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Denn dieses gibt Kraft und Muth zur Ausübung des Guten und zur Ueberwindung des Bösen. Wenn du vom Gebet ablassest, so wirst du an deiner Seele ganz matt und kraftlos zum Guten, dagegen kräftig und stark im Bösen. Sag nicht, du habest teine Zeit zum Beten. Du hast Zeit zum Essen, und das muß sein. Der Leib muß täglich genährt und gestärkt werden durch Speise, sonst würde man schwach und frank werden und zulegt gar sterben. Aber deine Seele braucht auch alle Tage ihre Nahrung und Stärkung, sonst wird sie auch schwach und kraftlos zum Guten und geht zu Grunde. So gewiß aber die Seele und ihr ewiges Leben mehr werth ist, als der Leib und sein zeitliches Leben, so gewiß mußt du auch deine Seele täglich nähren und stärken durch das Gebet und durch gottselige Gedanken. Bete also täglich mit ernstlicher Andacht Morgens, Mittags und Abends, denk auch unter Tags öfter an Gott. Die heilige Zita war eine Dienstmagd; ihr Sprichwort aber war: ,,Die Hand bei der Arbeit und das Herz bei Gott.“ Der Tag aber, wo du nicht gebetet hast, ist für deine Seele und für die Ewigkeit verloren. Du hast nicht für Gott und deine Seele gelebt, du hast nur deinen Leib gefüttert und nur zeitlichen Lohn verdient. Vergiß also das Beten nicht! Und wenn wir mißtrauisch auf unser Gebet sind, so haben wir

ja Fürbitter, die unsere Schwachheit erseßen, nämlich die Heiligen Gottes im Himmel.

2.

Das zweite gute Werk heißt Fasten. Der Prophet fonas ging in die Stadt Ninive hinein und predigte: „Es find noch vierzig Tage und Ninive wird untergehen.“ Da glaubten die Leute zu Ninive an Gott, ließen eine Fasten verkündigen und zogen Bufjäde an, vom Größten bis zum Kleinsten. Und da es vor den König tam, stund er auf von seinem Thron, hüllte fich in seinen Bußsack ein, streute Asche aufs Haupt und ließ in seinem Namen ausrufen: „Menschen und Thiere, Hornvieh und Schafe, sollen nichts genießen, weber Speis noch Trant. Ueberal fou man zu Gott schreien; ein Feder bekehre fich von seinen bösen Wegen und vom Gräuel seiner Hände; vielleicht läßt sich Gott noch besänftigen und verzeiht uns, daß wir nicht zu Grunde geben.“ Und wirtlich! da Gott ihre Werke sah, wie sie sich von ihrem bösen Lebenswandel bekehrt hatten, erbarmte er sich und ließ das Uebel, das er ihnen zugedacht hatte, nicht über sie kommen.

Fastet also, ihr Christen! ruft uns der beil. Kirdhenvater Chrysostomus zu, fastet ihr Christen, damit ihr euch dadurch Gott wohlgefädig macht, und von thm in euren Nöthen Beistand und Hülfe erlangt. An dem Beispiel der Niniviten sehen wir aber wohl, daß das Fasten nicht blos in der Einhaltung von Fleischspeisen und in einem Abbruch 'an Essen und Trinken allein bestehe. Fasten heißt nicht blos kein Fleisch essen und sich des Tags nur einmal jättigen, sondern es heißt auch seine bösen Neigungen bezähmen und überwinden. Wir follen uns daher auch in erlaubten Dingen öfter überwinden, damit wir uns desto leichter in unerlaubten überwinden können. 3. B. ein junger Mensch könnte heute in einer Gesellschaft mit andern feines Gleichen auf eine ehrbare Art sich unterhalten. Wenn er nun aus Liebe zu Gott sich dieses Vergnügen versagt, wenn er dafür die Kirche besucht und dem nachmittägigen Gottesdienst beiwohnt, so überwindet er sich in erlaubten Dingen. Eine junge Weibsperson hätte das Geld und die Erlaubniß von ihren Eltern, fich ein Kleid nach der neuesten Mode machen zu lassen. Wenn sie nun aber aus Liebe zu Gott fich ein nach ihrem Stand ehrbares Kleid machen läßt, so zeigt sie ebenfalls eine Ueberwindung in erlaubten Dingen. Und so sollen wir uns also auch öfters in erlaubten Dingen überwinden, damit wir uns desto leichter in unerlaubten Dingen überwinden können.

So lang der Mensch lebt, trägt er seinen Feind in fich herum, der ihn zu verschiedenen Sünden und Untugenden antreibt. Dieser Feind ist die böse Neigung, die man auch schon bei den Kindern in der Wiege bemerkt. Diese Neigung mag fich wohl zu Zeiten wie todt stellen, aber sie stirbt nie ganz in dir. Diesen leibeignen Feind mußt du entfräften und abmagern, daß er nicht zu dick und stark wird. Thu dir daher zuweilen einen Abbruch im Essen und Trinken, bleib öfters da und dort weg, wohin zu geben es dich gelüstet; schluck öfters wieder ein Wort hinunter, das dir schon auf der Zunge figt und herausfahren will; versag dir öfters auch ein erlaubtes Vergnügen, eine erlaubte Freude und Lustbarkeit, um dich desto leichter von unerlaubten Freuden und Lustbarkeiten enthalten zu können. Dadurch hilfst du deiner Seele wieder zu Sträften, daß fie ihre Herrschaft über deine bösen Neigungen und Leidens schaften ausüben kann. Darum sollst du also fasten, damit du desto leichter über dich selbst Herr werden kannst.

3.

Das dritte gute Werk ist das Almosengeben. Es gibt ein Almosen, das ein Jeder gar leicht seinem Nächsten mittheilen kann. Das Almosen besteht nicht allzeit im Hergeben; man kann auch helfen in eigner Person, und dieses Helfen schaut oft weit freundlicher und lieblicher aus als das Geben. Nicht Alle tönnen den Armen geben und den Nothleidenden beispringen; aber ein jeder Mensch, wer er auch immer sein mag, kann seinem Nächsten einen Dienst oder Gefallen erweisen, eine Mühe ersparen, einen Schaden verhüten, einen Schmerz lindern, oder eine Freude machen. Wie viele Gelegenheiten gibt es nicht dazu? Ich will nur einige Beispiele hievon anführen.

Ein Nachbar oder ein Vetter von dir, mit welchem du schon lang in Haß und Feindschaft warst, liegt schwer trant, hat schon so zu sagen die Thürschnalle der Ewigkeit in der Hand; er glaubt selber, daß er die Hosen und Strümpfe auf dem Stuhl und den Nock am Nagel und die Schuhe unter der Bettstatt nimmer anlegen werde. Wenn er anders ein christliches Herz im Leib hat, so machst du ihm gewiß eine Freude und linderst ihm seinen Seelenfchmerz, wenn du zu ihm kommst, ihm die Hand gibst und sagst: „lieber Nachbar! oder lieber Vettermann! verzeih mir, wenn ich dich beleidigt hab', es ist dir auch Alles verziehen."

Ehre und guter Name find auch viel werth, und es thut den Meisten gar weh, wenn man fie an der Ehre angreift. Aber sehr vielen Menschen thut nichts wohler, als wenn sie Andern die Ehre abschneiden können. Du aber, mein Christ! geh mit deiner Zunge so vorsichtig um, wie mit einem Barts messer, weil man mit der Zunge eben so leicht seine

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