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Artikel beim Superlative?

In der italienischen und französischen Grammatik wird allgemein angenommen, der Superlativ entstehe aus dem Comparative durch den Zutritt des (bestimmten) Artikels.

Die deutsche Sprache bildet den Comparativ und Superlativ durch Endungen. Aber auch hier sind Viele der Meinung, der Artikel gehöre dennoch gleichfalls zum Superlative und mache gewissermassen einen Bestandtheil desselben aus.

Wenn man bedenkt, dass der Artikel durchaus dem Hauptworte angehört und dass er, irgend einem andern Worte beigefügt, durchaus nur die Wirkung hat, dieses vorübergehend als Hauptwort zu charakterisiren: so muss es von vorn herein verdächtig erscheinen, dass er auch dazu solle beitragen können, den Superlativ eines Beiwortes zu bilden. Wie verhält es sich also damit?

Es sei erlaubt, die Untersuchung mit dem Deutschen zu beginnen. Die Endung des Comparativ ist er, die des Superlativ est. Beide Endungen bewirken bei einsylbigen Beiwörtern häufig die Umlautung des Stammvocals (hart, härt-er, härt-est); auch giebt das superlative est, wo ihm nicht gerade ein Zungenlaut vorangeht, in der Regel sein e auf (lang, läng-er, läng-st), was besonders bei mehrsylbigen, schon im Positive mit irgend einer Endung versehenen Beiwörtern geschieht (freundlich, freundlich-er, freundlich-st).

Syntaktisch verbinden sich diese Formen entweder mit Hauptoder mit Zeitwörtern. Im letzteren Falle erleiden sie weiter keine Veränderung:

Der Weg ist lang. Die eine Seite ist läng-er als die andere. Man weiss es läng-st. Er grüsste freundlich, freundlich-er (als sonst), freundlich-st.

Nur fällt hierbei sogleich auf, dass die Superlativform die adjec'tive Beziehung mit der adverbialen vertauscht; „längst“ ist so viel wie ,,seit längster Zeit" - „freundlichst“ so viel wie „auf freundlichste Weise.“ Auch sind es immer Zeitwörter concreteren Inhaltes, niemals die des blossen Seins (sein, werden, bleiben), mit welchen sich der Superlativ verbindet, und endlich erstreckt sich dieser Gebrauch desselben nur auf eine beschränkte Anzahl von Beiwörtern (jüngst, baldigst, eiligst, gütigst, höflichst, ergebenst, gehorsamst und ähnliche).

Anders verhält es sich, wenn das Beiwort mit einem Hauptworte verbunden wird. In diesem Falle ist es zur Theilnahme an der Declination desselben verpflichtet. Es erhält demgemäss besondere Endungen, welche theils den Casus-, theils den Genusverhältnissen dienen. Dabei kommt zugleich in Betracht, ob das Hauptwort vom Artikel begleitet ist oder nicht, und ob vom bestimmten oder vom unbestimmten. Nicht in Betracht aber kommen die Comparationsgrade des Beiwortes. Die gleichen Casus- und Genusendungen treten ohne Unterschied an die Positiv-, Comparativ- und Superlativform desselben.

Das Nähere ist Folgendes: 1) In Abwesenheit des Artikels erhält das mit dem Hauptworte verbundene Beiwort in allen Graden die Genusendungen er, e, es mit starker Declination :

alt-er, ält-er-er, ält-est-er Wein;
fein-e, fein-er-e, fein-st-e Seide;

freundlich-es, freundlich-er-es, freundlich-st-es Betragen. 2) Dieselben Endungen, aber mit schwacher Declination, erhält es, und zwar wiederum in allen Graden, wenn das Hauptwort den unbestimmten Artikel bei sich hat:

ein gross-er, gröss-er-er, gröss-est-er Kreis ;
cine schön-e, schön-er-e, schön-st-e That;

ein klein-es, klein-er-es, klein-st-es Versehen. 3) Hat das Hauptwort den bestimmten Artikel bei sich: so erhält das Beiwort in allen Graden ein geschlechtsloses e mit gleichfalls schwacher Declination :

