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w. Es

vertauscht, die den Vorgang mehr vor die Augen bringen, wie: couler v. colare statt fluere, tomber v. tumba(re)

oder ist's. tumulare? - statt cadere, cha's ser v. captiare statt venari. Auch wir sagen: „Mach' fort! lasst uns zuthun (mehr eilen)! lasst uns dran ziehen!“ u. 8. f.

7. „Anche, anco it. u. 8. w. altfr. anc u. ist noch eine dritte Etymologie (ausser unquam und adhuc) gedenkbar, aus hanc sc. horam (vergl. wegen des zu supplirenden Substantivs it. issa sc. hora), von Seiten des Buchstabens gewiss die einfachste, von Seiten des Begriffs aber in so weit minder genügend, als ausser horam auch noch ad supplirt werden muss.“ Dies Letzte stimmt nicht zu S. 296: ,,it. ancora, fr. encore, von hanc horam bis diese Stunde.“ Ist hier ad nicht zu ergänzen, so auch da nicht; wenn hier, 80 auch da. Ich glaube vielmehr, das it. anco ist wirklich ganz

. einfach ein apocopirtes ancora, ancor (hanc-ho-r-am), so gut wie das altfr. anc auch auf encore zurückweisst. Diese Etymologie ist für das folgende it. cosé, fr. ainsi, wichtig. S. unten.

8. „Ardiglione it., fr. ardillon, pr. ardalhó Dorn in der Schnalle; von ungewisser Herkunft.“ Sollte es nicht einfach eine durch Erweichung der Tenuis gewonnene Scheideform v. artiglio und zugleich eine Weiterbildung v. articulus sein: artic’lio, etwas Eingefügtes oder sich Einfügendes ? Vergl. arcione v. arcus, arcio und andere Wörter mehr.

9. „Artilha pr. Festungswerk, Schanze (?); verb. altfr. artillier befestigen; pr. artilharia, altfr. artillerie, altpg. artelharia SRos. Sppl. Wurfgeschütz oder damit beladener Wagen u. s. w.“ Dieser Artikel ist weiter ausgeführt als in der ersten Ausgabe. Es war mir bedenklich erschienen (s. Siegener Realschulprogramm, Ostern 1858), v. ars ein eigenes Deminutiv und Derivata zu bilden, wo v. artus genau die nämlichen Formen vorhanden sind:

articulus it. artiglio, fr. orteil ;
articulosus altfr. artilleux;
articular e altfr. artillier und artiller;
articularia it. artiglieria, fr. artillerie.
Diez bleibt bei ars und der Vergleichung v. engin in-

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genium), die gar nicht nöthigend sein kann, da in dem Articulirten auch das Künstliche, wenn es nun einmal schlechterdings herangezogen werden soll, liegen wird. Ich bezweifle daher gar sehr, ob artiller (aussinnen) v. ars kommen muss. Articulare heisst wörtlich „zergliedern, zurechtlegen“ und dies, auf das Denken übertragen, überlegen, aussinnen u. 8. w.“ (volvere in animo, distinguere etc.). Artillier (befestigen) wird auch zu articulare stimmen; denn das Befestigen verlangt gerade vor Allem die rechte Gliederung. Eben so entspricht altfr. artilleux genau dem vorhandenen lat. articulosu's (v. artus) „gliederreich, knotenreich, vielfach“ (multiplex, opp. simplex; multiplex et tortuosum – artificiosum - ingenium), daher im Altfr. „listig.“ Und so wird doch auch wohl machina articularia zunächst eine vielgegliederte und carruca articularia eine mit deren vielen articulis beladene gewesen sein. Dass das Wort erst spät im MA. auftritt, bewiese nur, dass kurz vor der Erfindung des Schiesspulvers die Einrichtung der Wurfgeschütze eine recht gegliederte articulosa) – und darum nothwendig auch künstliche – gewesen sei, ohne aber buchstäblich auf ars zurückzugehen.

