ist mit quin zu verbinden.

71–72. Vgl. Theokr. 11, 73. 74: αίθ' ενθων ταλάρως τε πλέκους και θαλλον αμάσας ταϊς άρνεσσι φέροις, τάχα κα πολύ μάλλον έχoις νων.

73. Vgl. Theokr. 11, 76: suono eis Γαλάτειαν ίσως και καλλίοναλλαν..

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ECLOGA III.

MENALCAS. DAMOETAS. PALAEMON.

M.

D.

M.

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Dic mihi , Damoeta, cuium pecus ? an Meliboei ?
Non, verum Aegonis; nuper mihi tradidit Aegon.

Infelix o semper, ovis, pecus! ipse Neaeram
dum fovet ac, ne me sibi praeferat illa, veretur,
hic alienus ovis custos bis mulget in hora,
et sucus pecori et lac subducitur agnis.
D. Parcius ista viris tamen obicienda memento.
novimus et qui te transversa tuentibus hircis
et quo - sed faciles Nymphae risere - sacello.

Tum, credo, cum me arbustum videre Miconis atque mala vitis incidere falce novellas.

M.

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zu

Ecl. 3. Zwei Hirten, Menalcas und Damoetas, treffen sich: Men. erfährt, dass Aegon dem Dam. seine Herde auf einige Zeit anvertraut habe, und macht im Arg wohne, dass Aegon diese Zeit bei der auch von ihm geliebten Neaera zubringe, seiner Eifersucht durch leidenschaftliche Ausfälle auf den Dam. Luft. Da dieser Gleiches mit Gleichem vergilt, so kommt es endlic einem Wettstreit im Gesange, zu dessen Schiedsrichter der gerade hinzukommende Nachbar Palaemon gewählt wird. -- Das Thema dieser Ekloge, ihre Disposition, sowie die Uebergänge sind der 5. Idylle des Theokrit entlehnt.

1. Vgl. Theokr. 4, 1: siné poi, α Κορύδων, τίνος αι βόες; ή θα Φιλώνδα; ; cuium, ein alterthümliches Adjectivpronomen statt des Genit. des Fragpronomens. Ter. Andr. IV, 4, 24: cuium puerum hie apposuisti?

2. Vgl. Theokr. 4, 2: oữx, all' Αίγωνος· βόσκειν δέ μοι αυτάς έδωκεν.

3. Infelix o semper pecus, durch die Unachtsamkeit des Herrn und durch die treulose Wartung des

Miethlings (alienus). - Vgl. Theokr. 4, 13: δειλαϊαι δ' αύται. τον βουκόλον ως κακόν εύρου.

5. Vgl. Theokr.4, 3: ñ ye xgúßδαν τα ποθέσπερα πάσας αμέλγες;

7--9. Damoetas wirft dem Men. vor, dass er sich Anderen zur Unzucht hingebe: viris steht also im gedachten Gegensatz zu cinaedis, wie deren einer Men, sei.

8. transversa tueri, Zeichen des Neides und der Lüsternheit, aber auch des Hasses, wie Valer. Flac. Argon. II, 154: quam (paelicem) iam miseros transversa tuentem leta. lesque dapes infectaque pocula cerno. novimus, et qui te, nämlich corruperit.

9. sacellum, eine den Nymphen geweihte Grotte.

Die Nymphen lachten der Entweihung des Heiligthums, die von anderen Gottheiten streng bestraft worden wäre.

10-11. Ironisch erwidert Men.: Ach damals war es, als man sah, dass ich (nicht du) die jungen Ulmen sammt den anrankenden Weinreben (s. zu E. 2, 70) heimtückisch einschnitt. Aus novellas ist ein novellum zu arbustum zu entnehmen, vgl. G. II, 473.

zu

D.

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M.

Aut hic ad veteris fagos cum Daphnidis arcum fregisti et calamos; quae tu, perverse Menalca, et, cum vidisti puero donata, dolebas, et, si non aliqua nocuisses, mortuus esses.

Quid domini faciant, audent cum talia fures ? non ego te vidi Damonis, pessime, caprum excipere insidiis multum latrante Lycisca ? et cum clamarem: quo nunc se proripit ille ? Tityre, coge pecus: tu post carecta latebas.

An mihi cantando victus non redderet ille, quem mea carminibus meruisset fistula caprum ? si nescis, meus ille caper fuit; et mihi Damon ipse fatebatur; sed reddere posse negabat.

Cantando tu illum ? aut umquam tibi fistula cera iuncta fuit ? non tu in triviis, indocte, solebas stridenti miserum stipula disperdere carmen ?

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D.

M.

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12-13. Hatte Men. den Frevler errathen lassen, so nennt ihn Dam., seinen Vorgänger überbietend, ganz bestimmt: fregisti und tu, perverse Menalca. Da cum mit dem Ind. verbunden ist, so muss man die Construction so ergänzen: aut tum fuit, cum fregisti. perverse, missgünstig, s. Ā, VII, 584.

15. Mit dem Gedanken vgl. E. 7, 26.

16. „Was sollen die Herren (die Eigenthümer der Herden) bei solcher Keckheit der Diebe thun ?" d. h. sie können nichts thun. Die andere, dem Sinne fast mehr entsprechende, des ououotė Nevrov wegen von Vergil wahrscheinlich vermiedene Lesart facient würde heis. sen:

werden sie am Ende thun ? d. h. bleibt ihnen etwas Anderes übrig, als Lynch-Justiz zu üben? Doch kann dieser Sinn auch in facia

liegen, wenngleich weniger scharf hervortretend , indem man als weitere Frage ergänzen kann: etwa etwas Anderes, als dass sie selbst die Abschreckungstheorie ausüben?

20. Tityrus, Name von Damon's Hirten.

24. reddere posse negabat, ent

weder weil er sich von dem schönen Thiere nicht trennen konnte, oder weil es ihm ging wie dem Menalcas, s. v. 33. 34. So wurde denn, wenn auch nicht förmlich, doch stillschweigend unter beiden ausgemacht, dass Dam. sich den Bock mit List aneignen wollte.

25 - 27. Men. spricht dem Dam. sogar die mehrröhrige Syrinx ab und giebt ihm nur eine einröhrige Halmpfeife, die er den schnarrenden (stridens hier ganz adjectivisch) Halm nennt. Die Hirten verehr. ten die mit der Proserpina identificirte Hecate, weil die Vermehrung oder Verminderung der Herden von ihr abhing, und besangen an den Dreiwegen den Verlust der Ceres (den Raub ihrer Tochter Proserpina) durch Klagelieder. Solche Klagelieder soll Dam. gesungen und dabei ein glänzendes Fiasco gemacht aben, weil er als ein Dichterling, indoctus, seinen Gegenstand nicht würdiger zu behandeln verstand, und weil das Zwischenspiel wegen der Schlechtigkeit des Instruments die Ohren zerriss. - Vgl. Theokr. 5, 5–7: tàv rolav oýpiye γα;, τύ γάρ πoκα δώλε Σιβύρτα εκτάσα σύριγγα; τί δ' ουκέτι σαν

was

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