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Gottes, ein Reich der Wahrheit, der Tugend, der Frömmigkeit und der innersten Glückseligkeit im Leben einzelner Menschen und Familien, wie im Leben ganzer Völker und Staaten begründet worden. Nie und nirgends hat sich unter jüdischen und muhamedanischen Völkerschaften die Cultur in Kunst und Wissenschaft, in Gesetzgebung und Staatsordnung auf die Höhe

emporgehoben, wie es in den durch das Christenthum civilisirten · Staaten und Völkern der Gegenwart, vorzüglich des westlichen

Europa, der Fall gewesen ist. Männer der umfassendsten und tiefsten Gelehrsamkeit, des scharfsinnigsten Denkens und Forschens, des reichsten poetischen und künstlerischen Schaffens, sind in grosser Anzahl als Vertreter und Förderer menschlicher Geisteskraft und Geistesschönheit erst seit dem Erscheinen und Walten des Christenthumes für die Erleuchtung und Beglückung des Menschengeschlechts thätig gewesen. Niemand, der nur etwas genauere Geschichtskenntniss besitzt, wird eine solche Vertretung und Förderung in gleichem Grade und Umfange im Judenthume oder im Muselthume nachweisen wollen. Das höhere geistige und sittliche Glück der Menschheit wirkt nur da in den weitesten Kreisen bis hinab in die untersten Schichten der menschlichen Gesellschaft, wo Gott nach der Lehre Jesu Christi im Geiste und in der Wahrheit angebetet wird.

Hiernach offenbaren die Religionen der Welt, besonders auch die des Judenthumes und des Islam in ihrem Verhältnisse zu dem Christenthume nach den wesentlichsten Beziehungen, nach Ursprung, Inhalt, Werth, Kraft und Wirkung eine 'so augenscheinliche Verschiedenheit, dass die Möglichkeit der Unterscheidung unzweifelhaft, die Gleichstellung mit dem Christenthume aber geradezu unbegreiflich erscheint.

Das Märchen oder Gleichniss von den drei Ringen hat also in seiner Anwendung auf jene drei Religionen, insofern dadurch die Ansicht versinnlicht werden soll, dass die drei Religionen eben so wenig als jene drei Ringe zu unterscheiden seien, auch nicht den geringsten Werth. Es verdient daher auch seinem Inhalte nach keineswegs als Wahrheit und Weisheit, sondern nur, worauf es auch in seiner Quelle allein Anspruch macht, als List und Schlauheit des geizigen und wucherischen Juden Nathan oder Melchisedech eine mässige Bewunderung.

Die wissenArchiv f. n. Sprachen. XXXI.

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schaftliche Kritik ist der Probirstein, an dem die Wahrheit des Gleichnisses, wie die Aechtheit der Religionen zu prüfen ist, der Probirstein, den freilich nur Wenige besitzen, nur Wenige zu brauchen verstehen. Es freue sich aber ein Jeder, dass er ein Christ, nicht ein Jude oder gar ein Muselmann geboren ist, um so mehr, da es doch nicht so ganz als ausgemacht gelten kann, dass er ausser dem Christenthume und ohne das Christenthum gerade. Lessing's Nathan oder Saladin geworden wäre. Zu Saladin aber wie zu Nathan sage ich mit dem Klosterbruder:

Ihr seid ein Christ! Bei Gott, Ihr seid ein Christ! Ein bess’rer Christ war nie! Dresden.

Dr. Friedrich August Beger,

weil. Director der 1. Realschule.

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Montaigne und Bacon.

Zu einer zusammenfassenden und vergleichenden Betrachtung der Leistungen Bacon's und Montaigne's 'veranlasst Mancherlei: die annähernde Gleichheit ihrer Zeitepoche, die Aehnlichkeit ihrer Stellung in der Geschichte ihrer Literatur sowohl wie die Aehnlichkeit der von ihnen behandelten Gegenstände und der Art der Behandlung. Uns hat noch ein besonderer Grund zum Ziehen einer solchen Parallele veranlasst. Bacon erscheint nämlich meistentheils in einer Gesellschaft, in die er nicht gehört. Darunter muss nothwendig sein Andenken leiden. Auch ein bedeutender Mann muss gering erscheinen, wenn der Maassstab, den man an ihn legt, ein allzuhoch gegriffener ist. Man braucht ihn nur in die rechte Verbindung zu bringen, so tritt die grosse Bedeutung des Mannes deutlich hervor. Die Engländer, zum Theil aus einer Art von Patriotismus, halten Bacon so ziemlich für das in Alterthum und Neuzeit unerreichte Ideal des Denkers, und meistens spricht man ihnen das nach. Nun ist aber Bacon nichts weniger, als ein speculativer Kopf, ein grosser Denker. Neben Plato, Aristoles, Des Cartes, Spinoza, ja nur gegen seine Landsleute Hobbes oder Locke nimmt er sich ziemlich schlecht aus. In einem ganz andern Lichte erscheint er, wenn man ihn in die Gesellschaft bringt, in die er gehört. Man muss eben Bacon nicht als den englischen Des Cartes, sondern als den englischen Montaigne betrachten. - Wenn wir in diesem Sinne die beiden Männer zusammenstellen, so kann die gleiche geschichtliche Stellung in ihnen doch nur auf dem Boden einer durchgängigen Verschiedenheit des Wesens und der Gesinnung erkannt werden,

es

einer Verschiedenheit, an der eben sowohl persönlicher Charakter, als Nationalität und confessioneller Unterschied seinen Antheil hat.

