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die grammatische Form und Beweglichkeit des Nomens und Verbums. Denn auch die activen, passiven und medialen Formen des Verbums heissen dessen Genera. Es ist bekannt, zu welchen abenteuerlichen Vorstellungen sich Manche durch jene bildlichen, gar nicht ernst gemeinten Bezeichnungen haben verführen lassen. Da sollen Sonne und Mond, da sollen Tisch und Bank (man denke beiläufig an das französische le soleil und la lune, la table und le banc, die das entgegengesetzte Geschlecht zeigen) ihr Genus dem männlichen und weiblichen Charakter ihrer natürlichen Beschaffenheit zu verdanken haben, da bemüht man sich auf die abgeschmackteste Weise, diesen Charakter in dieser Beschaffenheit erkennen und nachweisen zu wollen.

Vor solchen Erwägungen wird jenes pädagogische Bedenken sich wohl in Nichts auflösen.

Wie sollte übrigens die Sprache dazu kommen, zum Ausdruck einer Erscheinung und Beziehung, die gar nicht den Inhalt, sondern lediglich das Wort - nicht einmal das Wort, sondern bloss die Form und Haltung des Wortes angeht, ein eigenes, selbständiges Wort einzusetzen! Wenn der Artikel in diesem Verhältnisse zum Genus stände: so hätten auch Casus und Numerus, auch Modus und Tempus Anspruch auf dergleichen aparte Wörtlein, und mit weit grösserm Rechte; denn sie betreffen doch noch den Inhalt selbst, was das Genus eben nicht thut.

Endlich findet man an dem Artikel auszusetzen, dass dies ein fremdes Wort sei. Man findet es wünschenswerth, ein deutsches dafür zu haben. Sehr wohl. Aber doch nicht um jeden Preis, doch nur, wo es mit Ehren und Verstand geschehen kann. Es ist wahr, fremde Ausdrücke bedürfen der Erklärung; aber Verdeutschungen, die etwas ganz Anderes zu verstehen geben als was gemeint ist, bedürfen deren noch weit mehr und führen das Uebel mit sich, dass sie die Erklärung doch immer wieder vergessen machen, indem sie uns doch immer wieder ihren fremdartigen Sinn aufdrängen und dadurch zu Irrtümern und Verkehrtheiten treiben. Ueberdies ist das Wort „Artikel" trotz seiner fremden Herkunft (articulus) in der

bei uns üblichen Form und Endung längst kein fremdes mehr. Es ist kein schlechteres deutsches Wort als Muskel (musculus), Zirkel (circulus), Insel (insula), Regel (regula), Spiegel (speculum) u. a. Was will man also davon?

G. L. Staedler.

Sitzungen der Berliner Gesellschaft für das Studium der neueren Sprachen.

65. Sitzung, den 25. Februar 1862. Herr Pröhle referirt 1) über den im zweiten Jahrgang des Preussischen Jahrbuches enthaltenen Aufsatz von L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preussen; 2) über das vierte Heft der Findlinge, von Hoffmann von Fallersleben; 3) über Germania, Beiträge deutscher Dichter und Dichterinnen, Berlin, 1861; 4) Das Haus zum Pelikan in Regensburg, von Neumann, Regensburg, 1862; 5) die Thierwelt, von Masius, Essen, Bädeker, 1861; 6) Lebensweise und Fauna der besonders in Deutschland einheimischen Jagdthiere; 7) Hanne Nüte un de lütte Pudel, von Fritz Reuter. Gelegentlich eines aus letzterer Schrift mitgetheilten Bruchstücks erhebt sich eine von Herrn Strack eröffnete Debatte über den hochdeutschen Anstrich des darin angewendeten Plattdeutsch. Herr Pröhle ist dagegen der Meinung, dass Fritz Reuter gerade darin eine hohe Meisterschaft bekunde, wie er im Munde des Ungebildeten Hoch- und Plattdeutsch sich mischen lasse. Herr Reymond liest den zweiten Act seines Lustspiels : les Faiseurs.

Herr Leo theilt nach der dänischen Uebersetzung des Saxo grammaticus von Wedel die Quelle des Shakspeare'schen Hamlet mit. Die Prüfung, wie sich dieselbe im englischen Dichter gestalte und was sich aus derselben für die Charakteristik des englischen Hamlet ergebe, behält er einem spätern Vortrage vor.

Herr Mahn spricht über einige auf stock endigende Namen von Städten auf ursprünglich slawischem Boden: Rostock, Wittstock, Bialystock und deutet sie, nach vorgängiger Widerlegung früherer Erklärungen aus der slawischen Wurzel des zweiten Bestandtheils = Fliessendes als: Auseinanderfliessendes, Hochfliessendes, Weissfliessendes, indem er zugleich die Richtigkeit seiner Herleitung aus der respectiven geographischen Lage motivirt. Er bittet schliesslich, ihm eben so endende Namen von Orten auf jetzt oder einst slawischem Gebiete zu fernerer Deutung angeben zu wollen.

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66. Sitzung, den 4. März 1862. Herr Gosche theilt aus dem einundzwanzigsten Bande der Bibliothèque de l'Ecole des Chartes Paul Meier's Untersuchungen über die Metrik des Gesanges anf die heilige Eulalia mit, worin er Littre's Behauptungen widerspricht, dass dieselbe durchweg in zehnsilbigen Versen sei. Eben so berichtet er über die anderen Aufsätze desselben Bandes. Endlich erwähnt er das Werk über Moses Mendelssohn von Kaiserling und hebt von den siebzehn Abtheilungen desselben namentlich die sechszehnte über den Spinozismus Mendelssohn's hervor.

