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Eigenhändige Radirungen vorzüglicher Künstler schätze ich sehr hoch, wie Sie es 'thun und aus eben denselben Ursachen. Auch sind sie noch fast das einzige, was ich anschaffe.

Von Bamboccio, den ich höchlich verehre, habe ich nur ein einziges Blättchen, da er doch etliche dreyssig radirt hat. Vielleicht verschaffen Sie mir gelegentlich eins oder das andere. Ich will die Auslage sogleich mit Dank ersetzen.

Und so sag' ich hiermit das beste Lebewohl, in Hoffnung eines baldigen Anlasses zu mehrerer vergnüglichen Mittheilung.

Goethe. Weimar, den 5. May 1806. (In Dorso: des Herrn Director Tischbein Wohlgeb. Hamburg.)

Auf das Angenehmste überraschte mich Ihre werthe Sendung, deren glückliche Ankunft ich hiermit vermelde. Sie fand mich in einem Drang von Umständen der mir nicht erlaubt recht ausführlich und gemäthlich Ihre Freundschaftliche Mittheilung zu erwiedern. Der erste ruhige Augenblick soll Ihnen gewidmet seyn.

Dies nur zur Nachricht welche Sie ungesäumt erwarten können.
Weimar,

Treu verbunden den 28. Februar 1817.

Goethe.

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Wenn Sie sich, mein theuerster, alter Freund, wieder einmal anmelden, so ist Ihre Erscheinung gewiss die erfreulichste. Mit liebevollen, einsichtigen Worten, geistreichen Federstrichen und harmonischer Färbung wirken Sie von Zeit zu Zeit in die Ferne, immer willkommen. Seit Ankunft jenes lieblichen Bändchens, das so viel heitere, wohlgedachte, anmuthig dargestellte Symbole mittheilt, ist es wenig in meinen Händen gewesen, sondern, von Freunden zu Freundinnen wandelnd, hat es manche Familie erfreut und ist einigemal an denselbigen Platz wieder verlangt worden. Sie können also denken wie angenehm es mir ist zu hören dass Sie in dieser mittheilbaren Art fortgefahren haben und würden mich und werthe Personen gar sehr verbinden wenn Sie von Zeit zu Zeit etwas dergleichen, durch die Post, wohleingepackt, übersenden und zugleich die Zeit bestimmen wollten, wann

es wieder zurückgehen müsste. Nach diesem Verhältniss würde ich mich beeilen, so viel Freunde der sittlich-bildenden Kunst als möglich daran Theil nehmen zu lassen.

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Wie sehr ich die Vasenzeichnung bewundere haben Sie Selbst empfunden, da Sie mir solche so lange zugedacht und endlich gesendet wofür ich den verpflichtesten, Dank abstatte. Sie bat mich und Meyern vielmals ergötzt, auch in Gegenwart von Freunden, die sonst auch etwas von Kunst verstehen wollten und wirklich verstehen, diessmal

nicht nachkommen konnten und Erklärung verlangten. Da es aber nicht wohl thunlich ist Jemanden über solche zarte Kunstver. dienste die Augen aufzuschliessen, so ergötzten wir uns, durch Ihre Fürsorge, ein offenbares Geheimniss zu besitzen. Wie gross sind denn die Figuren auf Ihrer Original-Zeichnung? Ich möchte gar zu gern eine grössere und ausgeführte Nachbildung sehen,

Wie natürlich dieser Wunsch sey, geht schon daraus hervor dass Sie Selbst, an den Briefrand, noch ein Zweitesmal den Fuss und das an ihn anschlagende, so graziöse Gewand gezeichnet haben, daher verzeihen Sie gewiss meiner Verehrung für diese Darstellung, wenn ich mich ungenügsam erweise.

Da Ihre idyllischen Bilder, wie es scheint, transportabel seyn möchten, so beziehe meinen obigen Wunsch auf dieselbe und bitte mir solche durch die fahrende Post, unfrankirt zu schicken; sie kommen zu der von Ihnen zu bestimmenden Zeit genau zurück; die um den Fels schwebenden Nymphchen möchte ich freylich gern genauer kennen lernen.

Wenn Sie uns jemals besuchten würden Sie gewiss Freude haben zu sehen dass ich jeden Federstrich von Ihnen aufgehoben und die römischen Scherze alle gar wohl verwahrt habe; da ist das verteu felte zweyte Kissen, die Schweineschlacht im Minerventempel und sonst noch viel Liebes und Gutes, das wir zu einer Zeit in freundschaftlicher Thätigkeit genossen, die bey Rückerinnerung, durch den nachfolgenden Contrast, erst noch schätzenswerther empfunden wird.

Melden Sie mir doch auch von den lieben Ihrigen wie sie wachsen, gedeihen und sonst etwas persönliches und häusliches. Ich habe mich diesen Winter über ungewöhnlich wohl befunden ; mein Sohn hat eine liebenswürdige muntere Frau gewonnen und schon laufen zwey Enkel um mich her. Möge unsern alten Tagen und Jahren noch manches Gute vorbehalten seyn.

treulichst den 21. April 1821.

