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frühlehre auf den Sonntag nach Meujahr. Nugen des Lesens in der Kirche und zu

Hause.

„Ein Engel des Herrn erschien dem Joseph im Schlafe.“

Matth. 2, 19. „Steh auf," so sprach der Engel des Herrn zu Joseph im Schlafe, „steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Sirael. Joseph stand auf, nahm das Kind und seine Mutter und tam in das Land Israel." So erzählt das heutige Evangelium. Damals sandte Gott eigens einen Engel, um dem Joseph seinen Willen kundzuthun. Heute aber läßt uns Gott seinen Willen nicht mehr durch einen besondern Engel zu wissen machen, sondern er schict euch eure Seelsorger, damit sie euch in Predigten und Christenlehren seine Gebote offenbaren. Damit ihr aber den Inhalt dieser Vorträge nicht so bald vergeßt, und damit ihr auch zu Hause oft daran erinnert werdet, ist es sehr rathsam für euch, daß ihr auch in solchen geistlichen Büchern leset, die nach dem Sinn der heiligen Schrift verfaßt und von der katholischen Kirche gut geheißen sind. Ich kann es daher nicht unterlassen, euch, meine Christen! das Lesen geistlicher Bücher anzurathen und bestens zu empfehlen, sowohl in der

Kirche als auch zu Hause. Und warum ihr dieß thun sollt, das werd id) heute in meiner Frühlehre zeigen. Hört mich!

1.

Jene Christen thun gar nicht gut, die lesen können, aber selten oder nie ein gutes Gebetbuch mit sich in die Kirche nehmen, um daraus ihre Andacht zu verrichten. Der h. Apostel fakobus sagt in seinem Briefe 4, 7: „Wer Gutes thun fann und es nicht thut, dem ist es Sünde." Nun fönnen aber Fene, die im Lesen gut unterrichtet sind, gewiß besser beten, Gott in der Kirche mehr und besser verehren, als Andere, die im Lesen ganz unerfahren sind Man findet ja in guten Gebetbüchern mancherlei Andachtsübungen, von welchen Diejenigen gar nichts wissen, welche das Lesen niemals gelernt haben. Es ist also nur eine sträfliche Nachlässigkeit, wenn man lesen fann, und in der Kirche nicht lesen mag, wenn man jene Gebetbücher zu Hause im Staub liegen läßt, die doch dazu gemacht sind, daß man sie in der Kirche zu seiner Andacht gebrauche.

Es ist freilich auch recht, es ist gut und löblich, in der Kirche unter der H. Messe den Rosenkranz zu beten; wer tönnte wohl eine solche Andacht verachten oder tadeln, bei welcher, wie beim Rosenkranz, die besten Gebete, nämlich das apostolische Glaubenebetenntniß, das h. Vaterunser, der englische Gruß gesprochen und dabei nach Verschiedenheit der Zeiten die heiligen Geheimnisse des Lebens, des Leidens, der Auferstehung unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi eingelegt werden.

Aber mit dem heil. Rosenfranz allein sollen jene Christen noch nicht zufrieden sein, die im Stande sind, auch andere Andachten aus geistlichen Büchern zu verrichten. Es ist hart genug für jene Leute, die außer dem Rosenkranz kaum etwas zu beten wissen. Sie bedauern es selbst oft genug. Wie oft hört man nicht solche Leute sagen: Sie wollten gern einen Finger aus der Hand geben, wenn sie lesen tönnten, damit sie doch in der Kirche auch ein Buch in die Hand nehmen und daraus ihre Andacht verrichten könnten. Das ist aber doch sonderbar: die gern lesen möchten, die fönnen nicht lesen, und die lesen fönnen, mögen nicht lesen. Mit einem Gebetbuch neben dem Rosenkranz kommt man ja doch in der Andacht viel weiter als mit dem Rosenkranz allein. Wer immer nur den Rosenkranz betet, dem wird bald die Zeit lang, so daß er zulegt gar nimmer betet.

Endlich fommt ja doch beim Gebet Alles darauf an, daß man andächtig bete. Ein Gebet ohne Ans dacht, ohne Aufmerksamkeit, hat das Wohlgefallen Gottes nicht. Vielmehr beklagt fich der göttliche

Heiland über Jene, die nur mit dem Mund und nicht auch mit dem Herzen beten, und sagt bei Matth. 15, 8: ,,Dieses Volt ehrt mich nur mit den Lippen, sein Herz aber ist weit von mir.“ Nun frage ich euch, meine Christen! Wann tönnt ihr auf eure Gebete besser merken, wenn ihr in einem Sebetbuch lefet, oder wenn ihr ohne Gebetbuch nur auswendig euern Rosenkranz betet? - Beim Auswendigbeten sieht man Vieles, was der nicht fiebt, der fleißig in sein Gebetbuch hineinschaut. Was man auswendig betet, das ist man schon gewohnt, und betet oft so babin, ohne darauf zu merken, was man betet. Aber im Gebetbuch muß man die Worte anschauen, muß darauf Acht haben, was darin ges brudt ist.

Beim Lesen in der Kirche wird man also weniger zerstreut, und man muß nothwendig auf das merken, was im Buche steht. Man betet also aufmertsamer und andächtiger mit einem guten Gebetbuch als ohne Gebetbuch. Darum find jene Eltern nicht genug zu loben, die ihren Kindern, sobald sie lesen können, ein gutes Gebetbuch anschaffen, und streng darauf sind, daß ihre Söhne und Töchter besonders an Sonn- und Feiertagen, ihr Gebetbuch in die Kirche mitnehmen und fleißig barin lesen. Es hat dieß einen doppelten Nußen; denn für's Erste vergessen solche Kinder das Lesen nimmer, wie

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Manche, die, was sie in der Schule gelernt haben, wieder ganz vergessen, weil sie sogar in der Kirche niemals aus einem Gebetbuch beten. Hingegen werden die jungen Leute, wenn fie fleißig in ihr Gebetbuch hineinschauen, vom Schwäßen und vorwißigen Herumschauen abgehalten. Es ist nun wohl ganz klar und deutlich bewiesen: Wer in der Kirche gern liest, der kann mehr, kann aufmerksamer, fann andächtiger beten, als wenn er ohne Gebetbuch in die Kirche tommt.

2.

Aber auch das Lesen zu Hause hat seinen Nugen, und auch zu Hause sollt ihr also fleißig lesen, namentlich an Sonn- und Feiertagen, oder auch Abends, wenn ihr von eurer Arbeit ruht. Es hat dieses Lesen zu Hause einen doppelten Nußen. Es wird dadurch viel Gutes gethan und viel Böses unterlassen.

Ja, wenn das Lesen zu Hause sonst gar keinen Nußen brächte, als daß viel Böses dadurch unterbleibt, so wäre es schon überaus gut. Shr wißt es am besten, meine Christen! wie viel Böses zu Hause gerade in den Feierstunden oft geschieht: wie da, wo man seine Gedanken nicht bei der Arbeit zu haben braucht, das ganze Dichten und Denken oft nur auf Abscheulichkeiten gerichtet ist, wie Ehrabschneidung,

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