Herr Strack spricht über die neuesten Ausgaben des Reineke Fuchs. Ueber die Aussprache des Plattdeutschen erhebt sich wiederum zwischen den Herren Pröhle, Sachse, Müller, Kuhlmey, Herrig eine kurze Discussion.

Herr Reymond liest den Schluss seines Lustspiels les Faiseurs.

Herr Giovanoly spricht über Aussprache, Ausdehnung und Literatur der Romanischen Sprache.

Herr Herrig theilt Curiositäten aus Programmen mit und legt die eingegangenen Schriften vor.

67. Sitzung, den 18. März 1862. Herr von Holzendorf erhebt Bedenken gegen die allgemeine Herleitung des Wortes ambassadeur aus ambactus, Bedenken namentlich aus dem Sinne des Wortes: Amt, da doch vor dem 16. sec. Gesandtschaften nur Geschäfte für den einzelnen Fall, vorübergehende Aufträge waren. „Dass ferner an die Ausübung eines Amtes nicht zu denken sei, zeigen die alten Verbal. bedeutungen. In einem Pönitential des heiligen Columban steht:

qui praesumit facere ambasciam, non permittente eo qui praeest, 50 plagis inhibeatur, d. h. wie man schon im Mittelalter übersetzt, qui e patria egredi vel peregre proficisci praesu

munt. In einer Urkunde aus dem 9. sec. bedeutet ambasciata so viel wie Botschaft und ambasciare, Botschaft bringen, (ambasciavit mihi). Daneben findet sich ambasciare aliquid, etwas als Mittelsperson erlangen und zugesichert erhalten. Es heisst in einer Urkunde Karl's des Kahlen von 877: Imperatrix ambasciavit signum Caroli gloriosi. Eine grosse Anzahl von Urkunden, namentlich Schenkungsurkunden beginnt mit den Worten N. N. ambasciatores oder ambasciaverunt. Die Kirche hielt es in früheren Zeiten für sicherer, weltliche Grosse als Schenkungsbürgen fungiren zu lassen. Ambasciare aliquid heisst daher : sich etwas versprechen und gewähren lassen.“

Nach diesen Ausführungen schlug der Vortragende für ambassadeur zwei Herleitungen vor, einmal aus invagiare der invagiator, der sicher Geleit erhalten hat, da sich factisch die Gesandten früher um solches erst bekümmern mussten, zweitens aus wacta.

Die Herren Mahn, Sachs, Gessner vertheidigen gegen den Vor

tragenden die Unbedenklichkeit der frühern Ableitung und machen auf die formellen Bedenken gegen die vorgeschlagenen aufmerksam.

Herr Tschérédé eff fährt in der Schilderung der russischen Literatur des 18. sec. fort.

Herr Mahn untersucht den Namen Celten etymologisch. Er deutet denselben als: Tapfere.

Die Gesellschaft beschliesst nachstehende öffentliche Bekanntmachung, welche den Tagesblättern übergeben werden soll: Die Berliner Gesellschaft für das Studium der neueren Sprachen hat den Beschluss gefasst, zu gründlichen Leistungen auf dem Gebiete der neueren Sprachen durch Reisestipendien und durch Prämiirung vorzüglicher Arbeiten erhöhte Anregung zu geben. Zunächst gedenkt der Verein solchen Gelehrten, welche mit einer wissenschaftlichen, das Studium der neueren Sprachen fördernden Arbeit beschäftigt sind, zu der es der Quellenforschung im Auslande bedarf, durch seine Unterstützung die Ausführung ihres Unternehmens zu erleichtern. Für das nächste Jahr sind zu diesem Zwecke 500 Thaler bestimmt, die je nach der Wichtigkeit der zu lösenden Aufgabe ganz oder zum Theil gezahlt werden sollen. Die Gesellschaft ladet daher die Studiengenossen, und zwar besonders die jüngeren, hiermit ein, sich um Ertheilung des Stipendiums bei dem Vorsitzenden, Professor Dr. Herrig, bis zum 1. Juli dieses Jahrs zu bewerben, zugleich sich über die bisher gemachten Studien auszuweisen und die bereits begonnenen Vorarbeiten zur Prüfung vorzulegen. Die Verleihung des Stipendiums wird am 26. October dieses Jahres erfolgen. Die geehrten Redactionen Deutscher Zeitungen werden um gefälligen Abdruck dieser Einladung gebeten.' Berlin, den 31. März 1862. Der Vorstand der Berliner Gesellschaft für das Studium der neueren Sprachen.

68. Sitzung, den 1. April 1862. Herr Rudolph erörtert die Grundsätze, die er in der von ihm und van Muyden gemeinschaftlich herausgegebenen Auswahl französischer Schriftsteller zu befolgen gedenkt.

Herr Mahn untersucht die Etymologie des Wortes Eichhorn; er sieht darin wegen des scandinavischen ikorn für ekorm die Bedeutung: Eichwurm, Eichschlange, wenn es nicht vielleicht ein hybrides, halb schwedisches, halb lappländisches Wort sei.

Herr Traxel macht Mittheilungen aus der in Berlin in deutscher, französischer, englischer Sprache erscheinenden Conversationshalle.

Hierauf legt der Vorsitzende die nachstehenden Erklärungen zu Shakspeare der Gesellschaft vor, welche Herr W. Rushton in Liverpool eingesandt hat.

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