J. W.

v. Goethe.

Weimar,

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Die allerliebsten Zeichnungen, mein bester alter Freund, sind glücklich angekommen. Die Kunstfreunde ergötzen sich sehr daran, Kenner und Nichtkenner.

Was nur eine dichterische Ader fühlt wird nicht ermangeln an der Seite freundliche Zeilen beizufügen wie sie dem Idyllendichter nicht unangenehm seyn können, doch sind sie eigennützig genug um folgenden Wunsch zu äussern; beigehende Parabel, behaupten sie, sey ganz eigen für Wilhelm Tischbein gedichtei, Niemand als er würde den schalkischen Knaben, der, zwischen Garten und Teich seinen vierund zweifüssigen Gast bewirthend, sich ergötzt, besser darstellen. *) Sey Ihnen dieses Verlangen indessen ans Herz gelegt Weimar,

treulichst den 3. Juny 1821.

J. W. v. Goethe.

Aus beyliegenden vorläufigen Druckbogen, ersehen Sie mein Theuerster, dass ich mich diesen Sommer viel mit Ihnen beschäftigt; es geschah in Marienbad, wo ich viel allein war und mir die vor kurzem an Sie zurückgesendeten Zeichnungen im Sinne schwebten. Da ward ich vom Geiste getrieben meine Reime mit Prosa zu commentiren, wie ich vorher Ihre Zeichnungen mit Strophen begleitete. Möge das daraus entstandene Ihnen Freude machen und Sie von meinem fortdauernden Antheil überzeugen.

Sobald ich nun nach Hause kam ward noch eine andere hiermit verwandte Anstalt getroffen. Ich brachte nämlich alles was von Ihrer Hand, zwar in meinen Mappen wohl aufgehoben, aber doch zerstreut lag, dem Format gemäss zusammen und habe nun drey Portefeuilles sämmtlich Tischbeiniana, zu meiner und der Freunde anmuthiger Erinnerung und Aufregung, vor mir liegen. Das Kleinste enthält auf bräunlichen, Gross-Quartblättern alles was in Octav, Quart und Klein folio sich vorfand; das Zweyte grösseres Folio; das Dritte noch grössere Blätter.

Vom ersten liegt der Catalog bey und ich darf wohl hoffen dass

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*) Hier folgt die Parabel vom Fuchs und Kranich, (s. Goethe's Werke, 1827. Band III. p. 186), wahrscheinlich veranlasst durch eine Gemme, von welcher Goethe (Band XXXII. p. 213) unter dem Jahre 1822 berichtet: „Tischbein, aus alter guter Neigung, überraschte mich durch eine Gemme mit Storch und Fuchs, die Arbeit roh, Gedanke und Composition ganz vortrefflich.“

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gangen hätte.

Sie, mit der guten Ordnung und Aufbewahrung zufrieden, noch Einiges dazu spenden werden, welches überhaupt Ihrem freundschaftlichen Künstler-Herzen' überlassen bleibe; doch mit dem zugefügten besondern Wunsch: ob Sie nicht No. 1 der Abtheilung IV. den Reisenden im weissen Mantel, auf dem Obelisk ausgestreckt, in einer zwar flüchtigen aber hinreichenden Zeichnung mittheilen wollten? Die hier angeführte ist kavm grösser als ein Kartenblatt, nur wenig Feder- und Pinselzüge, dem geübtesten Schauer kaum lesbar; Querkleinfolio wäre an dieser Stelle das passendste Format. Verzeihung diesem Wunsche! Ein solches Blatt würde der Hauptschmuck der Sammlung werden.

Mögen Sie mir ferner auch Einiges mi theilen, was ich auf Verlangen sogleich zurücksende, so gäbe das eine gewisse Vollständigkeit des Anschauens vergangener Zeiten, die sich uns, wenn ich mich zu meinem zweyten Aufenthalt in Rom wende, beyden zum anmuthigen Denkmal früherer Zeiten heraufbauen dürfte.

Mit den treulichsten Wünschen und den schönsten Grüssen an die lie. ben Ihrigen empfehl ich mich zu fortdauerndem freundschaftlichen Andenken Weimar,

treulichst den Debr. 1821.