10. „Azzardo it., fr. · hasard u. s. w. Das ächt it. Wort ist augenscheinlich zaro, jetzt Fem. zara, Spiel mit drei Würfeln, eig. Wurf von drei Assen. Eine ganz befriedigende Etymologie fehlt noch.“ Ich glaube, es ist jactus tertiarius, ter-zaro, zaro; vergl. gogna aus ver-gogna, cernecchio aus dis-cerniculum, turare aus atturare u. s. Bei Gelegenheit hier die Wörter it. astuccio, sp. estuche, fr. étui, von denen das erste, wie azzardo, vorn auch den Zusatz des a zeigt, und von deren letztem Diez S. 37 f. bemerkt, dass ich es passend auf studium zurückgeführt habe, das it. und sp. Wort dann aber zu trennen seien. Wie aber, wenn ein rom. Deminutiv studiculum (verbal, wie vehiculum v. vehere) zu Grunde gelegt würde? Dies gäbe stud’clum, stuclum, woraus sp. regelrecht estuche entsteht, it. astucchio, statt dessen astuccio eintrat, wie grancio für granchio u. s. w. So findet man z. B. neben den lat. Wörtern punctulum und punctillum (dies aber ist auch eig. puncticulum) das it. puntiglio v. dem nicht vorhandenen puncticulum.

W.

11. „Baccalaro it., pr. bacalar, fr. bachelier u. . w. Die eig. Heimath dieses Wortes ist Frankreich und der span. Nordosten, wo baccalarius zunächst der Besitzer eines grösseren Bauerngutes, einer baccalaria, war (seit dem 9. Jahrh. vorkommend). Was die Etymologie anbetrifft, so ist hier nur zu verneinen.“ Liesse sich nicht vor Allem an die reichen Klöster des Mittelalters und deren Güter denken? Zuletzt gab es gefürstete Aebte. Die Stadt Abbatico-Villa in Frankreich zeigt uns eines jener Güter. Vom Adj. abbaticus konnte abbaticale Abteigut kommen ; ein abbaticalarius (ab-batcalarius, baccalarius) wäre demnach ursprünglich ein Abteigutsverwalter.

12. „Bravo it., sp., pg., brau pr. (f. brava), brave fr. (bieraus unser brav, seit dem 17. Jahrh. im Gebrauch) u. 8. w.“ – Herkunft vom lat. pravus und dem kymr. Subst. brau Schrecken wird bezweifelt. Dagegen heisst es: ,Wie aus dem lat. crudus konnten sich aus dem ahd. ra u leicht die Bedeutungen unbiegsam, wild, rauh, tapfer entfalten.“ Die neue Ausgabe setzt zweifelnd hinzu: ,,Hier muss eine Verstärkung des anlautenden r durch b angenommen werden, die auch in andern Fällen (bruire, brusco [Subst.], braire etc.) vorzuliegen scheint, deren verhältnissmässige Seltenheit aber auch diese Deutung nicht zu voller Glaubwürdigkeit gelangen lässt.“ Ich hatte auf ra vus hingewiesen, von dem Festus, nach Paulus Diaconus zu schliessen, in einer zu supplirenden Stelle sagt: Ravam vocem significare ait Verrius raucam etc. und so braucht das Wort auch noch vom Ton (nicht von der Farbe) ganz deutlich Sidonius Apollinaris : Cum festa dies ciere ravos Cantus coeperit. Lautlich so gut berechtigt wie das ahd. rau, hat ravus wegen des vorgesetzten b auch noch einen Verwandten aufzuweisen, der ebenfalls durch Pro8these entstanden ist: it. fioco v. f-raucus, flaucus. Man vergleiche ausserdem folgende nähere Verwandte im Franz. und Span.:

fr. s'ébrouer wie die Pferde schnauben;
rabrouer anschnauzen (vergl. en-rouer ohne Prosthese);
sp. braviar brüllen;
altsp. a bravar in Wuth bringen.

Diese Ausdrücke weisen sämmtlich so unzweideutig auf einen von der Stimme entlehnten Terminus (besonders abravar Einen veranlassen, dass er sich heiser schreit), dass es kaum nöthig scheint, noch auf Belege wie bos bravus mlat. ungezähmter Stier (der also noch recht böse und heiser zu brüllen pflegt) und auf Diez’ Bemerkung: „Die älteste noch im Südwesten fortdauernde Bedeutung ist unbändig, stürmisch“ (wie junge Thiere, Brüllochsen) zu verweisen. Im Südwesten gewiss wird jenes Bravo zuerst bei den Stiergefechten, charakteristisch brav, gerufen worden sein, wenn ein rechter Brüller auf dem Schauplatze anlangte; das war ein Ravus oder ein Bravo, ein heiserer Unbändiger, der einen heissen, interessanten Kampf erwarten liess. (Auch unser heiss und heiser sind ja Brüder oder Vettern!)