Erinpern wir uns zunächst der hauptsächlichsten Bildungselemente der Zeit, in der beide Männer gelebt haben. Montaigne ist 1592 gestorben, Bacon 1626. Jene Epoche hat zwei ganz eigenthümliche Elemente: einerseits die Reformation und die durch sie in den meisten Ländern Europas, in England, wie in Frankreich hervorgerufenen Kämpfe, die in Frankreich mit dem Siege des Katholicismus, in England mit dem der Reformation enden; andrerseits das immer tiefere Eindringen der antiken Literaturen und der antiken Bildungselemente in das allgemeine Leben der Völker. Das Zeitalter der Reformation vollzieht den Bruch mit der Vergangenheit da, wo auf religiösem Gebiete nicht geschieht, wenigstens auf dem der Wissenschaft. Wo die Kirche nicht fällt, fällt wenigstens die kirchliche Wissenschaft, die Scholastik, und an Stelle des Princips der Autorität, das in der Wissenschaft so lange geherrscht hatte, tritt die freie, eigene Forschung; an die Stelle der trockenen logischen Formel das Herz und das Gemüth mit seinen Bedürfnissen. Das, was man bis dahin allgemein geglaubt

atte, wird zweifelhaft und droht zusammenzustürzen. In Italien fügt man die Trümmer künstlich zusammen und sucht sie durch den wiedererwachten Geist der Antike neu zu beleben; in Deutschland bricht sich das Gemüth mit seinen tiefen Bedürfnissen Bahn in den Träumen der Mystiker und Theosophen. Was wird da der Franzose thun ? Geistreich und gewandt, liebenswürdig und witzig wird er die Wildheit geistiger Strömung in dem stillen Bette der Betrachtung und des durch den gesunden Menschenverstand gemässigten Zweifels, der sich an den Dingen nicht eben tief innerlich bethejligt, verlaufen lassen. Und der Engländer? nun, der wird alles Frühere für unnütze Speculation, unfruchtbare Grübelei erklären und mit einem neuen System des Dogmatismus, das nur im Punkte des Denkens äusserst schwach ist, darangehen, die Welt praktisch für sich zu erobern. Das sind im Wesentlichen die Standpunkte Montaigne's und Bacon's.

Das andere wichtigste Element jener Zeit ist der sich immer steigernde Einfluss der antiken Bildung. Immer mehr hörte diese auf, das specielle Eigenthum weniger Gelehrten zu sein, und von allen Seiten wurde daran gearbeitet, sie in das Leben des Volks, in die allgemeine Gesinnung einzuführen. Am allermeisten war dies möglich in den katholischen Ländern, wo trotz der erneuerten und verstärkten Macht der katholischen Grundsätze diese doch nicht so sehr die alleinherrschende und tiefste Macht in den Gemüthern erlangt hatten, um alles Fremdartige auszuschliessen. Besonders in Frankreich geht seit Franz I. die antike Anschauungsweise auch ausserhalb der erstaunlichen Gelehrsamkeit jener Tage in das Leben der Nation über. Rabelais und Amyot, jeder auf seine Weise, doch am kräftigsten dieser, durch die Uebersetzung des Plutarch, der dem französischen Nationalgeist so willkommenen Stoff entgegentrug: beide wirkten kräftig auf eine Erweckung antiker Gesinnung hin. In England, dem protestantischen Lande, wo die sittlichen Grundsätze von echt christlicher Art weit tiefer und fester gewurzelt waren, konnte der Inhalt heidnischer Lehren, konnten die sittlichen Grundsätze in Anschauungen von Peripatetikern und Akademikern, Stoikern und Epicuräern nicht solchen Einfluss haben: aber die Form, die Beredtsamkeit, die Classicität haben auch dort angeregt, und die Kenntniss und Bewunderung der Antike bildeten auch dort den nationalen Styl vor.

Die allgemeine Sprache der Wissenschaften war im Mittelalter die lateinische gewesen. Die lateinische Sprache war aber auch eben so das Mittel zum Ausdruck jeder höheren geistigen Thätigkeit. Dem Lateinischen gegenüber galten die modernen Sprachen wie Vulgairsprachen. Grade das 16. Jahrhundert nun ist dasjenige, in welchem sich diese Vulgairsprachen zu einer grössern Selbstständigkeit dem Lateinischen gegenüber entwickeln, einer Selbstständigkeit, die vorher nur bis zu einem gewissen Grade die italienische Sprache gehabt hatte. Dieses Jahrhundert ist die Zeit der ersten Versuche einer kunstmässig gebildeten, form vollendeten Prosa, in der die edelsten Gedanken niedergelegt werden sollten, wie früher dies nur im Lateinischen denkbar schien. Diese Versuche gipfeln in Montaigne und Bacon. So sind diese beiden die eigentlichen Väter der fran

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