Goethe. Nach diesen Expectorationen hätte man allerdings erwarten können, dass Goethe bei einer spätern Erwähnung seines alten Freundes eine momentane Missstimmung aus früherer Zeit mit Stillschweigen über

Aber kaum hatte Tischbein am 26. Juni 1829 die Augen geschlossen, als Goethe, statt des noch im December 1821 verheissenen „anmuthigen Denkmals früherer Zeiten,“ im 29. Bande der neuen Ausgabe seiner Werke jene vor 42 Jahren brieflich gemachte unmuthige Aeusserung vor die Oeffentlichkeit brachte. Eine wie tiefe Indigoation dieses Verfahren, namentlich in der Tischbein'schen Familie erregte, das mag der nachfolgende, an Goethe gerichtete Brief, des damaligen Cammer - Consulenten, nachherigen Regierungsrathes Martens beweisen:

,Ew. Excellenz haben bei Ihrem Aufenthalt in Rom in den achtziger Jahren an Ihre Freunde in der Heimath vertrauliche Mittheilungen gemacht über Ihren derzeitigen Freund, den im vorigen Jahre verstorbenen Maler Tischbein. Ew. Excellenz haben damals an Ihre Freunde geschrieben, dass diese Mittheilungen nur für sie wären, woraus gefolgert werden darf, dass Ew. Excellenz Selbst eine allgemeinere Verbreitung derselben nicht für angemessen gehalten. Jetzt, da der verstorbene Tischbein sich nicht mehr vertheidigen kann und Ew. Excellenz schon aus Achtung für das alte: „de mortuis nil nisi bene,“ nichts von ihm oder seinem Leben mittheilen sollten , für seinen Namen nicht vortheilhaft, haben Ew. Excellenz nicht unterlassen, jene vertraulichen Mittheilungen an Ihre Freunde öffentlich in Druck zu geben. Im Namen der Nachgebliebenen des verstorbenen Tischbein halte ich, der Ehemann seiner ältesten Tochter, für meine

was

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Schuldigkeit, Ew. Excellenz zu sagen, dass der verstorbene Tischbein eine Wittwe und sechs Kinder und 2 Schwiegersöhne hinterlassen hat, welche sämmtlich im Stande sind, das Denkmal, welches Ew. Excellenz Ihrem alten Freunde gestiftet haben, ganz zu würdigen. Ihre einzige Satisfaction soll sein, dass sie einen freundschaftlichen Brief, den Ew. Excellenz im Jahre 1821 an den verstorbenen Tischbein geschrieben und w er von Ihrer Hand geschrieben steht: Treulichst Goethe,“ abdrucken lassen und dem Publico dabei sagen, was man von Ihrer Treue zu halten hat. Ihrem alten Freunde, dem Vorangegangenen, werden Sie bald begegnen. Er ist Ihnen treu geblieben und hat bis zum Ende Ihr Andenken in Ehren gehalten. Er trauet noch Ihrer Treue-Versicherung. Wo werden Sie das Angesicht hinwenden, wenn Sie ihm begegnen?! Ew. Excellenz weltverbreiteten Ruhm anerkennend, bin ich mit aller schuldigen Ehrerbietung: Martens, Advocat und Cammer-Consulent. (Eutin, den 12. October 1830.)“

Bemerkt sei nachträglich, dass obiges Schreiben nicht an seine Adresse gelangte, indem der Consistorialrath Römer, der Goethen zu einem Vorworte für Tischbein's Autobiographie bewegen wollte, dasselbe vorläufig zurückbehielt. Bekanntlich aber wurde bald darauf Goethe selbst vom irdischen Schauplatze abgerufen.

Wenn ein Düntzer, der sich so unläugbare, und auch überall anerkannte Verdienste um die Goethe-Literatur erworben hat, durch ein nicht näher motivirtes Urtheil des von ihm hochverehrten Mannes zu einer irrthümlichen Auffassung des Tischbein'schen Charakters verleitet werden konnte, so ist das eben so erklärlich, wie verzeihlich. Doch wird es hoffentlich auch gerechtfertigt erscheinen, wenn sich der Herausgeber der Tischbein'schen Autobiographie verpflichtet fühlt, für die gekränkten Manen Tischbein's, die leider noch keinen Vertheidiger gefunden haben, in die Schranken zu treten. Und so steht zu erwarten, dass bei passender Gelegenheit den ungünstigen Aeusserungen Goethe's über Tischbein die erforderliche, berichtigende Erläuterung beigefügt werden wird. Das gilt nicht allein von der oben erwähnten, unfreundlichen Bemerkung, so wie von mehren auf Tischbein bezüglichen Stellen der Goethe'schen Biographie des Landschaftmalers Philipp Hackert, der in ungetrübter Freundschaft mit Tischbein verbunden blieb, wie ein noch kurz vor seinem Tode an diesen gerichteter Brief beweist; sondern das gilt auch vor allen Dingen von dem ebenfalls in der Kölnischen Zeitung von Düntzer herangezogenen, dem Herder'schen Briefwechsel entnommenen, noch rückhaltsloseren Urtheile Goethe's über Tischbein. Ohne die Hinweisung auf eine momentane, aber vollkommen ausgeglichene Missstimmung, würden diese Aussprüche Goethe's über Tischbein, beim Hinblick auf seine späteren, äusserst freundschaftlichen Briefe, den Charakter dieses grossen Mannes nur in einem sehr zweideutigen Lichte erscheinen lassen. Braunschweig.

C. Schiller.

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