13. „Caffe it., café sp. fr. ein Trank, vom arab. q ahvah u. 8. W.“ Wie steht's aber denn mit der Ableitung vom Lande Kaffa in Abyssinien, wo der Kaffee (ob nach neueren Untersuchungen? mir scheint's so einheimisch sein soll und in ungeheurer Menge gewonnen wird? - Gelegentlich sei mir vergönnt, bier an les Olindes zu denken. Feraud behauptete, in Bezug auf Menage’s Ableitung des Wortes von der Stadt Olinda in der brasilianischen Küstenprovinz Pernambuco, dort seien keine feinen Degenklingen producirt worden. Man mahnt an unser Solingen (les Solings, les Olins, les Olindes), wo man die damascener Klingen (les Damas) ja nachahmte.

14. „Calma it. sp. pg., daher fr. calme (m.) Windstille, Ruhe, ndl. kalm, kalmte; Verb. calmare ff. beruhigen, reinfr. chommer für chaumer feiern. Mir will es scheinen, als sei calmer nur eine Scheideform y. charmer bezaubern, einlullen, besänftigen, v. charme (carmina, calm’na, calma) Zauberlied; vergl. it. celebro aus cerebrum. An xaõua Hitze ist dann auch für das sp. pr. calma heisse Tageszeit nicht zu denken, sondern es heisst so zunächst die Zeit der holden Ruhe, die Siesta; abgeleitet sind neupr. chaume Ruhezeit der Heerden und das chw. besonders für die Entwicklung der Bedeutungen massgebende ca uma schattiger, kühler, holder Ort für Hirt und Heerde (im Siegerland „Schläfe“). 15. „Cammino it., sp. camino, pg. caminho, pr.

. Archiv f. n. Sprachen. XXXI.

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Was

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cami, fr. chemin Weg u. 8. .w.“ Auffallend ist die Homonymität des caminus der Alten; jedoch möchte auch cama Bett einschlagen. Caminus v. cama hiesse: mit Betten, Schlafstätten, Herbergen versehen, also: Landstrasse. Vergl. fiorino v. flos, mit einer Blume (Lilie) versehen.

v caminus (Herd) anlangt, so könnte es (um auch hier nicht ohne Versuche abzubrechen) überhaupt zu der Bedeutung: etwas mit Steinen Ausgelegtes gekommen sein und demnach den gepflasterten Weg (stratum) bezeichnet haben, an dem man ausserdem für sein Geld in den caminis Etwas

gekocht bekommen konnte, so dass er etwa als der Caminus publicus gegolten hätte, gegenüber dem Caminus privatus, wo sich ferner eben so von den Hausgenossen Alles einfand und versammelte, wie sich auf der Landstrasse die Fremden treffen: conventicium.

16. „Caporale u. 8.
"

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Könnte wohl aus Capo reale, Chef royal, entstanden sein: ein königlicher Officier.

17. „Cara sp. pg. pr., altfr. chiere, daher entlehnt it. chw. cera Antlitz. Dass dieses Wort aber in der seltneren selbst dem Neugriechen unbekannten Bedeutung. (Antlitz), ohne das mit griech. Bestandtheilen am meisten versetzte ital. oder walach. Gebiet zu berühren, seinen Weg in die westl. Mundarten fand, ist überraschend und entschuldigt den gegen diese Etymologie (v. xdou Haupt) erhobenen Zweifel; aber es gibt keine bessere.“ In des Corippus Versen: Postquam venere verendam Caesaris ante caram, mag cara dem Gebildeten, der grieschisch sprach, verständlich gewesen und wirklich das gr. xúpa, xáon sein. Aber unabhängig von diesem Graecum kann auch ein lat. Wort cara existirt haben, das zunächst „Gastmahl“ bedeutet. Dieses finde ich in quădra, das ja ausdrücklich „Esstisch“ ist. Allgemein heisst quadra Fläche ; will man so, dann ist es Tisch- oder Gesichtsfläche. Man kann aber auch „Gastmahl, Bewirthung, Aufnahme, (freundliches) Antlitz“ auseinander entstehen lassen. Die Form anlangend, so ist sie gewiss schon frühe verändert, d syncopirt (vergl

. quadro, pr. caire, burg. quarre u. 8. w.) und qua, nachdem es einmal in que, ce übergegangen war, im Franz. wie

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