der kurz-e, kürz-er-e, kürz-est-e Weg;
die lang-e, läng-er-e, läng-st-e Seite;

das hart-e, härt-er-e, härt-est-e Metall. Wie steht es nun? Der Gebrauch begünstigt den Superlativ bei unartikulirtem Hauptworte zwar nicht allzu sehr (am Meisten im Genitiv und Dativ und in Verbindung mit einer Präposition), er gestattet ihn neben dem unbestimmten Artikel nur in seltenen Fällen (wiewohl er ihn in derselben Form und Declination neben „kein“ so wie neben den possessiven Fürwörtern desto häufiger zeigt) und erweist ihm allerdings neben dem bestimmten Artikel eine entschiedene Vorliebe (die sich übrigens auch neben demonstrativen Fürwörtern nicht verleugnet). So viel aber ist sichtbar, dass sich der Superlativ bei unbestimmtem oder auch ganz abwesendem Artikel nicht minder zu behaupten vermag als bei dem bestimmten sichtbar, dass er in allen diesen Fällen, also auch in dem des bestimmten Artikels, vor dem Positire und Comparative Nichts voraus hat sichtbar endlich, dass er sich zum Artikel, sei dieser an- oder abwesend, der bestimmte oder unbestimmte, nicht anders verhält als jeder der beiden andern Vergleichungsgrade.

Woraus sich denn der Schluss ergiebt, dass der Artikel mit der Bildung und Bedeutung des Superlativs eben so wenig zu schaffen hat wie mit der des Comparativs und des Positivs selber. Er gehört, wo er steht, lediglich dem Hauptworte an.

Auch kennen wissenschaftliche Bearbeitungen der deutschen Grammatik (von Grimm, Becker u. A.) einen solchen Artikelsuperlativ nicht. Sie kennen ihn so wenig wie ihn die Grammatik der griechischen Sprache kennt, in welcher sich der Artikel gleichfalls neben jedem Comparationsgrade findet. Der Artikelsuperlativ ist das Erzeugniss einer nicht nur irrtümlichen, sondern überhaupt unwissenschaftlichen Ansicht, einer Ansicht, die sogar noch weiter geht, indem sie die Superlativ- mit der Flexionsendung zusammenmengt und ste (z. B. der klein-ste) für den eigentlichen Ausgang des Superlativs hält. Bei der grossen Verbreitung, die diese Ansicht trotzdem in manchen Schulund Lehrkreisen immer noch hat, dürfte es nicht überflüssig erscheinen, ihr gelegentlich einmal wieder, wie hier geschehen, zu begegnen.

Was nun den Superlativ im Italienischen und Französischen betrifft: so ist es damit im Grunde nicht besser bestellt, obwohl es hier keine wissenschaftliche und unwissenschaftliche Ansicht zu unterscheiden giebt. Die Aufgabe ist nur, zu untersuchen, ob die vorhandene und allgemein herrschende von dieser oder jener Beschaffenheit sei.

In Ansehung der Form ist vom Lateinischen auszugeben. Der Archiv f. a. Sprachen. XXXI.

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lateinische Superlativ wird vermittelst der Endung issimus, a, um *) gebildet, welche an den Stamm des Beiwortes tritt und, wie man sieht, zugleich den Genusunterschied enthält. Im Italienischen lautet diese Endung issimo, a und ist vom umfassendsten Gebrauche. Sie kann an jedes Beiwort treten. Dagegen hat sie nur noch absolute Bedeutung, das heisst, sie steht ausserhalb aller Vergleichung. Wenn z. B. ein Ausdruck wie lat. „pretiosissimae gemmae“ oder deutsch „die kostbarsten Edelsteine“ sowohl von solchen verstanden werden kann, welche in Vergleich mit andern, als auch von solchen, welche überhaupt und ohne Vergleich im höchsten Grade kostbar sind: so bedeutet das ital. „preziosissime gemme“ nur noch dies Letztere. **) Dennoch ist diese Form die einzige, die der Superlativ im Italienischen – desgleichen auch im Spanischen (isimo, a) und Portugiesischen (issimo, a) aufzuweisen hat. Im Französischen ist auch sie bis auf wenige Ueberreste verschwunden, die der Scherz aufbewahrt (savantissime, ignorantissime, fourbissime) oder die gewöhnliche Umgangssprache duldet (bellissime, grandissime, rarissime) oder die zu Titeln verwandt werden (éminentissime, illustrissime, révérendissime, sérénissime). Im Walachischen fehlt sie ganz. Es entsteht also die Frage, wie jene vergleichende, relative Bedeutung des Superlativs ausgedrückt werde.

Auf diese Frage wird eben geantwortet, es geschehe durch den Comparativ mit Hinzuziehung des (bestimmten) Artikels.

Und welche Form hat der Comparativ? Er hat gar keine. Es ist ihm ergangen wie den Casus. Wie diese, mit Ausnahme des Nominativ und des ihm gleichen Accusativ, ***) durch Partikeln vertreten werden, welche dem Sinne derselben entsprechen: so wird auch der Comparativ, d. he der Sinn desselben, nur noch durch eine dem Positive vorgesetzte Partikel angedeutet. Das Vorbild hierzu lieferten schon im Lateinischen diejenigen Adjectiva, welche, wie z. B. idoneus,

*) Oder errimus, a, um. Doch ist diese Endung auf die Adjectiva auf er beschränkt. Im Italienischen und Spanischen, wo sie errimo, a lautet, ist sie nur sehr wenigen (sieben) verblieben, im Französischen ganz geschwunden.

**) Nur im Altitalienischen finden sich auch Spuren von jener relativen Bedeutung.

***) Nur bei den persönlichen Fürwörtern hat der Acc. eine eigene Form.

vor der Genusendung einen Vocal haben und damit aus formalen Gründen die gleichfalls vocalisch anlautenden Comparationsendungen ior und issimus ablehnen. Sie bedienten sich also zum Ausdrucke des Comparativ- und Superlativsinnes der Adverbia magis (magis idoneus) und maxime (maxime idoneus). Dieses magis nun haben die Spanier, Portugiesen und Walachen in allgemeinen Gebrauch genommen; sie sagen im Comparativsinne z. B. mas duro, mais duro, mai duru (mehr hart = härter). Das superlative maxime aber haben sie aufgegeben. Im Italienischen, Provenzalischen und Französischen ist das lat. plus an die Stelle des magis getreten : più duro, plus dur; aber auf das entsprechende superlative plurimum ist auch hier verzichtet worden.

Diese letztere, geschichtliche Thatsache, dass nämlich das superlative maxime oder plurimum nirgend Eingang noch irgendwo durch einen Ausdruck von ähnlicher Bedeutung Ersatz gefunden hat, dürfte allein schon hinreichen, um die Annahme zu begründen, dass der vergleichende, relative Superlativ den romanischen Sprachen überhaupt fremd geworden und abhanden gekommen sei. Ja es wird diese Annahme in auffallender Weise noch dadurch bestätigt, dass selbst die wenigen ächten, obgleich schon im Lateinischen für unregelmässig gehaltenen Superlative optimus, pessimus, maximus, minimus, die wenigstens dem Italienischen, Spanischen und Portugiesischen verblieben sind, dennoch, gleich denen auf issimus, nur in absoluter, nicht in relativer Bedeutung gebraucht werden.

Betrachten wir jedoch noch den Artikel! Ein Ausdruck wie ital. il più duro (weibl. la più dura) soll also die Bedeutung eines relativen Superlativs haben, er soll in dieser Bedeutung so verstanden werden wie unser „der, die, das härteste.“ Was hindert denn, ihn etwa auch wie unser „der, die, das härtere“ zu verstehen, ihn im Comparativsinne zu nehmen und demgemäss auch so zu übersetzen? Es wird auf den Inhalt und Zusammenhang ankommen. Und wenn nun gerade um diesen Comparativsinn zu thun ist: welcher andere, von jenem vermeintlichen Superlative verschiedene Ausdruck stände denn alsdann zu Gebote? Es sei z. B. von Eisen und Blei die Rede und man wolle ausdrücken, von diesen beiden Metallen sei das Eisen das härtere: wie wird man sagen? Doch nicht anders als :

spån. de esos dos metales el hierro es el mas duro,

es

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